VDI Ingenieurgeschichten: Dominique Bouwes

Wie Mikrosystemtechnik unseren Alltag verbessert

Dominique Bouwes arbeitet als Ingenieurin der Mikrosystemtechnik bei iX-factory und entwickelt dort u.a. ein sogenanntes Lab-on-a-Chip zur Diagnostik von akuter Leukämie. Sie ist die Protagonistin einer unserer VDI-Ingenieurgeschichten. Was Sie dazu bewogen hat, Ingenieurin zu werden, warum sie sich um den Nachwuchs in der Mikrosystemtechnik bemüht und was sie angehenden Ingenieurinnen rät, haben wir sie im Interview gefragt.

Dominique, bitte stelle Dich kurz vor.
Ich bin in Saarbrücken geboren, habe einen Bruder und hatte das Glück, dass ich von zu Hause immer unterstützt wurde. Da ich nicht das machen wollte was viele machen und schon sehr früh an Technik interessiert war, habe ich an der Fachhochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken Mikrosystemtechnik studiert. Nach meinem Diplomingenieur-Studium habe ich 2006 dann noch meinen Master im Bereich Engineering abgeschlossen, mit der Spezialisierung Fertigungstechnik. Während des Studiums konnte ich bereits durch meine Arbeit am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT und an der Universität Twente in den Niederlanden praktische Erfahrung sammeln.

Bild: VDI / Fabian StürtzBühnenbild_VDI_Ingenieurgeschichten_Dominique_Bouwes_ppt
Du bist Ingenieurin und hast Mikrosystemtechnik studiert. Warum hast Du ausgerechnet diesen Studiengang gewählt?
Die Mikrosystemtechnik kombiniert Elektrotechnik, Mechanik, Chemie und Informatik. Die Vielseitigkeit macht es so interessant. Man kann sich seinen Schwerpunkt und Interessensgebiet aussuchen. Die Möglichkeiten der Miniaturisierung sind grenzenlos. Es war die Neugier auf diese Möglichkeiten und die Faszination etwas Besonderes zumachen, die mich bewegt haben mich hier einzubringen.

Wie kann Mikrosystemtechnik unseren Alltag verbessern?
Unser Alltag verändert sich. Einerseits ganz sichtbar, viele tragen ihr Smartphone oder den Schrittzähler permanent mit sich herum – andererseits auch für uns nicht so erkennbar. Viele Abläufe werden automatisch gesteuert im Verkehr (Lichtsensoren), bei Maschinen (Temperatursensoren) und Geräten im Haushalt (Schmutzwassersensoren), in fast allen Lebensbereichen und auch immer mehr in der Medizin und Biologie. MEMS Sensoren bzw. Mikrofluidik Chips verschiedenster Art werden hier eingesetzt.

In deiner Ingenieurgeschichte sprichst Du über das Forschungsprojekt für die Entwicklung eines Chips für die Leukämiefrüherkennung. Wie fortgeschritten ist dieses Forschungsprojekt? Kannst Du uns sagen ob es in der nahen Zukunft möglich wird, dass so ein Mikrochip tatsächlich in der Leukämiefrüherkennung eingesetzt wird?
Das ist ein wichtiges Gebiet. Wie wichtig kann man sehen, wenn öffentliche Persönlichkeiten über Ihren Fall berichten, wie zum Beispiel Guido Westerwelle es gerade getan hat. Und dies ist ein Fall von unzähligen. Die schnelle Diagnose rettet Leben. Wir arbeiten weiter an diesem Projekt und planen selbstverständlich auch die Umsetzung in ein fertiges Produkt.

Hier könnt Ihr Euch ihre Ingenieurgeschichte ansehen:

Du bist selbst Unternehmerin mit der iX-factory GmbH im Technologie Zentrum in Dortmund. Warum wurde dieser Standort gewählt?
In Dortmund wurde die Möglichkeit geboten, mit Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft ein Projekt im Rahmen des Strukturwandels mit neuen Technologien und den dazugehörigen Anlagen umzusetzen. Basierend auf meinen Erfahrungen konnte der Reinraum mit den entsprechenden Anlagen eingerichtet werden und so konnte iX-factory ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Dortmund hat auch ein riesiges Netzwerk und unterstützt junge Unternehmen in vielen Bereichen. Dazu kommt, dass Dortmund sehr zentral liegt und man vom Flughafen in Dortmund oder Düsseldorf internationale Kunden besuchen kann.

Du engagierst dich zudem als Jury-Mitglied bei Cosima, einem Wettbewerb für Studenten der Mikrosystemtechnik. Wie steht es um den Nachwuchs in Deiner Branche?
Ich bin sehr gerne Mitglied in der Jury Cosima. Hier kann ich sehen, wie viele tolle Ideen die Studenten haben und diese praktisch umsetzen. Die Erfolge zeigen sich auch auf internationaler Ebene. Die Sieger in Deutschland gehören auch immer zu den Siegern bei den folgenden internationalen Wettbewerben. Leider gibt es nicht so viel Studenten und leider zu wenige Frauen. Während meines Studiums waren wir zwei Frauen von insgesamt 15 Studierenden. Besonders freut es mich, dass eine Gewinnerin von Cosima bei iX-factory ihre Masterarbeit geschrieben hat und jetzt bei uns als Ingenieurin das Team konstruktiv verstärkt.

Was rätst Du speziell angehenden Ingenieurinnen für Ihre Laufbahn?
Neben einer gründlichen Ausbildung ist die praktische Erfahrung wichtig. Während der Praxis kann man dann sehen, in welcher Richtig die Tendenz liegt und sich darin weiter vertiefen. Bei der Mikrofertigung kann man für alle Anwendungsbereiche arbeiten, was eine große Bandbreite und Vielfältigkeit ermöglicht. Hier bietet iX-factory auch Praktika oder Abschlussarbeiten an.
Die Herausforderung suchen und Neugier bewahren, sowie sich der die Verantwortung und Problemen stellen, das sind Eigenschaften, die man mitbringen muss. Ein guter Ingenieur ist selbstmotiviert und kann lösungsorientiert denken, was auch einen guten Projektleiter auszeichnet. Natürlich ist auch im Ingenieurbereich ein gutes Netzwerk wichtig, wie es der VDI bietet.

Mina_Kaisa Mäkinen_2Das Interview führte: Minna Mäkinen
Position beim VDI: Leiterin Marketing
Aufgabe im VDI: Strategie und Gestaltung der Marketing-Kommunikation rund um die Marke VDI

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Ein Gedanke zu “Wie Mikrosystemtechnik unseren Alltag verbessert

  1. Guten Tag,

    vielen Dank erst einmal für diesen sehr fachlichen und sehr informativen Artikel.

    Doch es gibt beim technologischen Fortschritt auch immer Nachteile. Immer mehr Berufe sind dank der Technologie veraltet und werden nicht mehr gebraucht. Es kann so ein Massenarbeitslosigkeit der Folgegenerationen folgen.

    Diese Technologien vereinfachen unser Leben tatsächlich. Doch auf lange Sicht sollte man auch berücksichtigen, was Menschen dafür alles aufgeben.

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