Wissenswertes rund um das Thema Brücken

Brücken sind mehr als nur Überwerfungsbauwerke

Vermutlich haben auch Sie heute schon auf dem Weg zur Arbeit eine Brücke überquert. Vielleicht haben Sie sich sogar heute schon eine gebaut – ganz sicher verdanken Sie Brücken jedoch zumindest Ihre eigene Existenz.

Bild: Stahl-ZentrumBrueckenbild_Jansen_2

In diesem Beitrag soll nicht detailliert auf die bröckelnden Brücken in Deutschland eingegangen werden, dass wird an anderer Stelle schon getan. Wir möchten hier vielmehr einmal die vielfältige Bedeutung des Begriffs „Brücke“ thematisieren.

Brücken sind Bauwerke
Ingenieure denken wohl bei „Brücken“ zunächst an Bauwerke. Sie nennen diese Bauwerke häufig auch liebevoll „Überwerfungsbauwerke“. Brücken sind manchmal sehr imposant und technisch äußerst anspruchsvoll. Sie dienen im Wesentlichen dazu, die auf dem Weg zwischen A und B auftretenden Hindernisse möglichst bequem zu überwinden. Manche Brückenbauwerke haben dabei zusätzlich eine große symbolische Bedeutung. Die Golden Gate Bridge steht an der Nahtstelle des Pazifiks zur Bucht von San Francisco und war, bzw. ist, immer noch für viele Menschen das Symbol für den Zugang zur Freiheit.
Aber es gibt nicht nur positive Symbole. Zu den eher negativen Symbolen zählt die „Alte Brücke“ (Stari Most) der bosnischen Stadt Mostar. Dieses herausragende Ingenieurbauwerk entstand bereits im 16. Jahrhundert und galt als Meisterwerk der osmanischen Baukunst. Sie stand als Symbol für die Verbindung von Stadtteilen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Bevölkerungen und symbolisierte somit über Jahrhunderte die ethnisch-kulturelle Vielfalt. Am 9.11.1993 wurde sie von der kroatischer Artillerie beschossen. Das Bild der Zerstörung, das sie darbot, wurde zum Symbol der kriegerischen Völkertrennungen auf dem Balkan. Seit ihrem Wiederaufbau 2004 ist sie auch ein Symbol des Versuchs der Versöhnung.

25.000 Brücken im Netz der Deutschen Bundesbahn
Die Hauptfunktion von Brückenbauwerken ist allerdings für gewöhnlich nicht symbolischer sondern praktischer Natur. Die Funktion als Verkehrsbauwerk ist für gewöhnlich der Erbauungszweck. Wir nehmen die Brücken jedoch oftmals garnicht war, sondern brausen einfach drüber. Wussten Sie zum Beispiel, dass sich im Netz der Deutschen Bundesbahn ungefähr 25.000 Brücken befinden? Schmerzlich bewußt wird uns die Bedeutung von Verkehrsbrücken dann, wenn diese einmal gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar sind – die Erneuerung der Rheinbrücke bei Leverkusen (Autobahn A1) ist hier ein in den Verkehrsnachrichten zur Zeit überaus präsentes Beispiel. Ok, jetzt sind wir doch bei den bröckelnden Brücken angekommen…wie soll es auch anders sein, denn die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland hat Ihre Belastungsgrenzen längst überschritten und die Sanierung, gerade der Brücken, wird eine der Hauptaufgaben sein, um die sich die Politik kümmern muss. Die Wirtschaft ist massiv abhängig von einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur und der Nachholbedarf ist gigantisch. Es wird viel Geld und Geduld brauchen, denn hier ist lange gespart worden. Die Brückensubstanz ist teilweise stark veraltet und nicht auf die heutigen Belastungen und Verkehrsaufkommen ausgelegt. Ein Großteil der Autobahnbrücken stammt aus dem 60ziger Jahren und von den 25.000 Eisenbahnbrücken sind ca. 9.000 über 100 (in Worten: Einhundert!!) Jahre alt.

Nicht nur Bauingenieure bauen brücken
Brücken bauen – das machen mitnichten nur Bauingenieure. Mit „Brücke“ bezeichnen wir nicht nur reale Konstruktionen, die wir befahren können, auch gedankliche Hilfskonstruktionen werden oft Brücke genannt – hier im Zusammenhang mit dem Esel. Interessant zu wissen, dass es wiederrum die Eselsbrücken auch tatsächlich gibt, denn Esel sind recht wasserscheu und weigern sich beharrlich, auch kleinste Wasserläufe zu durchwaten, auch wenn sie diese physisch leicht bewältigen könnten. Neben dem Hang zur Sturheit liegt das wohl auch daran, dass ein Esel durch die spiegelnde Wasseroberfläche nicht erkennen kann, wie tief der Bach ist. Daher baute man ihnen in Furten kleine Brücken, die sogenannten „Eselsbrücken“.
In der Kunst taucht der Begriff Brücke ebenfalls häufig auf. Sie sind Abbild realer oder erdachter Bauwerke in Malerei und Grafik aber auch in realem oder symbolischen Sinn in Literatur und auch der Musik. Die „Bridge over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel dürft nicht nur den älteren Semestern, zumindest jetzt, nach dem lesen des Songtitels, im Ohr herumschwirren.
Neben Ufern an wilden Flüssen lassen sich auch Maschinen durch Brücken miteinander verbinden. Der diesbezüglich leidgeplagte Autor wünscht Ihnen trotzdem, dass Sie die Überbrückungskabel in der nun anbrechenden Winterzeit im Kofferraum Ihres Autos belassen können.

„Brücke“ ist positiv besetzt
Auch weitere Verwendungen des Wortes Brücke sind durchaus positiv besetzt. Der Brückentag ist eine feine Erfindung, die Luftbrücke ebenfalls aber auch die Brücke als Bezeichnung für Atomketten und Bindungen, die Teile von Molekülen verbinden. Durch Wasserstoffbrückenbindungen werden beispielsweise die beiden Stränge der Doppelhelix der DNA zusammengehalten – wer möchte darauf schon verzichten? Und wer schonmal ein Interview mit einem Eishockeyprofi direkt nach dem Spiel gesehen hat, der weiß, dass Brücken (hier als Form des Zahnersatzes) neben funktionalen Aspekten auch durchaus sympathisch machen können.

Sie sehen also, Brücken sind unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags – ja wir bestehen sogar zum Teil aus Brücken. Denken Sie daran, wenn Sie demnächst eine hoffentlich nicht marode, Brücke überqueren und haben Sie noch viel Freude an den nicht aus Beton, Stahl oder Holz geschaffenen Brücken, welche die Welt zusammenhalten.

Bild: VDIFrank Jansen_TW2Autor: Frank Jansen
Position im VDI: Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (VDI-GBG), Betreuer Fachbereich Bautechnik.

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