Richtige Lagerung verhindert Vergiftung

Heizen mit Holzpellets

Pelletheizungen sind umweltfreundlich, die falsche Lagerung der Pellets kann für uns jedoch tödlich enden. Wir erklären, worauf geachtet werden muss. Bild: Jiri Hera / Shutterstock.com150629_VDI_RL_702x363-V1-T18

Wie sehr die Gefahr einer falschen Lagerung von Holzpellets unterschätzt wird, zeigt unter anderem ein Unglück aus dem Jahr 2011: Eine 28-jährige schwangere Frau und Mutter eines Buben aus der Schweiz musste Pellets in den Brenner nachfüllen und starb dabei an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Das Gas hatte sich im Lagerraum der Holzpellets angesammelt. Die Frau war sich der Gefahr nicht bewusst: zum einen, weil eigentlich ihr Mann in der Wohnanlage dafür zuständig, aber zu dem Zeitpunkt nicht anwesend war, zum anderen, weil an der Tür ein entsprechendes Warnschild fehlte. Auch wenn sich die Entstehung von Kohlenmonoxid bei Holzpellets nicht vermeiden lässt – durch richtige Lagerung und entsprechendes Verhalten geht keine Gefahr für unsere Gesundheit aus.

Emissionen aus Holzpellets
Aus Holzpellets entweichen eine Reihe an flüchtigen, organischen und anorganischen Verbindungen, darunter Kohlenwasserstoffe, Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid. Die großen Mengen an CO entstehen insbesondere bei der Pelletierung – durch Autooxidation freiwerdende, holzeigene Fettsäuren. Auch bei der Lagerung, vor allem bei Temperaturen über 70° C, tritt diese Autooxidation ein. In einem nicht oder unzureichend gelüfteten Lagerraum kann die CO-Konzentration so hoch werden, dass sie für uns gefährlich wird. Bereits ab einer Konzentration von 200 Teilchen pro einer Million Luftmolekülen (ppm) kann Kohlenmonoxid zu Kopfschmerzen führen, ab 800 ppm zu Schwindel, Übelkeit und Ohnmacht. In der Raumluft von Pelletlagerräumen maßen Experten schon CO-Konzentrationen von mehreren Zehntausend ppm. Diese Spitzenkonzentrationen lassen sich insbesondere durch eine ausreichende Lüftung vermeiden. Neben der Temperatur hängt die Höhe der Emissionen auch von der Holzart, der Holzfeuchte, der Oberfläche der Pellets und deren Lagerbedingungen vor Ort ab. Obwohl für die Wahl der Pelletlagerung primär die Gegebenheiten des Hauses entscheidend sind, so müssen dennoch bei jeder Lagerlösung diese Faktoren berücksichtigt werden.

Möglichkeiten der Lagerung
Damit die Pellets genauso wie Brennholz einige Jahre ohne Qualitätsverlust gelagert werden können, ist ein trockener und optimal gestalteter Lagerort Voraussetzung. Egal ob die Lagerung nun in einem ausgebauten Kellerraum, einem Silo oder in einem unterirdischen Tank erfolgen soll: Zu allererst muss an die Befüllung gedacht werden, denn die maximale Länge der Pumpschläuche eines Silofahrzeugs beträgt in der Regel 30 m. Die an ein Tragegestell montierten Sacksilos bestehen aus flexiblem Gewebe, welches ein staubfreies Befüllen und Entleeren des Sacksilos ermöglicht. Silos aus Metall eignen sich besonders gut für einen Aufbau im Freien. Bieten Haus oder Garten nicht genug Platz für einen Lagerort, sind Erdtanks mit einer Lagerkapazität von circa fünf bis neun Tonnen eine Lösung. Mechanische Fördersysteme wie Schnecken oder pneumatische Fördersysteme transportieren die Pellets von dort zum Heizkessel.

Bild: Ökofen Heiztechnik GmbHBild: Ökofen Heiztechnik GmbH

Damit Pellets ohne Qualitätsverlust gelagert werden können, ist ein trockener und optimal gestalteter Lagerort Voraussetzung. (Bild: Ökofen Heiztechnik GmbH)

Ein Raum zur Lagerung der Holzpellets muss – da er meist begehbar ist-– bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Zum einen muss er groß genug sein, dass 2/3 von ihm mindestens den Jahresbedarf an Pellets fassen können, da er nicht bis obenhin befüllt werden darf. Zudem sollte er wegen der Befüllung und Entlüftung an eine Außenwand angrenzen, nicht verwinkelt sein und absolut trockene Wände beziehungsweise Boden/Decke haben. Wände und Boden müssen darüber hinaus gemauert sein, denn Gipsplatten würden dem Druck der Pellets nicht standhalten. Damit die Pellets ungehindert in den Heizkessel nachrutschen können, muss die Unterkonstruktion in einem 45°-Winkel aufgestellt werden. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass keine ungeschützten Steckdosen im Raum sind, um die Gefahr einer Explosion durch die Staubbildung zu verhindern, und es muss eine Tür mindestens in der Qualität T30 eingebaut sein. Die Brandschutzvorschriften des Landes müssen auch erfüllt werden. Das Lagern von Pellets wird allgemein durch die Musterfeuerungsverordnung (MFeuVO) geregelt.

Maßnahmen zur Emissionsminderung
Die Pellets sind nun optimal gelagert, aber wie lassen sich die Gefahren mindern, die von Gasen und Stäuben ausgehen? Das erklärt die Richtlinie VDI 3464. Denn Maßnahmen zur Minderung der Emissionen von Holzpellets lassen sich nicht erst bei der Lagerung ergreifen. Die Richtlinie setzt mit der Emissionsminderung schon bei der Rohstoffauswahl an, erläutert herstellungsseitige Maßnahmen und erklärt, wie bei Transport und Umschlag vorzugehen ist. Werden nämlich die Pellets mit zu hohem Druck durch den Schlauch ins Lager geblasen, landen sie als Staub im Vorratsraum, wodurch das Risiko einer Staubexplosion steigt. Natürlich beschreibt die Richtlinie auch die genauen Anforderungen an das Lager, denn dort lassen sich gefährlich hohe CO-Konzentrationen nur durch die entsprechende Lagerraumbelüftung vermeiden. Die technischen Anforderungen an die Lagerraumbelüftung hängen dabei von dem Fassungsvermögen des Lagers und der Länge der Befüllleitung ab.

Bild: Deutsches Pelletinstitut GmbHbelüfteter Stutzendeckel

Belüfteter Stutzendeckel (Bild: Deutsches Pelletinstitut GmbH)

Quelle: Deutsches Pelletinstitut GmbH

Generell gibt es die Möglichkeiten der Verschlussdeckelbelüftung für Befüllleitungungen von bis zu zwei Metern, der separaten Lüftungsöffnung in den Lagerraum bei Befüllleitungungen ab zwei bis zu fünf Metern sowie die mechanische Belüftung des Lagerraums, wenn die Befüllleitung länger als fünf Meter lang ist.

Ganz wichtig: Bei Lagerräumen dieser Größenordnung muss die vorliegende CO-Konzentration vor dem Betreten mit einem mobilen Warngerät bestimmt werden. Welche Kriterien diese Geräte erfüllen müssen, nennt die Richtlinie ebenfalls. Ebenso informiert sie über weitere sicherheitstechnische Aspekte. Darunter zum Beispiel Sicherungen, um einen Rückbrand zwischen Brennkammer und dem Pelletzwischenbehälter/Vorratsbehälter oder zum Lagerraum beziehungsweise eine Rückführung des Abgases in den Lagerraum zu verhindern. Und natürlich gibt sie auch zahlreiche Hinweise für den Aufenthalt im Pelletlagerraum und das Begehen des Lagerraums, darunter Ausführungsbeispiele geeigneter Warnhinweisschilder.

Bild: Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V.Beispiel: Sicherheitshinweise für Pelletlager (Bild: Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V.)

Beispiel: Sicherheitshinweise für Pelletlager (Bild: Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V.)

Die nach der Richtlinie ausgelegten Warnschilder können kostenlos beim Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) bestellt werden. Ohne großen Aufwand lassen sich damit auch Unfälle aufgrund von Unwissenheit vermeiden, damit ein Unglück wie in der Schweiz hoffentlich nicht noch einmal passiert.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Kommentare & Pingbacks

6 Gedanken zu “Heizen mit Holzpellets

  1. Gelbes Warnschild mit Piktogrammen:

    Ich empfehle das Warnschild für Heizräume in dieser Form so nicht zu verwenden.
    Begründung:

    Die Piktogramme:
    Nr.2(Befüllen),
    Nr.3(Belüftung),
    Nr.4(Belüftung),
    Nr.8(CO-Warngerät)
    sind Gebotszeichen.
    Sie werden aber in einem roten Kreis dargestellt, der in unserem Kulturkreis stets ein VERBOT signalisiert.
    Die Piktogramme könnten im schlimmsten Fall falsch verstanden werden („Verbot der Belüftung“)

    Die Piktogramme Nr. 5,6,7 sind korrekt eingebunden.

    Die hohe Anzahl der Verbots-Piktogramme könnte zu einem „Overwarning“-Effekt führen!

  2. Sehr geehrte Frau Lindner,

    auf dem Warnschild vfehlt ein Hinweis zu dem Einsteigeverfahren. Wenn jemand mit dem Gaswarngerät einsteigt kann es schon zu spät sein.
    Die Systematik der Schilder wurde zum Teil falsch angewendet. Gebotsschilder sind blau. Näheres siehe Arbeitsstättenregel ASR A1.3.
    Das Einsteigeverfahren ist in der Berufsgenossenschaftlichen Regel DGUV R 113-004 (früher BGR 117-1) geregelt. Ein entsprechender Hinweis gehört auf dem Schild.

    Ich empfehle dringend diese Literatur.

    Sie können mich für Rückfragen auch gerne anrufen (02512102-3235).

    Freundliche Grüße

    Gerhard Roß

  3. Sehr geehrter Herr Hohmeier, sehr geehrter Herr Roß,

    wir danken Ihnen für diese wertvollen Hinweise zur Gestaltung der Warnhinweisschilder.

    Die Richtlinie VDI 3464 gibt in erster Linie vor, auf welche Gefahrenaspekte solche Hinweisschilder hinweisen sollen. Die Richtlinie macht keine Vorgaben zur äußeren Gestaltung entsprechender Warnhinweisschilder. Im Anhang der Richtlinie werden nur als mögliche Ausführungsbeispiele die bereits existierenden Warnhinweisschilder des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands e.V. (DEPV) dargestellt.

    Ihre Hinweise werden wir aber auf jeden Fall bei der nächsten Überarbeitung der Richtlinie berücksichtigen. Zudem haben wir dem DEPV Ihre Hinweise mit der Bitte um Beachtung weitergeleitet.

    Viele Grüße

    Peter Plegnière

    Verein Deutscher Ingenieure e.V.
    Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN – Normenausschuss KRdL
    VDI-Platz 1
    40468 Düsseldorf

  4. Die Eltern heizen mit Holzpellets und wir haben gemeinsam die Winterabende bei ihnen genossen. Aber schon Ende Januar geht der Vorrat zu seinem Ende, deswegen sind wir auf der Suche danach. Sinnvolle Tipps zur Lagerung, danke!

  5. Einen Pelletkaminofen planen wir für unsere Bibliothek, wo wir meist im Winter zusammenkommen. Das kombinierte Heizsystem hat mir der Freund geraten, sie sei effizienter aus seiner eigenen Erfahrung. Dankbar für die Tipps zur Lagerung!

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