Infektionen verhindern

Warmduscher in Gefahr durch Legionellen!

Schon Oma wusste, dass kaltes Duschen gut für die Gesundheit ist. „Das härtet ab!“ hieß es. Ich weiß auch, dass mir insbesondere bei der morgendlichen Dusche kaltes Wasser besser bekommt als warmes, weil ich kurz nach dem Aufstehen einen recht niedrigen Blutdruck habe und unter trockener Haut leide. Tatsächlich hat das kalte Wasser aber noch andere Vorteile: So wie Krebszellen bekanntlich keine Himbeeren mögen, mögen Legionellen – das sind kleine Bakterien, die zu einer extrem gefährlichen, häufig tödlich verlaufenden Lungenentzündung führen können – kein kaltes Wasser. Sie vermehren sich in Wasser unterhalb von 20 °C nur recht langsam, aber optimal und damit rasend schnell zwischen 25 °C und 40 °C.

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Legionellen gingen in den letzten Monaten verstärkt durch die Medien, weil es zu Ausbrüchen von Lungenentzündungsepidemien in Warstein und Jülich kam. Dabei ist das Problem seit den 1970er-Jahren bekannt und hat schon häufiger beispielsweise in Schulen und Pflegeeinrichtungen zu Duschverboten und aufwendigen Desinfektionsmaßnahmen geführt. Gerade in medizinischen Einrichtungen kommt es durch Legionellenbefall immer wieder zu Infektionen mit Todesfolge, weil die dort lebenden Menschen aufgrund anderer Erkrankungen oder schlicht altersbedingt ein höheres Infektionsrisiko haben.

Die gute Nachricht: Es gibt nach gegenwärtigem Kenntnisstand nur einen einzigen Infektionsweg, nämlich dadurch, dass man legionellenhaltiges Aerosol – feine Wassertröpfchen – einatmet. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde noch nie beobachtet. Ebenso kann man legionellenhaltiges Wasser beruhigt trinken: Infektionen auf diesem Weg scheinen ebenfalls ausgeschlossen.

Wie kommen diese „kleinen Viecher“ überhaupt in die heimische Dusche? Das ist einfach: Unser Trinkwasser ist zwar von hervorragender Qualität, aber eben nicht keimfrei. Laut Trinkwasserverordnung darf es sehr geringe Konzentrationen an Legionellen enthalten. Diese machen auch niemanden krank. Da Legionellen sich jedoch unter guten Bedingungen, zum Beispiel in warmem, stehenden Wasser, alle 20 Minuten verdoppeln können, bekommt man theoretisch aus einer Legionelle nach 20 Minuten 2, nach 40 Minuten 4, nach einer Stunde 8 und nach einem Arbeitstag von acht Stunden 2^8;, das heißt 16,7 Millionen.

Damit ist auch klar, warum es so häufig Schulen und Pflegeheime betrifft: Schulen werden im Sommer – gerade, wenn es schön warm ist – sechs Wochen lang nicht genutzt. Das Wasser steht in den Leitungen, und das bei Temperaturen im Wohlfühlbereich der Legionellen. Menschen in Pflegeeinrichtungen neigen dazu, Teile der Trinkwasser-Installation ebenfalls kaum zu nutzen (beispielsweise, weil sie nicht ohne Hilfe duschen können). Außerdem sind sie aus gesundheitlichen Gründen stärker infektionsgefährdet.

Deswegen fordert die Richtlinie VDI/DVGW 6023, dass kaltes Wasser kalt (vorzugsweise unter 20 °C) bleibt und alles Trinkwasser fließen muss. Konkret gilt als Konsens der Fachleute, dass das Risiko einer Verkeimung nahezu ausgeschlossen ist, wenn alles Wasser in einer Trinkwasser-Installation binnen 72 Stunden ausgetauscht ist. Drei Wochen Sommerurlaub, wie erholsam diese auch sein mögen, bedürfen daher begleitender Maßnahmen: Der freundliche Nachbar, der das Haus oder die Wohnung betreut, sollte nicht nur die Blumen gießen, sondern jede Wasserentnahmestelle spätestens alle drei Tage spülen. Das ist ganz sicher keine Wasserverschwendung!

Nicht nur wir verbrühen uns, wenn der Kaffee zu heiß ist. Auch Legionellen schadet heißes Wasser: Über 55 °C sterben sie recht schnell ab. Warm vorgehaltenes Wasser sollte daher nicht warm, sondern heiß vorgehalten werden, nach dem Arbeitsblatt DVGW W 551 bei mindestens 55 °C an der kältesten Stelle des Warmwassersystems. Den heimischen Durchlauf- oder Speicher-Wassererwärmer (im Bad und/oder in der Küche) aus Energieeinspargründen auf 38 °C bis 42 °C einzustellen, weil man sich mit heißerem Wasser beim Spülen die Finger verbrüht, ist daher zwar eine lobenswerte, doch unter Hygienegesichtspunkten keine gute Idee. Das heiße Wasser muss richtig heiß vorgehalten werden, das kalte richtig kalt und die richtige Temperatur ist durch Mischen zu erzeugen.

Wenn man also Energie einsparen will, dann richtig und gleich kalt duschen!

Nun steht nicht jeder Trinkwassererwärmer direkt neben der Dusche. Wenn die Leitung zur Dusche lang ist, weil das erwärmte Wasser aus einem zentralen Speicher im Keller oder einem dezentralen Trinkwassererwärmer am anderen Ende der Wohnung (zum Beispiel aus der Küche) kommt, kühlt es sich auf dem Weg ab. Dann muss sichergestellt sein, dass die warmgehende Leitung nicht die Kaltwasserleitung aufheizt, und der Temperaturabfall des erwärmten Wassers muss gering gehalten werden. Die Leitungen müssen daher nach Energie-Einsparverordnung (EnEV), Tabelle 1, gedämmt sein. Um sicherzustellen, dass das Wasser auch an der kältesten Stelle einer solchen Leitung nicht kälter als 55 °C wird, kann man es ständig umwälzen, also in einer Ringleitung wieder zurück zum Speicher führen und dort wieder erwärmen. Kann oder will man keine Zirkulation anlegen, sondern eine Stichleitung, ist an dieser eine Rohrbegleitheizung anzubringen, die das dann stehende Wasser heiß hält. Beides kostet natürlich Energie.

Interessanterweise gibt es hiervon eine gut begründete Ausnahme: Die EnEV sieht in Tabelle 1, Fußnote 2, vor, dass warmgehende Stichleitungen mit einem Volumen unter 3 Liter, die weder durch ständige Zirkulation von heißem Wasser noch durch eine Begleitheizung „richtig“ heiß (über 55 °C) gehalten werden und die in beheizten Räumen liegen, nicht gedämmt werden. So kühlt sich das in der Leitung enthaltene vergleichsweise geringe Wasservolumen recht schnell (typischerweise in rund zweiStunden) auf die üblicherweise 20 °C der Umgebung ab. Wäre diese Leitung nach EnEV, Tabelle 1, gedämmt, würde die Abkühlung rund zehn Stunden dauern, und Keime hätten viel mehr Zeit, sich zu vermehren.

Oma hatte also Recht, dass kalt Duschen gesund ist. Ich hab’s schon immer gewusst.

Thomas WollsteinAutor: Thomas Wollstein
Position beim VDI: Technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Betreuer Fachbereich Facility-Management, Mitarbeit im Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung.
Aufgabe beim VDI: Technische Regelsetzung, Mitgliederbetreuung und -gewinnung

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