VDI-Ingenieurgeschichten: Julian Dobczinski

Als „Macher“ vorausgehen

Julian Dobczinski ist 26 Jahre alt, Ingenieurstudent und Protagonist einer unserer VDI-Ingenieurgeschichten:

Wir haben einmal mit Julian über das Ingenieur-Werden, sein Engagement in der Entwicklungshilfe und die Möglichkeiten, mit Technik die Welt zu verändern gesprochen:

Julian, bitte stell dich kurz vor.
Ich heiße Julian Dobczinski, bin 26 Jahre alt und studiere Wirtschaftsingenieurwesen an der HTWK Leipzig. Nach dem Bachelorstudium in Weingarten und Bangkok, kann ich nun im Frühjahr 2016 mit meiner Masterarbeit in Zürich abschließen. In meiner Freizeit widme ich mich dem Teamsport Rugby, bei welchem ich an meine Grenzen gehen kann. Grundsätzlich schätze ich mich ganz normal ein, hin und wieder aber gefällt es mir, Dinge oder Themen von unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Was bedeutet für dich, Wirtschaftsingenieur zu werden?
Wirtschaftsingenieur bedeutet für mich Problemlöser, zu sein. Technische Herausforderungen oder längerfristige Projekte zu betreuen, um in Zukunft die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Wichtig ist dabei, die eigentlichen Probleme in ihrer Gesamtheit zu erkennen und nicht diese zu verlagern. Des Weiteren finden nur wirtschaftliche Problemlösungen Akzeptanz, was ein Teil der Ausbildung ermöglicht. Wirtschaftsingenieure sind Bindeglied und Organisator zwischen Wirtschaft und Technik, da sie beide Seiten verstehen.

Warum hast Du Dich für die VDI Ingenieurgeschichten beworben?
Ich wollte meine gewonnenen Erfahrungen mit anderen teilen. Vor allem wollte ich Studierenden zeigen, was alles möglich ist – auch oder gerade als Student. Wichtig war mir auch zu zeigen, wie ungleichmäßig der Wohlstand weltweit verteilt ist. Wir haben mit unserem alltäglichen Handeln und Konsumieren einen weltweiten Einfluss auf alle anderen Menschen der Erde. Wir sind global aktiv, also auch global verantwortlich. Das sollte uns bewusst sein.

Was ist passiert, seitdem Du bei den VDI-Ingenieurgeschichten mitgemacht hast und wir Deine Geschichte erzählt haben?
Es hat sich viel getan! Ich habe meinen Bachelor in Esslingen abgeschlossen, mich in Leipzig während meines Masters in Wirtschaftsingenieurwesen Logistik gut eingelebt und nebenbei an der HHL (Handelshochschule Leipzig) eine HIWI-Stelle am Lehrstuhl für IT-gestützte Logistik begonnen. Nun geht es weiter nach Zürich, um dort meine Masterthesis bei einem produzierenden Unternehmen zu schreiben. Aber nicht nur bei mir hat sich einiges getan. Auch Socheat, der kambodschanische Bauer hat sich weiterentwickelt: Ein neues Haus, eine Reismaschine, vergrößertes Feld, Nachwuchs und der Sohn geht auf eine International School.

Dich reizt insbesondere, dass man mit Technik die Welt verändern kann. Dein Folgeprojekt in Kambodscha ist schon in der Umsetzung. Erzähle uns mehr davon, wie Du mit der Technik die Welt ein Stück besser machst?
Die Solaranlage auf dem Strohdach war eine tolle Geschichte. Aber eigentlich sollte Entwicklungshilfe viele Menschen erreichen. Das war auch die nötige Motivation für die nächste Herausforderung. Im Folgeprojekt haben ich und mein Studententeam uns auf die Kochbedingungen der Landbevölkerung in Kambodscha konzentriert. Es wird über offenem Holzfeuer gekocht und gebraten. Ineffizientes Verbrennen von Holz ist nicht nur ressourcenintensiv und dezimiert Wald und Bodenverhältnisse, welche die die dortige Lebensgrundlage sind, sondern belastet durch Rauch und Rauchgase die Gesundheit der Menschen. Diesem Problem haben wir uns angenommen. Die Entwicklung eines effizienten, sicheren und kostengünstigen Kochers – erschwinglich für die Landbevölkerung – konnte durch viel Einsatz von Zeit, Arbeit, Energie und Hilfe von außen erreicht werden. Durch das sogenannte Nachbrennerprinzip wir d über eine 2. Luftzufuhr am oberen Ende des Kochers nochmals erhitze Luft zugeführt um somit die nicht verbrannten Gase zu entzünden. Somit braucht der neue Kocher 1/3 weniger Holz, hat ebenso geringere Emissionen und ist für 4-5$ zu haben. Auch Geres die französische Hilfsorganisation, mit denen das Team in Kambodscha zusammen gearbeitet hat, erkannte das große Potenzial. Es wird wieder einen kleinen Film geben, da Jack Daniels das Ganze mit seinem Programm „Freidenker: Feuer und Flamme für deine Idee“ nicht nur Medial sondern auch finanziell unterstützt hat.

Bild: VDI / Fabian StürtzBühnenbild_Julian_Dobczinski_PPT

Mit den hervorragenden Testergebnissen, die wir im Labor der Universität in Phnom Penh erzielen konnten, hat der Kocher Potenzial, in Zukunft wirklich in Kambodscha oder anderswo eingesetzt zu werden. Es sind überwältigende Ergebnisse. Trotzdem stehen wir erst am Anfang, es gibt noch sehr viel zu tun. Wir suchen nun neue Studenten, um das Projekt zu unterstützen und in Ihren Fachgebieten voran zu treiben. Da gehören energietechnische ebenso wie medientechnische, sozialwissenschaftliche oder wirtschaftliche Schwerpunkte dazu! Wir sind gespannt.

Welchen Rat würdest Du allen jungen und angehenden Ingenieuren geben, die auch die Welt ein Stück besser machen möchten?
Nicht abschrecken lassen! Trotzdem machen! Es gibt für mich vier Arten von Menschen: Nichtsmacher, Nachmacher, Mitmacher und MACHER. Als junger Ingenieur sollte man als „Macher“ vorrausgehen und auch mal andere Wege gehen. Es sind oft „Schnapsideen“, die zu etwas führen und aus denen Großes entstehen kann! Also keine Angst vor großen Aufgaben. Es sind tolle Herausforderungen, um sich aus zu probieren!

 

Wenn Sie das Projekt von Julian unterstützen möchten finden Sie hier alle Informationen.

Mina_Kaisa Mäkinen_2Das Interview führte: Minna Mäkinen
Position beim VDI: Leiterin Marketing
Aufgabe im VDI: Strategie und Gestaltung der Marketing-Kommunikation rund um die
Marke VDI

 

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