Smog in China

Feinstaub-Emissionen schnüren Pekingern die Luft ab

Der gefährliche Smog in Peking und Umgebung hat ein Rekordniveau erreicht. Die Sicht beträgt nur wenige Hundert Meter, von Gebäuden ist nur eine milchige Silhouette zu sehen. In der chinesischen Hauptstadt kletterte die Feinstaubbelastung auf Werte, die rund 25 Mal höher liegen als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als sicher eingestuft. Schulen wurden angehalten, Aktivitäten im Freien zu unterlassen. Tausende Fabriken wurden auf Anweisung der Regierung geschlossen. Wo liegen die Ursachen von Smog? Wie kann man ihn verhindern?

Bild: Martina Böhner / pixelio.de88522_original_R_K_by_Martina Böhner_pixelio.de

Luft ist unsichtbar und doch überall. Ohne Luft ist kein Überleben möglich. Doch auch die Qualität der Luft ist entscheidend: Sauber muss sie sein, damit Mensch und Natur sie nutzen können. Die Bilder, die wir gerade aus Peking sehen, erinnern an den großen London Smog im Winter 1952. Hier bekamen zehntausende Menschen Atemprobleme, an denen Tausende starben. Schon vorher gab es Smog-Ereignisse in London, von denen jedoch keines auch nur annähernd solche Ausmaße wie das von 1952 hatte. Ursache dieses Smogs war, wie jetzt auch in Peking, die Kombination von intensiver Luftverschmutzung aus Industriefeuerungen, Kohlekraftwerken, dem Verkehr und Hausheizungen und austauscharmer Wetterlage.

In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Luftbelastungssituation vor allem auch im Ruhrgebiet ähnlich prekär: Zechen, Kokereien und Stahlwerke färbten den Himmel dunkel mit ihren Emissionen, Smog und Atemwegserkrankungen waren die Folge. 1961 forderte Willy Brandt vehement: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“

Feinstaubemissionen sind gesundheitsschädlich. Daher hat die WHO einen jährlichen Durchschnittswert von 10 µg/m3 bzw. einen 24-Stunden-Mittelwert von 25 µg/m3 empfohlen. Der empfohlene 24-Stunden-Mittelwert wird also zurzeit mit 500 bis 600 µg/m3 in Peking um das 25–fache überschritten. Dies gefährdet laut WHO die Gesundheit der Einwohner Pekings in erheblichem Maße, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen.

Dank gesetzlicher Regelungen und fortschreitender technischer Entwicklung wurde der Himmel über dem Ruhrgebiet tatsächlich wieder blau. Die Luftreinhaltetechnik ermöglicht es, Emissionen zu mindern, Schadstoffe exakt zu messen, die Schadstoffausbreitung genau zu modellieren oder Wirkungszusammenhänge abzuleiten. Sie ist damit für die Umsetzung der Vorgaben und Ziele der Umweltgesetzgebung unentbehrlich. Die entsprechenden technischen Sachverhalte werden in VDI-Richtlinien der Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN – kurz KRdL – beschrieben. Seit mehr als 50 Jahren unterstützt die KRdL so erfolgreich den Gesetzgeber und sorgt dafür, dass der Himmel auch weiterhin blau bleibt. Dies hat beispielsweise dazu geführt, dass die jährliche Durchschnittskonzentration an Feinstaub (PM10), die 1968 im Ruhrgebiet 140 µg/m3 betrug, im Jahr 2012 nur noch bei 21 µg/m3 lag.

Zur Bildung von besonders kleinen Feinstaubpartikeln tragen auch Vorläufersubstanzen, wie z.B. Schwefeldioxide (aus Braunkohlekraftwerken und Schiffen, etc.), Stickstoffoxide (aus Verbrennungsprozessen) sowie Ammoniak aus der Landwirtschaft in erheblichem Maße bei. Die Schwefeldioxid-Emissionen wurden in Deutschland seit den 50er Jahren um über 98 Prozent dank geeigneter technischer Maßnahmen reduziert, die in VDI-Richtlinien beschrieben werden.

Um den SMOG in Peking zu verbessern sind dringend Maßnahmen notwendig, die vermeiden, dass bei austauscharmen meteorologischen Situationen eine solche Situation regelnmäßig auftritt, die das Leben Hunderttausender Menschen beeinträchtigt oder gar gefährdet.

Bild: VDITheloke_Dr_JochenAutor: Dr.-Ing. Jochen Theloke
Position: Stellv. Geschäftsführer der Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN – Normenausschuss KRdL

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