Blogreihe: Digitalisierung der Arbeit

Arbeit 4.0: Mensch und Qualifikation ins Zentrum stellen

Unsere Diskussion über die Digitalisierung der Arbeit letzte Woche in Berlin hat deutlich gemacht, dass die Arbeit 4.0 gestaltbar ist. Schreckensszenarien über den digitalen Wandel als Jobkiller helfen nicht. Was wir brauchen ist eine Debatte über die richtige Qualifizierung.

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Es gibt keinen „technologischen Determinismus“
Nur einen Tag vor unserer Veranstaltung begegnete mir die Schlagzeile „Alptraum Arbeit 4.0: 18 Millionen Stellen in Deutschland sind bedroht.“ Ein weiteres Institut will berechnet haben, dass in Deutschland massenhaft Arbeitsplätze durch die Digitalisierung bedroht sind. Vielen Beschäftigten sowie jungen Menschen in Ausbildung und Studium jagen solche Prognosen Angst ein. Andererseits gibt es auch Studien, die für Deutschland ein Beschäftigungswachstum durch Digitalisierung und Industrie 4.0 vorhersagen.
So spannend solche Prognosen über die Arbeitsmarktentwicklung sind: Ich glaube, sie sind mit Vorsicht zu genießen, vor allem, wenn sie versuchen, vorherzusagen, wie sich technologischer Fortschritt auswirkt. Eine Technologie wirkt nicht automatisch wie ein „Naturgesetz“ und bestimmt nicht autonom über die Organisation menschlicher Arbeit. Oder anders formuliert: Es gibt keinen „technologischen Determinismus“. Der Mensch bleibt auch unter dem Einfluss digitaler Technologien Entscheider darüber, wie er Technologie wo und in welchem Umfang einsetzt.

Den Menschen ins Zentrum der Betrachtung stellen
Hierüber waren sich bei unserer Veranstaltung führende Vertreter aus Wissenschaft (Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO), Gewerkschaften (IG Metall), Industrie (Volkswagen AG) und Regierung (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) einig.
Wenn wir über „Arbeit 4.0“ sprechen, sollten wir den Menschen ins Zentrum der Betrachtung stellen, nicht die Technologie. Ich sage das ausdrücklich als Vertreter des führenden technisch-wissenschaftlichen Vereins Deutschlands. Die Technologie müssen wir so einsetzen, dass sie den Menschen bei der Arbeit vor allem unterstützt. Es darf nicht unser Ziel sein, den Menschen durch digital vernetzte Maschinen und Systeme zu ersetzen. Natürlich wird dies auch passieren, da dürfen wir uns nichts vormachen. Aber es werden auch Räume für völlig neue Tätigkeiten entstehen, die wir vielleicht heute noch nicht einmal kennen, aber dann nutzen müssen. Und das geht nur mit einer „digitalen Qualifizierungsoffensive“. Der Erwerb von IT-Kompetenz muss zum integralen Bestandteil aller Bildungsziele werden.

Spannende Perspektiven für Ingenieurinnen und Ingenieure
Für Ingenieurinnen und Ingenieure eröffnet der digitale Wandel spannende neue Perspektiven. Aber auch sie müssen sich hinsichtlich ihrer Qualifikationen weiter entwickeln. Ingenieure brauchen künftig z.B. viel stärker als heute IT-Kenntnisse und Know-how über Software, Programmierung und Elektronik. Ich habe auf der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass für Ingenieure künftig ganz neue digital-getriebene Berufsbilder entstehen werden. Das heißt, auch für sie gilt unsere Forderung nach einer „digitalen Qualifizierungsoffensive“.

„Digitale Transformation“ wird 2016 VDI-Schwerpunktthema
Was werden wir mit den Erkenntnissen aus unserer Veranstaltung zur Arbeit 4.0 tun?
Der VDI wird 2016 das Thema „Digitale Transformation“ zu seinem Schwerpunktthema machen. Unter diesem Motto werden wir unseren Ingenieurinnen und Ingenieuren konkrete Empfehlungen darüber geben, wie sie sich bestmöglich auf eine Tätigkeit in der digitalen Ökonomie vorbereiten können und mit welchen Qualifikationen sie sich rüsten sollten. Darüber hinaus werden wir uns intensiv mit weiteren Aspekten der Digitalen Transformation befassen, wie z.B. mit der Frage, wie wir Industrie 4.0 vom theoretischen Konzept in die Praxis umsetzen, wie sich Unternehmen neuen digitalen Geschäftsmodellen annähern können und wie wir insbesondere den Mittelstand darin unterstützen, auf den Zug der Digitalisierung aufzuspringen.

Bild: VDIPortrait_RA_2014_11_12Autor: VDI-Direktor Ralph Appel

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Arbeit 4.0: Mensch und Qualifikation ins Zentrum stellen

  1. Hallo Herr Appel,

    ich finde, es ist der richtige Ansatz, den Menschen in das Zentrum der Betrachtung zu stellen.

    Die fortschreitende Digitalisierung/Automatisierung führt zu enormen gesellschaftlichen Umwälzungen. Ich denke, vieles können wir uns noch nicht vorstellen. Es gibt ja jetzt schon automatische Krankenhausbettentransportsysteme, die Menschen durch die Klinik „schieben“ oder automatisiertes Fahren…

    Die Transformation soll keine Gefahr sondern eine Chance darstellen. Wenn viele Dinge durch Maschinen und Robotern erledigt werden, wird es vielleicht noch etwas mit der 15h-Woche für jeden?
    Wie viel Zeit dann für Kinder, Kultur und Kino übrig bleibt?
    Jedoch sprechen wir dann auch über teilbedingte oder bedingungslose Grundeinkommen…

    Ich bin da ganz beim VDI, dass die Transformation ein Prozess ist, der gesellschaftlich gestaltet werden muss.

    Ich freue mich auf Veranstaltungen :)

    Viele Grüße
    Eric Golbs

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