Interview mit Gewinner Paul Kutzer

„Sudoku-Lösomat“ gewinnt bei Jugend forscht

Paul Kutzer (18) aus Regensburg hat bei Jugend forscht, Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb, den Bundessieg errungen. Sein „Sudoku-Lösomat“ erkennt, verarbeitet und löst automatisch Sudokus. Ein Roboter wird mit den Zahlenrätseln in ausgedruckter Form gefüttert, die Kamera erfasst die Zahlen und identifiziert sie über Mustererkennung. Anschließend wird die selbst geschriebene Lösesoftware aktiv. Sie umfasst zwei Algorithmen-Scans und die Berechnung dauert nur einen Sekundenbruchteil. Dann trägt der Roboter die Lösungszahlen mit Hilfe einer Konstruktion, die an einen Plotter erinnert, und einem integrierten Stift in die freien Felder des Sudoku-Zettels ein. Die Technik-Jury war besonders beeindruckt von der konsequenten Weiterentwicklung einer kreativen Idee bis hin zu einem souverän funktionierendem Gerät. Wir haben mit Paul über seine Erfindung gesprochen.

Bild: Jugend forscht2015_TEC_96_downloadPaul, bitte stell dich kurz vor.
Ich wohne derzeit in Regensburg und habe vor kurzem mein Abitur abgeschlossen. Ich besuchte das Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen. Neben dem Singen und der Leidenschaft für die Musik gilt mein besonderes Interesse der Technik. Schon früh bastelte ich mit verschiedenen Systemen wie fischertechnik und entdeckte meine Begeisterung für das Thema.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Sudoku-Lösomat zu bauen?
Sudokus sind ja sehr bekannte Zahlenrätsel, die ich auch selbst gerne löse. Dabei ist der generelle Aufbau immer derselbe, ebenso die Regeln. Deshalb fragte ich mich, ob und vor allem wie es möglich ist, einem Computer das Sudokulösen „beizubringen“. Es gibt viele Programme, die das bereits können, also kam mir die Idee, ein Gerät zu bauen, welches Sudokus direkt auf dem Papier lösen kann.

Was ist das Besondere daran? Was hat dich daran fasziniert?
Es ist das Gesamtpaket, welches das Sudoku als Ganzes einliest, die Zahlen erkennt, eine Lösung berechnet und diese auch auf das „anfassbare“ Sudoku schreibt. Dabei fasziniert hat mich das wirklich gute Zusammenspiel zwischen Hardware und Software – denn Einlesen und Lösen finden am Computer statt, der Roboter muss letztlich nur noch die Zahlen „plotten“. Nicht zuletzt deswegen habe ich noch eine weitere, schnellere Version des Solvers auf Basis eines 3D-Druckers gebaut.

Bild: Jugend forschtTechnik_Ungeheuer

VDI-Präsident Ungeheuer mit Paul bei der Siegerehrung von Jugend forscht 2015.

Weißt du schon, wie es nach dem Abi weitergeht?
Ich werde im Oktober mein Studium an der Technischen Universität in Darmstadt beginnen. Die Wahl fiel auf den Studiengang „Informationssystemtechnik“, da mich dieser sehr interessiert.

Hast du eine Idee, wie man die Welt in Zukunft mit Technik noch ein Stückchen besser machen kann?
Genau genommen können wir das jetzt schon – wir verfügen über viele technische Möglichkeiten. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns, wie sich die Welt durch Technik ständig verbessert, aber teilweise auch verschlechtert hat. Wichtig ist, dass wir die Technik richtig einsetzen und verantwortungsbewusst damit umgehen.

Was fehlt noch in unserer Welt? Was müsste noch entwickelt werden?
Ich denke, es fehlt noch ein bisschen an Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich unserer Ressourcen – und vor allem deren Entsorgung. Wir entnehmen die Rohstoffe schneller aus dem Kreislauf, als sie reproduziert werden können. Der Müll verschwindet dann teilweise im Meer. Hier sollten wir noch stärker ansetzen, damit auch die nachfolgenden Generationen über genügend Ressourcen verfügen.

Für alle, die jetzt auch Lust aufs Tüfteln bekommen haben: Unter dem Motto „Neues kommt von Neugier!“ startet Jugend forscht in die neue Runde. Ab sofort können sich junge Menschen mit Freude und Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) wieder bei Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb anmelden. Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende sind aufgerufen, auch in der 51. Wettbewerbsrunde spannende und innovative Forschungsprojekte zu präsentieren.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Interview führte: Nadine König
Position beim VDI: Referentin für Technische Bildung
Aufgaben beim VDI: Nachwuchsprojekte entwickeln und begleiten, Positionen erarbeiten, Kooperationen wie mit Jugend forscht betreuen

Kommentare & Pingbacks

2 Gedanken zu “„Sudoku-Lösomat“ gewinnt bei Jugend forscht

  1. Interessantes Interview und herzlichen Glückwunsch an Paul Kutzer. Super, wie aus einer Freizeitbeschäftigung die Idee für den Sudoku-Lösomat entstanden ist. Auch die Wahl des Studiengangs klingt sehr passend, alles Gute und weiter so für die Zukunft!

  2. Herzlichen Glückwunsch für die erfolgreiche Ausführung einer Idee. Das System könnte bestimmt auch zum Ausfüllen von Formularen Verwendung finden.
    Ich selbst ziehe vor, mein Hirn bei jedem neuen Sudoku zu trainieren,
    als irgendwann nur noch Knöpfchen zu drücken.
    Für mich sind Rätsel zum Raten da. Die Maschine nimmt mir mein“ Juhu-Ich hab´s geschafft „.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*