Interview zur #FSG15

Erinnerungen an 10 Jahre Formula Student Germany

Die Formula Student Germany, der internationale Konstruktionswettbewerb für Studierende, geht vom 28. Juli bis 2. August in seine Jubiläumstunde. In einem Jahrzehnt ist viel passiert am Hockenheimring. Nicht nur die Anzahl der Teams aus aller Welt ist stetig gestiegen, sondern auch die Anforderungen an die studentischen Boliden. Die Begeisterung für das Event ist ungebrochen. Warum ist das so? Wir haben bei Detlef Frank, langjähriger Judge in der Disziplin „Business Presentation Event“ nachgefragt.

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Jetzt zählt es: Präsentation des Businessplans vor der Jury (Bild: FSG / Shetty)

Herr Frank, Sie sind seit über zehn Jahren in der VDI-FVT aktiv und haben die Anfänge der FSG mitbekommen. Wie ging es denn damals eigentlich los? Welche Rolle hat der VDI gespielt?
Der VDI hat 2005 in zwei Funktionen Pate für die FSG gestanden. Zum einen ging es um die Finanzierung, eigentlich nur eine Vorfinanzierung, denn Teile des Budgets wurden schon damals bei Sponsoren eingeworben. Die zweite Funktion war die ideelle Unterstützung durch die Gesellschaft für Fahrzeug- und Verkehrstechnik (FVT) im VDI. Die FSG konnte damals zum Start die Expertise der Ingenieure in der FVT sowie deren Kontakte zur Industrie gut gebrauchen. Auch heute spielt die FVT eine wichtige Rolle, denn neben Sponsoren braucht die FSG ja auch eine große Zahl von Experten für die Jurys in den verschiedenen Disziplinen. Daher ist der VDI auch heute noch ideeller Träger der FSG.

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Dipl.-Ing. Detlef Frank (Bild: privat)

Die Teilnehmer der FSG müssen in acht statischen und dynamischen Disziplinen überzeugen, darunter auch in der Präsentation eines Businessplans. Sie waren acht Mal in der Jury, die diese Pläne bewertet hat. Was sind die Herausforderungen?
Die Herausforderungen bei den Präsentationen betreffen beide Seiten, die Juroren ebenso wie das präsentierende Team. Die Juroren müssen sich sehr vorurteilsfrei auf manchmal sehr abgehobene Ideen und eine unbändige Begeisterung der Studenten für ihr Produkt einstellen. Die Studenten knabbern dafür oft an so irdischen Fragen: „Wie wollen Sie bei einer so geringen Stückzahl weltweit einen schnellen Wartungs- und Ersatzteildienst wirtschaftlich durchführen?“ Oder, noch gemeiner: „Was könnte denn ein gut verdienender Familienvater für 25.000 Dollar auch kaufen anstelle eines Wochenend-Rennwagens? Mit welchen anderen Freizeitprodukten sind Sie in Konkurrenz?“

Wie haben sich die Präsentationen der Studierenden über die Jahre verändert? Gibt es Ideen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Verändert hat sich über die Jahre auf jeden Fall die Professionalität, vor allem auch im nichttechnischen Bereich, also der Finanzierung, des Vermarktens und der Präsentation. Natürlich hat sich auch die Technik enorm weiter entwickelt. Wenn man bedenkt, dass anfangs Fahrzeuge mit deutlich über 300 kg Gewicht am Start waren und heute die besten fast nur noch die Hälfte wiegen, sieht man, dass die FSG-Boliden keine Standardware sondern High-Tech-Produkte sind.

Neben vielen kreativen Entwicklungen an den Fahrzeugen selbst ist mir eine Idee für den Umgang mit einem solchen Rennwagen besonders in Erinnerung geblieben: ein Team hat zu seinem Fahrzeug gleich den möglichen Transporter entworfen, der nicht nur den Rennwagen und die Ausrüstung transportiert, sondern auch im verlängerten Führerhaus eine Schlafkabine hat. Der Gedanke dahinter: So hat der Fahrer kein Problem mit der Unterkunft, ist unabhängig von Hotelbuchungen und der Organisation durch andere. Einfach pfiffig! Denn darum geht es ja auch bei der Formula Student: Horizont erweitern, nicht nur auf das Produkt schauen, sondern immer den Kunden im Blick haben.

Sie waren lange Jahre für BMW tätig, zuletzt als Senior Vice President for Science and Research. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit mit dem Ingenieurnachwuchs gemacht und profitieren angehende Ingenieure von der FSG für das spätere Berufsleben?
Meine Erfahrung mit dem Ingenieurnachwuchs ist, dass man fast immer auf fachlich hervorragend ausgebildete Leute trifft. Aber die Defizite liegen manchmal in der mangelnden Gesamtschau auf ein Produkt und sein Umfeld, nämlich den Markt und die Kunden. Und genau hier setzt ja die Formula-Student-Idee an. Man muss sein „Baby“ nicht nur genial konstruieren, sondern man muss es auch zusammenbauen, man muss die Tests bestehen, das Geld für die Unternehmung irgendwo einwerben, über Kundendienst und Teileversorgung nachdenken, einen Zeitplan einhalten und dann auch noch eine Jury in der Business-Präsentation davon überzeugen, dass man dieses „Männerspielzeug“ für 25.000 Dollar oder mehr verkaufen kann. Kurz gesagt: bei der Formula Student kommen geballt alle denkbaren Funktionen eines Unternehmens zusammen. Das lernt man nicht an der Hochschule, oder wenn, dann nur in der Theorie. Eine bessere Vorbereitung eines Studenten auf einen Arbeitsplatz gibt es nicht.

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Geschafft: Das Team feiert seinen Fahrer (Bild: FSG / Hirvonen)

Die FSG feiert ihr 10-jähriges Jubiläum. Was macht den Konstruktionswettbewerb so besonders?
Formula Student ist deshalb etwas Besonderes, weil der technische Nachwuchs hier ein Trainingsfeld hat, das es in keiner Branche gibt, nicht geben kann. Oder sind mit Produkten der Pharmaindustrie oder mit Küchengeräten Formula-Student-Wettbewerbe denkbar? Eher nicht. Das ist für unsere Branche einmalig, für die Teams aber auch für Unternehmen, die neue Mitarbeiter direkt vor Ort rekrutieren.

Was waren Ihre persönlichen Highlights?
Meine persönlichen Highlights sind einerseits natürlich die kreativen Ideen, zum Beispiel wie ein Team seinen Kundendienst organisieren will. Mindestens genauso wichtig ist aber die freundschaftliche Atmosphäre der konkurrierenden Teams untereinander. Ich erinnere mich an ein Jahr, in dem das Oxford-Team frühzeitig ausgefallen war und die Moskauer große Probleme hatten, ihr Auto überhaupt zum Fahren zu bringen. Man hatte schon einige Tests zeitlich verpasst und auch die durchgearbeitete Nacht von Samstag auf Sonntag nützte nichts, so dass die Moskauer Sonntag früh aufgeben und ihren LKW beladen wollten. Die Oxforder, nebenan in der Box, winkten die Moskauer zu sich und boten an, den ganzen Tag mit ihnen weiter zu schrauben, damit wenigstens eine Ehrenrunde möglich wäre. Selbstverständlich wurde das von der Veranstaltungsleitung gestattet und um 16 Uhr brandete riesiger Beifall auf, als das Moskauer Auto zum Start kam. Es trug die Startnummer der Oxforder, die Teams hatten ihre T-Shirts getauscht – Gänsehautfeeling pur! Man kann nur jedem Teilnehmer wünschen, dass er ein bisschen von diesem Feuer mitnimmt.

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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