Digitale (R)evolution

Mensch oder Maschine – Geht uns bald die Arbeit aus?

Wenn man sich mit der Frage nach unserer künftigen Arbeitswelt beschäftigt, stößt man auf viele düstere Prognosen. Einige Wissenschaftler sagen voraus, dass durch die Digitalisierung massenhaft Arbeitsplätze wegfallen. Sie warnen vor dem „Ende der Arbeit“. Aber stimmt das?

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Mensch oder Maschine – Geht uns bald die Arbeit aus?

Die Geschichte der Industrialisierung ist auch eine Geschichte der Automatisierung. Mit jeder weiteren technologischen Entwicklungsstufe von der Ersten bis zur Dritten Industriellen Revolution wurden menschliche Arbeitsschritte in der Produktion nach und nach mechanisiert und automatisiert, d.h. auf den Betrieb mit Maschinen umgestellt. Entgegen jeglichen Befürchtungen hat dies allerdings nie zur umfassenden Vernichtung von Arbeitsplätzen, sondern lediglich zur Verschiebung von Arbeitsinhalten geführt. Dem Mensch ist nie die Arbeit ausgegangen, nur seine Tätigkeiten haben sich mitunter stark gewandelt.

Auch der bevorstehende Technologieschub der Digitalisierung und der „vierten industriellen Revolution“ bietet Anlass zur Frage: „Mensch oder Maschine – Geht uns bald die Arbeit aus?“ Wenn es nach den Wissenschaftlern Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne geht, ja! Sie haben 2013 in ihrer Studie „The Future of Employment“ ermittelt, dass derzeit 47 Prozent der Beschäftigten in den USA in Berufen arbeiten, die in den nächsten 10 bis 20 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisiert werden und damit wegfallen.

Wissenschaftler des ZEW haben die Methodik von Frey/Osborne auf den deutschen Arbeitsmarkt angewendet. Sie kommen in ihren Berechnungen auf weitaus geringere Effekte der Digitalisierung. In Deutschland seien nur 12 Prozent aller Jobs gefährdet. Weitaus positiver fallen die Berechnungen der Boston Consulting Group aus. Danach entstehen durch Industrie 4.0 in den nächsten zehn Jahren sogar bis zu 390.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland.

Genug der Zahlenspiele! Inwiefern die Digitalisierung Einfluss auf unseren Arbeitsmarkt haben wird, lässt sich mit heutigem Wissensstand gar nicht seriös vorhersagen, weil dies von unzähligen Faktoren und (menschlichen) Entscheidungen abhängt. Sicher ist nur, dass wir nicht von einem „technologischen Determinismus“ ausgehen sollten.  Die Technik – auch wenn sie noch so modern und revolutionär daherkommt – nimmt den Unternehmen nicht vollends die Entscheidung ab, wie und in welchem Umfang man sie nutzt und einsetzt. Ob Kollege Roboter künftig mein Konkurrent ist, liegt auch und gerade im Ermessen der Unternehmen.

Sicher ist aber, dass sich Arbeitsinhalte verändern und wir künftig mit neuen Qualifikationsanforderungen konfrontiert werden. Sicher ist auch, dass einige Tätigkeiten weiter automatisiert werden. Dafür entstehen neue. Der Gestaltungsspielraum des Einzelnen liegt darin, sich „digitalisierungsfit“ zu machen, sich lebenslang weiterzubilden und mit seinen Qualifikationen immer up-to-date zu bleiben.

Am 24. November wollen wir im Rahmen unserer Politikveranstaltung „Digitale (R)evolution – Wie gestalten wir die Arbeit der Zukunft?“ in Berlin mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften über diese Fragen – Einfluss der Digitalisierung auf Arbeitsmarkt, -inhalte, Ausbildung und Qualifikationsanforderungen – diskutieren. Weitere Informationen erhaltet Ihr unter http://www.vdi.de/arbeitenviernull. Diskutiert auf Twitter live mit auf @VDI_Politik oder unter #Arbeitenviernull.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

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