Dort lauern die Gefahren

Legionellen im Trinkwasser

Legionellen im Trinkwasser sind keinesfalls nur eine Ausnahme. Ihre rasche Vermehrung und die davon ausgehende Gefahr für unsere Gesundheit lassen sich aber verhindern.

Bild: Ranglen / Shutterstock.com150813_VDI_RL_483x241-V1-T13

Legionella pneumophila ist ein gramnegatives, unbekapseltes und sporenloses Stäbchen-Bakterium und Auslöser der Legionärskrankheit und des Pontiac-Fiebers. Die meisten von uns kennen Legionellen nur aus den Nachrichten, wenn sie wieder Ursache einer Lungenentzündungsepidemie waren, wie im August 2013 in Warstein. Dabei kommen sie weltweit im Boden und in Oberflächengewässern vor – und dadurch eben auch im Grund- und Trinkwasser. Ihre Konzentration ist dort allerdings sehr gering und wir müssen uns auch keinerlei Sorgen machen, das Wasser aus der Leitung zu trinken. Gefährlich werden uns die Bakterien nur, wenn wir sie einatmen. Und dafür muss sich das Wasser mit Luft vermischen, also einen feinen Sprühnebel bilden, wie beim Duschen oder wenn wir einen Hochdruckreiniger verwenden.

Steht Wasser in Leitungen, kann sich ein Biofilm bilden, in dem Legionellen sich gerne vermehren. Haben sie es dazu angenehm warm, also wie in einem unentleerten Gartenschlauch, der in der Sonne liegt, teilen sie sich alle 20 Minuten. Das heißt, nach 20 Minuten sind doppelt so viele von ihnen da, nach 40 Minuten viermal so viele usw. Drehen wir dann den Hahn einer Dusche auf, sind wir von einer Legionellen-Wolke umgeben. Die Luft anzuhalten ist keine gute Idee, um das Einatmen der Bakterien zu verhindern. Spülen Sie lieber regelmäßig die Leitung. Die Richtlinie VDI/DVGW 6023 fordert, dass alles Wasser in den Leitungen nach 72 Stunden ausgetauscht sein soll. Lassen Sie dazu das Wasser so lange fließen, bis sich die Temperatur nicht mehr ändert. Dann nämlich wurde das Wasser in der Leitung einmal komplett ausgetauscht. Was aber kann man in öffentlichen Einrichtungen wie in Schwimmbädern, Turnhallen oder Fitnessstudios machen? Dreht der Erste morgens alle Hähne auf oder soll man sich nicht unter die Dusche hinten links stellen, die kaum einer nutzt? Weil die Nutzer sich selber nicht schützen können, muss der Betreiber im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflicht dafür Sorge tragen, dass das Wasser in den Leitungen sauber ist.

Tödliche Umweltfreundlichkeit?
Das Gleiche gilt auch für Betreiber von Anlagen, die der Öffentlichkeit zwar kein Trinkwasser zur Verfügung stellen, aber Wasser in Form von Aerosol (Sprühnebel) verbreiten können. Gemeint sind Verdunstungskühlanlagen. Und das sind nicht gerade wenige: Schätzungsweise eine sechsstellige Anzahl von Verdunstungskühlanlagen sind in Deutschland in Betrieb, aus denen sich Legionellen, wenn sie sich in der Anlage vermehren, kilometerweit ausbreiten können. Aber wenn Wasser als Kühlmittel so „gefährlich“ werden kann, warum greift dann die Industrie nicht einfach auf eine chemische Alternative zurück, deren Gefahren unter Umständen wesentlich einfacher zu beherrschen sind? Ganz einfach: Wasser ist preiswert, fast überall verfügbar und umweltfreundlich. Und wenig Wasser kann viel Wärme entsorgen. Von daher gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, die Bevölkerung zu schützen: entweder keine offenen beziehungsweise nassen Systeme mehr in besiedelten Gebieten erlauben oder die Legionellen in der Anlage nach dem Stand der Technik beherrschen. Und nach Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 kann man das auch! Der Betreiber solcher Anlagen steht in der Verkehrssicherungspflicht und muss das Risiko aus dem Betrieb solcher Anlagen minimieren. Das erreicht er, indem er die in der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 geforderten Instandhaltungsmaßnahmen umsetzt und regelmäßig Hygienekontrollen durchführt.

Hygienekontrollen vermindern das Risiko
Durch Hygienekontrollen, zu denen regelmäßige Inspektionen sowie mikrobiologische und chemisch-physikalische Untersuchungen des Kreislaufwassers gehören, lassen sich Hygienemängel frühzeitig erkennen und beheben. Bei der Inspektion müssen unter anderem Filter, Pumpen, Sprühdüsen, Tropfenabscheider und Rohrleitungen in den in der Richtlinie angegeben Intervallen geprüft werden. Die mikrobiologischen Untersuchungen des Kreislaufwassers und des Zusatzwassers teilen sich auf in regelmäßige Laboruntersuchungen und betriebsinterne Kontrollen. Weil Ablagerungen an Oberflächen von wasserführenden Systemen den Wärmeübergang beeinflussen, Korrosionsschäden hervorrufen und zur Ausbildung von Biofilmen beitragen können, müssen diese durch Inspektionen entdeckt und durch chemische und chemisch-physikalische Untersuchungen überwacht werden. Dafür muss die elektrische Leitfähigkeit des Kreislaufwassers in der Verdunstungskühlanlage kontinuierlich oder mindestens 14-tägig bestimmt werden. Prozess- und anlagenspezifisch sind beispielsweise Kalzium, Chlorid oder Eisen zu bestimmen. Ganz wichtig dabei ist, alle im System vorhandenen Werkstoffe zu berücksichtigen! Aus den Ergebnissen all dieser Untersuchungen leiten sich dann die eventuell zu ergreifenden Maßnahmen ab, um den „Normalzustand“ (allgemeine Koloniezahl) wieder herzustellen. Dieser Normalzustand muss übrigens auch nach Wiederinbetriebnahme, zum Beispiel nach Winterbetrieb oder Stillstandzeiten, erneut ermittelt werden.

Die Kontrollen sowie die Probenahme darf nur eine für diese Tätigkeit geschulte Person durchführen. Diese muss mindestens eine Qualifikation nach VDI 2047 Blatt 2 oder VDI 6022 mit einem VDI-Zertifikat nachweisen können. Die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik bietet deshalb eine qualitätsgesicherte Schulung von Fachleuten an.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

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