Wir sind VDI / Januar 2016

„Der VDI spielt für mich eine sehr wichtige Rolle“

VDI-Mitglied sein lohnt sich. Tobias Göcke, Chemieingenieur und Gewinner des
ChemCar Wettbewerbs 2012, erzählt im Interview, wie der VDI seinen Karriereweg positiv beeinflusst hat.
Bild: privattobiasgoeckeHallo Tobias, bitte stell dich kurz vor.
Mein Name ist Tobias Göcke, ich bin 29 Jahre alt. Während meines Studiums in Indien kam ich in Berührung mit High Performance Computing zur Simulation von chemischen Prozessen. Im Dezember 2015 habe ich mein Studium des Chemieingenieurwesens erfolgreich an der Technischen Universität Dresden abgeschlossen.

Seit wann bist Du im VDI und warum bist Du damals eingetreten?
Ich bin am Anfang meines Studiums in den VDI eingetreten, weil ich neben den Angeboten, wie zum Beispiel die VDI nachrichten, auch das Zeitschriften-Abonnement sehr attraktiv fand. Zusätzlich nutzte ich die vergünstigten Teilnahmegebühren für die damalige Jahrestagung ProzessNet sehr gern, um schon als Student Netzwerk und Fachwissen aus erster Hand zu erhalten.

Beschreibe uns kurz den Moment in dem Du wusstest: Ich werde Ingenieur?
Schon zu meiner Grundschulzeit war ich ein begeisterter Ingenieur. Aus alten Elektrobauteilen, Lego und Reaktionsgefäßen baute ich bereits in jungen Jahren kleine Experimentierstrecken auf. Nicht selten musste mein ehemaliges Zimmer renoviert werden, da ich sehr experimentierfreudig agierte. Dabei probierte ich mich nicht nur an Computern aus, sondern versuchte reale Prozesse mit dem Internet zu verknüpfen. Hier hatte ich zum Beispiel eine twitternde Kaffeemaschine zusammengebastelt. Für mich war von Anfang an klar, dass ich Chemie und Technik verbinden möchte: idealerweise gibt es das Chemieingenieur Studium.

Was bedeutet es für dich, Ingenieur zu sein?
Was für den Spieleentwickler die GameEngine ist, ist für den Ingenieur die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten. Hieraus resultiert nicht nur der Reiz, sondern auch die Verantwortung jedes einzelnen Ingenieurs. Ein Ingenieur bekommt während seiner Ausbildung/Studium die Werkzeuge, um zu einem Macher zu werden und Probleme und Herausforderungen mit kreativen Ideen und Fachwissen zu lösen. Dabei gilt für mich die Prämisse, die Welt jeden Tag ein bisschen besser machen und immer für Neues offen zu sein. Aber ein Macher allein reicht nicht aus, denn für das Meistern der täglichen Herausforderungen sind neue Ideen, Kreativität und Offenheit gegenüber Innovationen, Entwicklungen und Produkten notwendig. Deshalb verlasse ich regelmäßig meine „Komfortzone“, um neue Entwicklungen in fachfremden Gebieten kennenzulernen, um so neue Einflüsse für meinen Fachbereich zu erhalten. Dies setzt eine Offenheit zu anderen Kulturen und Mitmenschen voraus und erweitert nicht nur die eigenen Kompetenzen, sondern ermöglicht Innovation und Fortschritt. Das sehe ich als meine Aufgabe nicht nur als Ingenieur, sondern auch als Gründer und als Vereinsmitglied des VDIs.

Welche Rolle spielt für dich der VDI?
Der VDI spielt durch die Organisation des ChemCar Wettbewerbs eine sehr wichtige Rolle, denn der ChemCar Wettbewerb stellte einen Mehrwert während meiner Ausbildung dar. Durch die Teilnahme am ChemCar Wettbewerb konnte ich Kompetenzen aufbauen, die mir heute in meinem Gründungsprojekt sehr hilfreich sind. Im ChemCar Wettbewerb setzte ich konsequent neuartige Technologien (Stereolithografie) und Simulationen ein und konnte so CO2 als Treibstoff für den Antrieb des ChemCars (bridgerider.de) nutzen. Im Jahr 2012 gewannen mein Team und ich den ChemCar Wettbewerb.

Der Erfolg und die Erfahrungen haben ich mich veranlasst über die Lehre des Chemieingenieurwesens und der Verfahrenstechnik nachzudenken. Das Ergebnis war, dass ich gern jedem Lernenden und Interessierten die Möglichkeit des Anwendens von Wissen ermöglichen möchte. Leider hat nicht Jeder das Glück ein ChemCar konzipieren, herstellen und testen zu können. Dies soll sich durch den webbasierten Chemiebaukasten ändern, denn er ermöglicht das spielerische und anwendende Lernen durch die Integration eines Cloud Simulators zur Echtzeitsimulation von Reaktionsverläufen sowie multimedialem Lehrinhalt. Dabei kann der Lerner sich ausprobieren, forschend Lernen und somit sein Wissen gefahrenlos anwenden.

Der ChemCar Wettbewerb stellt für mich die Initialzündung für das Gründungsprojekt ChemTics dar, welches aktuell u.a. patentierte (pending) Prozesse und Produkte nicht nur für den Bildungsbereich, sondern auch für den Industrie- und Forschungsbereich entwickelt.

Was wünscht Du Dir in Zukunft vom VDI?
Deutschland braucht weltoffene, kreative und mutige Ingenieure, um innovativ und wettbewerbsfähig zu sein! Den Ausbau von weiteren Angeboten zur Erreichung dieser Prämisse stellt gleichzeitig mein Wunsch an den VDI dar.

Als Chemieingenieur, der sich für das Unternehmertum entschieden hat, wünsche ich mir natürlich, dass der VDI weiterhin den Nachwuchs unterstützt. Mehr projektähnliche Angebote/Wettbewerbe für Studierende zur Entfesselung der Kreativität und den Aufbau von Kompetenzen. Hierbei verstehe ich die Nachwuchsförderung nicht nur bezogen auf Schüler/-innen und Studierende, sondern auch auf den unternehmerischen Nachwuchs – für Chemie StartUps. Ich wünsche mir, dass der VDI eine Plattform für Chemie StartUps bietet, damit diese und die Industrie leichter zusammenkommen. Innovationen und Produkte können somit schneller Anwendung finden. Hierbei kann eine Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Startups sehr fruchtend sein.

Auch die Anstrengungen für eine an die Industrieanforderungen gerechtere Ausbildung müssen verstärkt werden. Die Digitalisierung der Prozesse in der Industrie impliziert eine Erweiterung und Weiterentwicklung der Curricula in den Schulen und Hochschulen. Hier wünsche ich mir eine stärkere Fokussierung des VDIs auf diese Thematiken.

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Wegener_DominikDas Interview führte: Dominik Wegener
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