Ausländische Fachkräfte gesucht

Ingenieurgesetze: Wie werden Qualifikationen aus dem Ausland anerkannt?

Deutschland braucht neben dem heimischen Nachwuchs auch gut qualifizierte Ingenieure aus dem Ausland. Wie deren Qualifikationen anerkannt werden, ist in den Ingenieurgesetzen der Länder geregelt.

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Für Ingenieurinnen und Ingenieure herrschen in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt derzeit gute Bedingungen. Die Arbeitslosenquote in Ingenieurberufen liegt bei knapp über zwei Prozent. Und für Ingenieure, die zurzeit keinen Job haben, stehen die Chancen vergleichsweise gut, bald einen zu finden. Wie der aktuelle Ingenieurmonitor von VDI und IW Köln zeigt, boten die Unternehmen zwischen April und Juni 2015 fünf Prozent mehr offene Ingenieurstellen an als noch vor einem Jahr. Damit kommen auf jeden arbeitslosen Ingenieur durchschnittlich über zwei freie Stellen. Ein Traumwert im Vergleich zu vielen anderen Berufen! Auch der Gehaltszettel ist für die meisten Ingenieure Grund zur Freude. So liegen etwa ihre Einstiegsgehälter am oberen Rand der Akademikergehälter – bei über 43.000 Euro für Bachelor- und über 46.000 Euro für Masterabsolventen.

Ingenieurinnen und Ingenieure sind am Technikstandort Deutschland also sehr gefragt. So gefragt, dass wir hierzulande auch Engpässe haben. Einige Branchen und Regionen spüren dies deutlich. Für viele Unternehmen ist es zur Herausforderung geworden, offenen Ingenieurstellen adäquat zu besetzen. Da die Alterung der Gesellschaft auch vor den Ingenieuren nicht haltmacht, dürfte die Kandidatensuche künftig noch schwieriger werden. Bis Ende der 2020er Jahre gehen rund 700.000 Ingenieurinnen und Ingenieure in den wohlverdienten Ruhestand. Diese Lücke wird der heimische Nachwuchs allein kaum füllen können.

Um Engpässe abzubauen, brauchen wir auch Ingenieure aus dem Ausland – künftig noch mehr als heute. Sie helfen, unsere Ingenieurbasis zu stärken. 2014 gab es in Deutschland rund 139.000 erwerbstätige Ingenieurinnen und Ingenieure, die irgendwann im Laufe ihrer beruflichen Karriere mit einem ausländischen Abschluss in der Tasche nach Deutschland zugewandert sind. Deren Qualifikationen müssen geprüft und anerkannt werden. Dafür sorgen die Ingenieurgesetze. Sie regeln das Prozedere zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen.

Denn auch für Ingenieure aus dem Ausland gilt, was für ihre heimischen Kollegen zutrifft: Nur wer die Mindestqualifikationen erfüllt, darf die Berufsbezeichnung „Ingenieur/in“ führen. Die Ingenieurgesetze der Bundesländer bestimmen, dass nur derjenige die Berufsbezeichnung führen darf, der mindestens sechs Semester Vollzeitstudium eines ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Fachs an einer deutschen Hochschule erfolgreich abgeschlossen hat.

Ingenieurinnen und Ingenieure, die Ihr Studium im Ausland absolviert haben und in Deutschland die Berufsbezeichnung führen wollen, müssen ihre Qualifikationen zunächst anerkennen lassen. Laut Ingenieurgesetze ist dafür je nach Bundesland ein Regierungspräsidium oder die Ingenieurkammer zuständig – teilweise sogar beide. Auf Wunsch des Antragstellers bewertet die jeweils zuständige Stelle dessen Berufsqualifikation. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, bestätigt die zuständige Stelle die Gleichwertigkeit der ausländischen Bildungsqualifikation mit den in Deutschland geltenden Anforderungen.

Die Bundesländer müssen die Vorgaben ihrer Ingenieurgesetze zu den Anerkennungsverfahren derzeit überarbeiten. Dies erfordert die EU-Richtlinie zur Berufsanerkennung (2013/55/EU). Ihr Ziel ist es, die Anerkennung von Berufsqualifikationen europaweit einheitlicher, einfacher und schneller zu machen. Hierdurch soll es für Fachkräfte und Selbstständige leichter werden, grenzüberschreitend zu arbeiten. Die Richtlinie bestimmt, dass es in jedem Bundesland künftig nur noch eine zuständige Stelle für die Anerkennung ausländischer Qualifikation geben soll. Das soll die Transparenz für Antragsteller erhöhen und die Verfahren beschleunigen. Zudem sollen künftig zusätzlich zur Ausbildungsqualifikation auch berufliche Qualifikationen des Antragstellers geprüft werden. Wenn die Qualifikationen des Antragstellers als nicht voll gleichwertig mit den in Deutschland geltenden Anforderungen eingestuft werden, legt die zuständige Stelle in Zukunft je nach Grad der Unterschiede entweder „Ausgleichsmaßnahmen“ fest oder erteilt einen negativen Bescheid. Mit Ausgleichsmaßnahmen kann der Antragsteller also Unterschiede zwischen seinen im Ausland erworbenen Qualifikationen und den in Deutschland geltenden Anforderungen ausgleichen.

Am 16. September lädt der VDI e.V. gemeinsam mit der Ingenieurkammer Bau NRW zu einem Symposium mit dem Titel „Stärkung von Fachkräfteangebot und Ausbildungsqualität – Welchen Beitrag müssen die Ingenieurgesetze künftig leisten?“ nach Düsseldorf ein. Hier werden wir u.a. mit NRW-Arbeitsminister Schneider über die Bedeutung der Ingenieurgesetze und die Prioritäten bei deren Überarbeitung debattieren. Auf Twitter könnt Ihr unter #Ingenieurgesetze live mitdiskutieren.

Am 15. September stellen wir in unserem nächsten Blogbeitrag zu den Ingenieurgesetzen die Forderungen und Empfehlungen des VDI an die Bundesländer vor.

Bild: VDIDirk Manske_1Autor: Dirk Manske
Position: Leiter Politik und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit

 

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