VDI unterstützt Erforschung des Phänomens

Was tun bei Korrosion in Kupferleitungen?

Kupfer ist an sich ein prima Werkstoff für Leitungen im Haus und ist hier kaum wegzudenken. Doch seit 2011 hat der glänzende Ruf des Metalls ein paar Kratzer bekommen – oder sollte man sagen Lecks? Seit dieser Zeit treten verstärkt unerklärliche Korrosionsphänomäne. Und es handelt sich nicht um Kleinigkeiten: So liegen z. B. in der Justizvollzugsanstalt Willich ca. 7,5 km Kupferleitungen, bei denen es inzwischen zu rund 500 Lecks gekommen ist. Das bedeutet, dass im Schnitt alle 15 m ein Leck auftritt!

Eine Trinkwasser-Installation muss nach Trinkwasserverordnung mindestens den anerkannten Regeln der Technik genügen, und das bedeutet, dass sie so zu planen und auszuführen ist, dass sie 50 Jahre bestimmungsgemäßen Betrieb aushält. Die neuerdings auftretenden Schäden kommen jedoch typischerweise schon nach 5 bis 10 Jahren zum Vorschein.

Eine Ursachensuche an den lecken Rohren, die von Prüfinstituten durchgeführt werden kann, ist teuer. In den meisten Fällen interessiert den Besitzer eines Einfamilienhauses, der mit einem Leck in seiner Trinkwasser-Installation konfrontiert ist, nur die Antwort auf die Frage „Komplett sanieren oder flicken?“, anders ausgedrückt: „Ist das Zufall oder muss ich Wiederholungen fürchten?“ Aber selbst diese Fragen sind kaum zuverlässig zu beantworten, wenn man hinsichtlich der Ursache im Dunkeln tappt.

Die Versicherungswirtschaft kostet das Problem in Deutschland Milliarden (!) Euro im Jahr. In den meisten Fällen wird eine Versicherung im Fall eines Schadens angesichts der Kosten für eine genaue Ursachensuche vermutlich mit den Schultern zucken und entschädigen. Nur dann, wenn sich Auffälligkeiten zeigen, wird man genauer hinschauen.

Verschiedentlich ist es inzwischen zu Rechtsstreitigkeiten gekommen, bei denen Gutachter zu klären hatten, ob der beobachtete Schaden durch die Wasserqualität, einen fehlerhaften Werkstoff oder durch Lagerung und Verarbeitung entstanden ist. Dipl.-Chem. Dipl.-Ing. Rainer Kryschi VDI, stellvertretender Vorsitzender des VDI-Fachausschusses Sanitärtechnik sagt in diesem Zusammenhang: „Die Fälle sind im Moment als völlig ungeklärt zu sehen. Das bedeutet insbesondere, dass Schlussfolgerungen nach dem Motto ‚Das Wasser war’s nicht, das Rohr ist auch zertifiziert, also muss es der Installateur gewesen sein.‘ eine unzulässige Vereinfachung darstellen.

Auf der anderen Seite, so Rainer Kryschi, „muss ich mich als Planer oder Installationsbetrieb auf den Werkstoff verlassen können. Wenn es ungeklärte Schadenfälle mit einem Werkstoff gibt, dann wird das Risiko unkalkulierbar.“ Der Fachverband SHK NRW, die Interessensvertretung des Handwerks hat aus diesem Grund seinen Mitgliedern empfohlen, im Versorgungsgebiet Holsterhausen, in dem scheinbar besonders viele ungeklärte Fälle von Kupfer-Lochfraßkorrosion auftraten, kein Kupfer als Werkstoff für die Trinkwasser-Installation einzusetzen.

Es ist aber noch nicht sicher, ob es tatsächlich eine auffällige geografische Häufung gibt. Das Handwerk und die Kupferindustrie sind davon überzeugt. Allerdings sieht man bekanntlich nur, wonach man sucht. Wenn erst einmal eine Sensibilisierung für ein Problem stattgefunden hat, dann sucht man gezielt danach. Der Effekt ähnelt der Diskussion, ob eine zunehmende Anzahl von bestimmten Erkrankungen tatsächlich auf mehr Erkrankte oder auf bessere Diagnosemöglichkeiten oder gezielteres Nachforschen zurückzuführen sind. In den meisten Fällen von Leitungsschäden in Trinkwasser-Installation wurde bislang gar nicht so gezielt gesucht. Gewissheit kann daher nur eine bundesweite Datenerhebung schaffen, und auch die nur, wenn bei allen Fällen sehr genau hingeschaut wird.

Aktien im Thema haben verschiedene Verbände und Vereine, zu vorderst die Kupferindustrie, das Handwerk, die Wasserversorger und die Planer. Und diese „Aktien“ sind es, die einer Problemlösung im Weg stehen können. Die verschiedenen Aktivitäten sollten möglichst gebündelt und ein gemeinsamer Ansatz verfolgt werden. Ziel muss es u. a. sein, nach den zu generierenden Erkenntnissen die anerkannten Regeln der Technik, nach denen sich die Planer und Ausführenden zu richten haben, fortzuschreiben.

Am 19/11/2015 trafen sich in Düsseldorf Vertreter aller Akteure (Planer, Handwerk, Wasserversorger, Zertifizierer, Versicherungswirtschaft, Forschung) aus Deutschland sowie von Partnervereinen in den Niederlanden, wo das Problem auch auffällig geworden ist. Eine umfassende und detaillierte Datenerhebung, so der Konsens, ist zur Klärung des Phänomens der erste Schritt. Weitere Schritte zur Erforschung des Phänomens sollen sich anschließen. Es ist zu hoffen, dass dieses Vorhaben durch die Hauptakteure unterstützt wird. Der VDI steht auf jeden Fall dahinter und wird die Erforschung im Rahmen seiner satzungsgemäßen Ziele und seiner Möglichkeiten unterstützen.

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Thomas WollsteinAutor: Thomas Wollstein
Position beim VDI: Technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Betreuer Fachbereich Facility-Management, Mitarbeit im Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung.
Aufgabe beim VDI: Technische Regelsetzung, Mitgliederbetreuung und -gewinnung

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2 Gedanken zu “Was tun bei Korrosion in Kupferleitungen?

  1. Vorsitzender des Presbyteriums der prot. Kirchengemeinde Kusel
    Hans-Christian von Steinaecker
    Christian-Böhmerweg 12
    66869 Kusel
    Telefon: 06381/6008117
    Mobil: 0171 640 22 92
    E-Mail: hcfrost137@outlook.de
    Homepage: http://www.protestantische-kirche-kusel.de/

    Sehr geehrte Damern und Herren,
    wir haben im Jahr 2005 unser 2-stöckuges Gemeindehaus eingeweiht. Seit dem Jahr 2010 haben wir in allen 3 Etagen Wasserschäden durch Korrosion in Kupferrohrleitungen. Bei dem jüngsten Fall wollen wir die schadhafte Kupferleitung untersuchen lassen, um gegebenenfalls Vorsorgemaßnahmen treffen zu können.
    Das beigefügte Bild zeigt behobenen Schaden.
    Wir würden deshalb gerne wissen, ob Sie solche Ursachenuntersuchungen durchführen.
    Falls ja, müssen wir wissen, welche Kosten uns für eine Untersuchung in Rechnung gestellt werden würden.
    Gerne erwarten wir Ihren Bescheid. Sie können mich aber auch für weitere Rückfragen gerne anrufen.
    MfG
    HCvS

    • Hallo Herr von Steinaecker, vielen Dank für Ihre Frage.

      Für Gutachten wenden Sie sich am Besten an das „Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer“. https://www.ifs-ev.org/

      Mit besten Grüßen, Eike Röckel. (VDI Presseabteilung)

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