Beitragsreihe zur Digitalisierung der Arbeit

#Arbeitenviernull – Die digitale Arbeitswelt aktiv gestalten

Dass wir im Jahr 2030 noch so arbeiten werden wie heute, ist unwahrscheinlich. Die Digitalisierung und Industrie 4.0 werden unsere Arbeitswelt grundlegend verändern. Für diesen Veränderungsprozess hat der VDI einige Empfehlungen.

Wordcloud Industrie 4.0 - Politikveranstaltung - Arbeitenviernull

Am 22. April hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles das Grünbuch „Arbeiten 4.0 – Arbeit weiter denken“ vorgelegt und damit einen Dialogprozess initiiert, im Rahmen dessen mit Öffentlichkeit und Fachexperten über die Arbeit der Zukunft diskutiert werden soll. Der Dialogprozess soll nach dem Willen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) Ende 2016 in ein Weißbuch mit ersten konkreten Gesetzgebungsvorschlägen münden.

Neue Regeln für neue Arbeitsverhältnisse
Stehen viele Arbeitgeber dem Konzept „Home Office“ ihrer Mitarbeiter heute noch skeptisch gegenüber, wird der digitale Wandel vermutlich zu einer breiten Akzeptanz von „mobilem Arbeiten“ und zu einer Entgrenzung von Arbeit führen. Mithilfe des Internets und globaler Vernetzung werden wir Arbeit künftig unabhängig von Zeit und Ort beispielsweise auf firmenübergreifenden Online-Plattformen erledigen können. Arbeit wird dadurch „entbetrieblicht“, traditionelle Arbeitsorte lösen sich auf. Die klassischen „Nine to Five“-Jobs mit Präsenzkultur werden immer seltener. Das „always on“ ermöglicht einerseits mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, es führt vermutlich andererseits aber auch zu neuen Ausmaßen der Arbeitsbelastung. Unser geltendes, 100 Jahre altes Arbeitsrecht wird den Anforderungen und Bedingungen dieser neuen digitalen Arbeitswelt vermutlich nicht genügen. Deshalb empfiehlt der VDI neue Regeln für neue Beschäftigungsformen wie z.B. das Crowd- oder Clickworking. Regeln, die Fairness schaffen – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen.

Bessere Qualifizierung für die „Smart Factory“
Die Industrie 4.0 wird nicht, wie vielfach befürchtet, zur massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen führen. Vielmehr entstehen in der „Smart Factory“ neue Interaktionsformen von Mensch und Maschine und ein produktives Miteinander mit „Kollege Roboter“. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass besonders schwere und eintönige „taktgebundene Arbeit“ vermutlich automatisiert wird, sofern sie automatisierbar ist und sich Kosten einsparen lassen. Die frei werdende Kapazität menschlicher Arbeitskraft gilt es anders zu nutzen. Dies ist die Herausforderung für die neue Arbeitsorganisation in der Fabrik der Zukunft. Dafür müssen Mitarbeiter künftig noch besser und höher qualifiziert werden, denn die Industrie 4.0 führt zur Verschiebung von Tätigkeitsprofilen und völlig neuen Arbeitsinhalten. Der VDI empfiehlt daher, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühestmöglich auf diesen Wandel in der „Smart Factory“ vorzubereiten und bestmöglich zu qualifizieren. „Lebenslanges Lernen“ muss in den Unternehmen gefordert und gefördert werden.

Digitale Bildung beginnt in der Schule
Die Qualifizierung unseres Nachwuchses für die digitale Lebens- und Arbeitswirklichkeit beginnt in der Schule. Dort müssen PC und Tablets als natürliche Lernmittel zum Einsatz kommen. Voraussetzung dafür ist die dringende Reform der Lehrerausbildung hin zur Fähigkeit des Lehrpersonals, den Schülerinnen und Schülern die notwendige IT-, Digital- und Medienkompetenz zu vermitteln. Der VDI empfiehlt, unser Bildungssystem dringend an die veränderten Qualifikationsanforderungen der Digitalisierung anzupassen.

Der Mensch entscheidet, nicht die Technik
Bei jeder der Industriellen Revolutionen wurde ein Ende der menschlichen Arbeit befürchtet. Und am Ausgang jedes technologischen Wandels haben sich diese Befürchtungen als völlig unbegründet erwiesen. Auch jetzt warnen manche Medienvertreter vor den Robotern, die uns Menschen in der Industrie 4.0 die Arbeit und sogar das Denken (sic!) abnehmen. Der VDI teilt diesen Pessimismus nicht. Denn keine der technologischen Veränderungen ist deterministisch, d.h. nicht die Technik bestimmt, was Menschen tun, sondern der Mensch bleibt auch künftig „Herr des Verfahrens“ (oder Frau) und bestimmt, wie und in welchem Umfang er neue Technologien einsetzt. Das heißt, wir haben die Chance, die „Arbeit 4.0“ aktiv zu gestalten und uns für den digitalen Wandel mit dem richtigen Know-How zu rüsten (welche Fähigkeiten Ingenieure künftig brauchen lest Ihr hier). Dafür sind Dialogprozesse wie der des BMAS und die „Plattform Industrie 4.0“ wichtige Foren, um Arbeitnehmer, Bürger, Sozialpartner, Unternehmen und Verbände mit politischen Entscheidungsträgern an einen Tisch zu bringen, um heute die Arbeit von morgen zu gestalten.

Diesem Thema „Arbeit 4.0“ widmet sich auch unsere Politikveranstaltung „Digitale (R)evolution – Wie gestalten wir die Arbeit der Zukunft?“ am 24. November in Berlin. Hier diskutieren wir gemeinsam mit dem BMAS, der IG Metall, dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, dem Volkswagen Personalvorstand und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) über die Digitalisierung der Arbeit. Weitere Informationen erhaltet Ihr unter http://www.vdi.de/arbeitenviernull oder auf Twitter @VDI_Politik.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

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