Trinkwasserqualität

Sauberes Wasser muss fließen

Im Auslandsurlaub wird uns oftmals bewusst, welch gute Wasserqualität wir in Deutschland haben. Dass sich hier kaum Keime und Bakterien ausbreiten, hängt unter anderem auch mit unseren hohen Hygieneanforderungen an die Trinkwasser-Installation zusammen.

Bild: Denis Tabler / Shutterstock150629_VDI_RL_702x363-V1-T15

Die Wasserqualität am Urlaubsort ist häufig nicht so gut, wie man es von zu Hause gewohnt ist. Obwohl in Spanien zum Beispiel das Trinkwasser die Grenzwerte der EU-Richtlinie einhalten muss, ist die Güte des Leitungswassers dort regional sehr unterschiedlich. Gerade in den Touristenzentren der Mittelmeerfestlandküste oder auf Mallorca lässt die Trinkwasserqualität eher zu wünschen übrig. Der Geruch von Chlor, das dem Leitungswasser ausreichend zugeführt wurde, und der Geschmack einer leichten Prise Meersalz halten uns oft davon ab, uns damit auch nur die Zähne zu putzen. Von daher überrascht das Ergebnis einer aktuellen GfK-Studie der Initiative Blue Responsibility auch nicht, laut derer nur 15 Prozent der Deutschen das Leitungswasser in Spanien trinken. Und das ist vielleicht auch besser so, denn laut Weltgesundheitsorganisation sind 80 Prozent aller Reiseerkrankungen auf Verunreinigungen im Trinkwasser zurückzuführen.

Aufbereitung, Leitungssystem und Betrieb sind das A und O
Leitungswasser wird in vielen Ländern nicht oder nur unzureichend aufbereitet. Kontaminierte Quellen, Brunnen, Behälter und marode Leitungssysteme sowie die teilweise extreme Belastung durch Schadstoffe aus Industrie und Landwirtschaft stellen eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit dar. Auf den Karibikinseln Martinique und Guadeloupe beispielsweise weist das Trinkwasser eine hohe Pestizidbelastung auf. In Bangladesch und angrenzenden Regionen hingegen ist das in der Natur vorkommende Arsen in extrem hohen Werten im Wasser nachzuweisen.
Bild: privat2009-11-24_Kein_Trinkwasser_IMGA0353  WOLLSTEINIn Deutschland sind wir gewohnt, dass man Wasser aus einer Zapfstelle bedenkenlos trinken kann, denn wenn die Zapfstelle anderes als Trinkwasser abgibt, muss sie entsprechend gekennzeichnet sein. Im Ausland ist es oft umgekehrt: Dass Trinkwasser aus dem Hahn kommt, ist eher die Ausnahme. Solange die Wasserqualität am Urlaubsort nicht eindeutig als unbedenklich eingestuft ist, sollten Urlauber verschiedene Maßnahmen ergreifen, wie sie das Auswärtige Amt hier zusammengefasst hat.

Nicht nur die Rohwasserqualität entscheidet letzten Endes darüber, ob Trinkwasser genießbar und gesund ist. Auch die fachgerechte Installation trägt einen großen Teil dazu bei – und zwar überall auf der Welt. In Deutschland muss das Trinkwasser den hohen Qualitätsanforderungen der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) entsprechen. Dass diese auch eingehalten werden, dafür sind die Wasserversorgungsunternehmen verantwortlich. Allerdings nur bis zum Anschlusspunkt der Hausinstallation. Ab da ist es Angelegenheit der Haus- und Wohnungseigentümer und zum Teil auch der Bewohner, also der Nutzer. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass das Wasser, das durch Rohrleitungen, Einbauten, Armaturen und den Entnahmestellen fließt, gesundheitlich unbedenklich, farblos, klar, kühl, geruchlos und ohne anomalen Geschmack ist. Doch wodurch kann sich die Wasserqualität negativ verändern?

Was verunreinigt Leitungswasser?
Stagnation des Wassers, falsche Werkstoffauswahl in der Trinkwasser-Installation und vor allem ungeeignete Betriebsweise können in den Trinkwasser-Installationen zur Vermehrung von Mikroorganismen oder zu unzuträglichen chemischen Veränderungen führen. Die goldene Regel für sauberes Wasser lautet daher: Wasser muss fließen! Zum einen wird dadurch der Biofilm, der Nahrungsquelle für Legionellen ist, vermieden, zum anderen birgt eine kurze Verweilzeit im Leitungssystem weniger Gefahr einer Kontamination durch Leitungsmaterialien. Und das ist besonders bei Blei zu beachten. Rohre aus Blei wurden regional unterschiedlich noch bis 1960 und in manchen Fällen auch noch später für Trinkwasser-Installationen und Hausanschlussleitungen verwendet. Die aktuellen Grenzwerte für Blei sind jedoch mit Blei-Iinstallationen nicht mehr einzuhalten. Auch heute haben für die Auswahl metallener Werkstoffe korrosionschemische Gesichtspunkte eine vorrangige Bedeutung. Wasser aus verchromten Armaturen kann beispielsweise Nickel in Konzentrationen enthalten, die bei Nickel-Allergikern bereits Hautreaktionen hervorrufen. Weitere wichtige Einflussgrößen auf die Hygiene in Trinkwasser-Installationen sind die Dimensionierung des Leitungssystems und die Isolierung der Kalt- und Warmwasserleitungen (Legionellengefahr).

Bedingungen, die die Beschaffenheit des Wassers verschlechtern, ergeben sich in der Trinkwasser-Installation auch dann, wenn sie nicht oder nicht mehr bedarfsgerecht ausgelegt ist oder nicht regelmäßig korrekt gewartet wurde. Und dazu können auch die Bewohner einen großen Teil beitragen, denn: Nach der Trinkwasserverordnung ist derjenige für die Trinkwasserqualität verantwortlich, der Trinkwasser zu gewerblichen Zwecken abgibt. Er wird in der Verordnung der „Unternehmer und sonstige Inhaber“ (kurz: UsI) genannt. Nun ist das eine befremdlich anmutende Formulierung, bei der sich vermutlich kaum jemand angesprochen fühlt. Wenn man sich allerdings klar macht, dass ein Vermieter ja nichts anderes tut, als Trinkwasser zu gewerblichen Zwecken (Vermietung) abzugeben, dann ist verständlich, dass auch der Eigentümer eines vermieteten Wohnhauses gemeint ist. Da er in den vermieteten Räumlichkeiten kein Hausrecht hat, kann er nicht verhindern, dass der Mieter für drei Monate in die Karibik fährt und während dieser Zeit das Wasser in den Leitungen steht und gammelt. Daher steht der Mieter mit dem Eigentümer in der Verantwortung. Da der Mieter jedoch die Hausinstallation nicht kennt, kann diese Verantwortung nur voll zum Tragen kommen, wenn der Vermieter den Mieter in deren bestimmungsgemäße Nutzung eingewiesen, diese Einweisung dokumentiert und dem Mieter im Mietvertrag diese Pflicht übertragen hat.

Hygiene in Trinkwasser-Installationen
Die Richtlinie VDI/DVGW 6023 erläutert, was bestimmungsgemäßer Betrieb ist. Alles Wasser in den Leitungen muss binnen 72 Stunden ausgetauscht sein. Wenn der bestimmungsgemäße Betrieb länger als vier Wochen unterbrochen wird, sind die Leitungen vorher abzusperren und bei Wiederinbetriebnahme entsprechend zu spülen. Natürlich informiert die Richtlinie auch über Planung, Montage und Inbetriebnahme, ein Hauptaugenmerk legt sie auf die Instandhaltung. Die enthaltene Checkliste zum Instandhaltungs- und Hygieneplan umfasst Einzelheiten zu den Maßnahmen Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung. Maßnahmen, die den Hygienezustand einer Trinkwasser-Installation verbessern, sind beispielsweise der Rückbau nicht mehr benötigter Leitungen, verbesserte Sicherungseinrichtungen, Einrichtungen zur Parametererfassung, Optimierung der Leitungsführung oder verbesserte Dämmung von Leitungen, damit einerseits nicht unnötig Energie verloren geht, andererseits kaltes Trinkwasser nicht dadurch Erwärmung verkeimt.

Ganz wichtig: Anlagen und Leitungen, in denen Nicht-Trinkwasser verwendet wird, beispielsweise Heizungen oder Gartenschläuche, aber auch Regenwassernutzungsanlagen, dürfen nie unmittelbar mit der Trinkwasser-Installation verbunden sein. Der Gartenschlauch darf nur über eine Sicherungsarmatur an der Hausinstallation hängen, denn was glauben Sie, wie wohl sich Keime in einem Gummischlauch fühlen, der im August in der Sonne liegt? Und glauben Sie bitte nicht, dass das die Hausinstallation nicht verkeimen kann, da ja der Hahn zugedreht ist und das Wasser nur nach draußen fließt, wenn Sie ihn aufdrehen! Verkeimungen können sich über die Dichtung hinweg in die Hausinstallation ausbreiten. Und sollte es einmal zu Druckschwankungen kommen, wird aus dem Schlauch gammeliges Wasser ins Haus gesaugt.

Hygienerelevante Arbeiten an der Trinkwasser-Installation sollten nur von Fachleuten durchgeführt werden, die nach VDI/DVGW 6023 geschult sind und dies durch eine aktuelle Urkunde mit dem VDI-Logo (nicht älter als fünf Jahre) belegen können. Solche Fachleute mit bestandener Schulung der Kategorie B sind die richtigen, wenn es darum geht eine Trinkwasser-Installation instand zuhalten oder zu reparieren. Für die Planung und Errichtung von Trinkwasser-Installationen sollte man eine Schulung der Kategorie A vorweisen können. Wer die hat, kann auch Hauseigentümer, ob beim Ein- oder Mehrfamilienhaus, hinsichtlich durchzuführender Maßnahmen beraten.

Fachleute, die diese Qualifikation anstreben, können sich hier zu von der VDI-Hauptgeschäftsstelle qualitätsgesicherten Partnerschulungen anmelden. Das VDI-Wissensforum vermittelt in dieser Veranstaltung alle notwendigen Schritte über Erstellung eines Raumbuchs als Planungsgrundlage, Techniken zur Trinkwassererwärmung, Auswahl von korrosionsgeeigneten Werkstoffen und ordnungsgemäße Inbetriebnahme bis hin zum verkehrssicheren bestimmungsgemäßen Betrieb.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Kommentare & Pingbacks

5 Gedanken zu “Sauberes Wasser muss fließen

  1. Vielen Dank für diesen tollen Artikel.

    Vorallem die Nutzung des Hausanschlusses für Schläuche usw. im Gartenbereich sollte viel häufiger angesprochen werden. Das ist nämlich den meisten Nutzern gar nicht bekannt, dass hier eine potentielle Verunreinigungsquelle vorhanden ist.

    Viele Grüße

  2. Hallo Frau Lindner,
    einen interessanten Artikel. Danke.Das Gesundheitsamt hat unsere Filter im Freibad beprobt. Die Ergebnisse ware wenig erfreulich.
    Meine Frage an Sie: Welcher Arbeitskreis im VDI beschäftigt sich mit bakterieller Belastung in Freibädern bzw. in Filtern.

    Mit freundlichen Grüßen

    Schenk

  3. Hallo Herr Schenk,
    vielen Dank für das Lob. Bezüglich des Arbeitskreises wenden Sie sich am besten per E-Mail (tga@vdi.de) an die Kollegen unserer VDI-Fachgesellschaft Bauen und Gebäudetechnik.
    Viele Grüße aus dem VDI!

  4. Danke für diesen interessanten Beitrag zu sauberen Trinkwasserleitungen! Ich wusste bisher noch gar nicht so viel über die regional variierende Wasserqualität. Es stimmt schon, dass für die gute Qualität des Wassers auch die Qualität der Schläuche eine wichtige Rolle spielt. Ich mache bald ein Praktikum in einer Firma, die sich mit der Qualitätskontrolle von Panzerschläuchen beschäftigt und bin schon gespannt was ich da alles lernen werde.

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