Schutz der Berufsbezeichnung und Anerkennung von Qualifikationen

Was regeln eigentlich Ingenieurgesetze?

Hinter dem sperrigen Begriff der Ingenieurgesetze steckt ein wichtiges Regelwerk für alle Ingenieurinnen und Ingenieure: Es regelt den Schutz der Berufsbezeichnung und die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen. In einer kleinen Blogreihe wollen wir euch das Thema Ingenieurgesetze ein wenig näher bringen.

Bild: VDI5248 Final Wordcloud Veranstaltung Politik  IKBau+VDI

Ingenieurgesetze sind in Deutschland Ländersache: Jedes der 16 Bundesländer hat sein eigenes Ingenieurgesetz, das Antworten auf die Frage gibt, wer sich überhaupt „Ingenieur“ nennen darf. Vor dem Inkrafttreten der Ingenieurgesetze im Jahr 1970 konnte sich praktisch jeder Ingenieur nennen, ohne nachweisen zu müssen, ob er oder sie auch den zur Berufsausübung erforderlichen Wissens- und Kenntnisstand hat. Heute ist das anders: Die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ist gesetzlich geschützt.

Ingenieur darf sich derjenige nennen, der das Studium einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung an einer deutschen Hochschule mit der Dauer von mindestens drei Jahren (Vollzeit) mit Erfolg abgeschlossen hat. Darin sind sich bislang alle Bundesländer einig. Nach Auffassung des VDI muss dies auch künftig so bleiben. Wer sich in Hamburg Ingenieur nennen darf, der muss auch in München als Ingenieur gelten. Alles andere würde Ingenieure sowie ihre Arbeit- und Auftraggeber verunsichern.

Neben dem Schutz der Berufsbezeichnung regeln die Ingenieurgesetze auch die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen. Dazu prüft in jedem Bundesland eine öffentliche Stelle die im Ausland erworbenen Qualifikationen. Wenn diese die im Bundesland geltenden Mindestanforderungen erfüllen, erteilt die Stelle dem Antragsteller das Recht, die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ führen zu dürfen.

Aktuell findet eine Überprüfung der Ingenieurgesetze statt. Anlass ist, dass die überarbeitete EU-Berufsanerkennungsrichtlinie bis Anfang 2016 in den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden muss. Die Bundesländer prüfen daher, ob ihre Gesetze den europäischen Vorgaben entsprechen. Diese zielen vor allem darauf ab, die Anerkennung von Berufsqualifikationen über nationale Grenzen hinweg zu erleichtern und damit die Mobilität von Arbeitnehmern im europäischen Binnenraum weiter zu verbessern. Einige Bundesländer wollen die Überprüfung auch zum Anlass nehmen, ihre Ingenieurgesetze deutlich umfassender zu verändern, als dies aufgrund der EU-Richtlinie notwendig wäre.

Am 16. September lädt der VDI e.V. gemeinsam mit der Ingenieurkammer Bau NRW zu einem Symposium mit dem Titel „Stärkung von Fachkräfteangebot und Ausbildungsqualität – Welchen Beitrag müssen die Ingenieurgesetze künftig leisten?“ nach Düsseldorf ein. Hier werden wir u.a. mit Herrn Minister Schneider, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW, über die Bedeutung der Ingenieurgesetze und die Prioritäten bei deren Überarbeitung debattieren. Auf Twitter könnt ihr unter #Ingenieurgesetze live mitdiskutieren.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

 

 

 

Kommentare & Pingbacks

13 Gedanken zu “Was regeln eigentlich Ingenieurgesetze?

  1. Der VDI hat den deutschen Ingenieuren einen Baerendienst erwiesen: erst die Gleichstellung von Uni und Fachhochschulabsolventen und dann die Abschaffung des Diploms. Wessen Interessen vertritt der VDI? Ein Verein von Duckmaeusern und Schoenschwaetzern.Entsprechend schlecht ist das Ansehen international.

    • Hallo Herr Niehaus, vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider nimmt er inhaltlich keinen Bezug zum Thema unseres Blogbeitrags. Wenn Sie Anmerkungen dazu haben, treten wir gerne in einen Dialog mit Ihnen. Mit grundsätzlicher und sachlicher Kritik an der Ausrichtung des VDI können Sie sich gerne an unseren Pressesprecher Marco Dadomo (dadomo@vdi.de) wenden.

      • Lieber VDI,

        Eine elegante Art, sich um die Diskussion zu drücken! :-( Natürlich nimmt der Kommentar Bezug auf den Artikel, denn es wäre dringend nötig, auch in den Ingenieurgesetzen für eine bessere Wertung des alten Alleinstellunsgmerkmal Dipl.-Ing. zu sorgen!

        • Lieber Herr Althoff, der VDI ist nicht der Ansicht, dass der Titel „Dipl.-Ing.“ durch die Ingenieurgesetze wieder eingeführt werden sollte. Ziel sollte vielmehr sein, dass die Ingenieurgesetze helfen, das hohe Ansehen der deutschen Ingenieurkunst und der an deutschen Hochschulen ausgebildeten Ingenieure (sowohl der Bachelor- als auch der Masterabsolventen) zu schützen. Der VDI schlägt hierzu vor, dass künftig alle deutschen Hochschulen für alle Ingenieurstudiengänge die akademischen Titel des Bachelor bzw. Master of Engineering vergeben. Dann wird wieder direkt aus der Abschlussurkunde heraus klar, wer Ingenieur ist, so wie dies zu Zeiten des Dipl.-Ing. auch war.

    • Ja, auch ein Bachelor-Absolvent darf sich als Ingenieur bezeichnen, wenn er zuvor ein Studium einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung an einer deutschen Hochschule mit der Dauer von mindestens drei Jahren Vollzeit mit Erfolg abgeschlossen hat.

  2. Also ist das wie in der DDR, wer drei Jahre an einer Fachschule studiert hatte, durfte sich Ingenieur nennen, wer 4 Jahre an einer Hochschule oder Universität studiert hatte und eine Diplomarbeit geschrieben hatte, durfte sich Dipl.-Ing. nennen.
    Heute ist das nach 3 Jahren der Bachelor (Junggeselle), und nach 4 Jahren der Master.
    Es wäre doch einfacher gewesen, der Dipl.-Ing. Abschlussurkunde eine englische Übersetzung bezufügen, die den Master bescheinigte.

    • Hallo Paul, so einfach ist das nicht. Ziel der Bologna-Reform war die inhaltliche Angleichung der Studiengänge, um so Vergleichbarkeit möglich zu machen und die Mobilität von Studierenden im europäischen Hochschulraum zu fördern. Bei den Ingenieurgesetzen geht es aber nicht um den akademischen Grad, sondern um den Schutz der Berufsbezeichnung „Ingenieur“.

  3. wenn das Ing-Gesetz in Sachsen tatsächlich dahin gehend geändert wird, dass das Studium mind. 80% MINT Fächer beinhalten muss damit man sich zukünftig als Ingenieur bezeichnen darf, dann stellt sich mir die Frage was mit den „alten“ Dip.-Ing. ist. Nicht jeder dieser Diplomstudiengänge umfasste diese 80% MINT Fächer.
    Kann es dann wirklich sein dass sich ein Dipl.-Ing- dann nicht mehr Ingenieur bezeichnen darf?
    Wäre schon „etwas“ skurril….

  4. Mit dem Gesetz zum Schutze der Berufsbezeichnung „Ingenieur“ vom 7. Juli 1965 (Ingenieurgesetz) hatte der Deutsche Bundestag den fünfzehnjährigen Bemühungen des Gemeinschaftsausschusses der Technik (GdT)… entsprochen… Das Gesetz, zu dem der Bundestag am 19.Juni 1969 noch eine Novelle verabschiedet hatte, wurde aber durch Entscheidung des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 25. Juni 1969 aus rein verfassungsrechtlichen Gründen für nichtig erklärt, weil dem Bund die Zuständigkeit zum Erlaß einer solchen Regelung fehlt. Danach kreierten die Bundesländer entsprechende Gesetze. Die neuen Ingenieurgesetze waren für alle diejenigen von Bedeutung, die, ohne ein technisches Studium abgeschlossen zu haben, vor dem Inkrafttreten der Gesetze Tätigkeiten unter der Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ausgeübt hatten und diese Berufsbezeichnung weiter führen wollten. Ich gehöre zu der aussterbenden Kategorie. Interessant ist, dass schon damals politisch viel Unsinn (nicht zuständig) produziert wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*