Das VDI-Schwerpunktthema 2016

Digitale Transformation

„Digitale Transformation“ lautet das Schwerpunktthema des VDI in diesem Jahr. In den sieben Bereichen Industrie 4.0, Stadt und Mobilität, Additive Manufacturing, Arbeit der Zukunft, Big Data, Building Information Modeling (BIM) und IT-Security wollen wir umfassend darstellen, welche Veränderungen die Digitale Transformation bedeutet. Zu Beginn der Themenreihe (eine Übersicht der Beiträge finden Sie am Ende dieses Artikels) haben wir mit Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Wissenschaft im VDI e.V., über Digitale Transformation als solche und die Aktivitäten des VDI dazu gesprochen.

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Dieter Westerkamp_1Herr Westerkamp, warum hat der VDI die „Digitale Transformation“ zu seinem Schwerpunktthema für 2016 gemacht?
Die Digitale Transformation ist ein Megathema. Wir erleben gerade einen Wandel unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfelds auf Basis der konsequenten Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Dieser Wandel wird durch Ingenieure wesentlich mitgestaltet – umgekehrt hat der Wandel erhebliche Auswirkungen auf die wesentlichen Arbeitsbereiche des Ingenieurs. Darum ist es für den VDI wichtig, sich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen.

Was findet zum Thema „Digitale Transformation“ im VDI konkret statt?
Der VDI ist bereits mit vielen Aktivitäten zur Digitalen Transformation unterwegs. Viele Gremien beschäftigen sich mit spezifischen Fragen: Digitale Fabrik, Industrie 4.0, Neue Geschäftsmodelle, Additive Manufacturing, IT-Security, Virtuelle Produktentwicklung, MES, … Um die existierenden Gremienarbeiten auszurichten und inhaltlich zu verstärken, haben wir Ende Januar ein interdisziplinäres Gremium zum Thema Digitale Transformation gegründet. Die breite fachliche Kompetenz des VDI gerade in der Anwendung von IKT-Technologien ist hier zusammengekommen.
Auch in der technischen Regelsetzung beschäftigt sich der VDI bereits mit Fragen der Digitalen Transformation. Im Bereich der Gebäudetechnik unter dem Stichwort „Building Information Modeling“ laufen bereits konkrete Aktivitäten zur Erstellung der gleichnamigen Richtlinie VDI 2552. Weitere Statusreports werden die Gremien des VDI erarbeiten, um damit Grundlagen für Standards zu schaffen, siehe auch www.vdi.de/industrie40.
Eine Reihe von Veranstaltungen des VDI Wissensforums ist für das Jahr 2016 bereits geplant. Den Auftakt bildete in der vergangenen Woche die Tagung „Industrie 4.0“ in Düsseldorf. Auch auf regionaler Ebene wird der VDI Veranstaltungen anbieten.

Wie ist Deutschland bei dem Thema Digitale Transformation aufgestellt?
Das ist eine gute Frage. Es gibt Versuche, den Grad der Digitalisierung von Nationen zu messen. Dabei schneidet Deutschland mal besser, mal schlechter ab. Aus meiner persönlichen Perspektive möchte ich klar feststellen, dass es Nationen gibt, deren Einwohner im privaten Bereich deutlich aktiver mit Informations- und Kommunikationstechnologien umgehen. Dies ist mir besonders in Südkorea aufgefallen. Auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten in der Wirtschaft durch die Vokabel „Industrie 4.0“ vergleichsweise gut erkannt. Das heißt noch nicht, dass Deutschland hier prinzipiell gut aufgestellt ist – die Voraussetzungen, die derzeit geschaffen werden, sind jedoch sehr gut. Viele europäische Länder, auch die USA und China, beobachten die deutschen Initiativen sehr genau.

Was bedeutet Digitale Transformation für den einzelnen Ingenieur?
Das Arbeitsfeld des Ingenieurs wird sich ändern. Zunehmend wird der Ingenieur durch Assistenzsysteme unterstützt, die ihm bei täglichen Routineaufgaben helfen. Durch Softwaresysteme, Apps u. ä. wird er vielseitige Unterstützung erfahren.
Die Produktzyklen werden immer kürzer werden, neue Entwicklungen werden immer schneller in den Markt kommen. Hier muss der Ingenieur Schritt halten. Damit verbunden wird das Thema „Lebenslanges Lernen“ nun tatsächlich Wirklichkeit. Dies ist eine Aufgabe für Unternehmen – aber auch für jeden Ingenieur selbst.
Kreative Tätigkeiten werden Ingenieure auch in Zukunft selbst ausführen. Ebenso muss der Ingenieur auch zukünftig Entscheidungen fällen. Er wird weiter in der Verantwortung bleiben, technische Produkte und Systeme in einem komplexeren Umfeld ressourceneffizient, sicher und wirtschaftlich zu entwickeln und einzusetzen. Dies bedarf eines zunehmend disziplinenübergreifenden Wissens- und Erfahrungsschatzes sowie der Fähigkeit, in interdisziplinären Teams erfolgreich zu arbeiten.

Erstes großes VDI-Event in 2016 war die Tagung „Industrie 4.0“ in der vergangenen Woche. Was waren die Schwerpunkte?
Ja, dies war schon die vierte Tagung des VDI zu diesem Thema. In diesem Jahr ging es darum, möglichst konkret zu zeigen, wie die Ideen von „Industrie 4.0“ tatsächlich umgesetzt werden können. Die Tagung hatte die folgenden Schwerpunkte:
•    Anwendungsbeispiele der Smarten Fabrik
•    Neue Geschäftsmodelle mit digitalen Services
•    Wertschöpfung erhöhen mit intelligenter Produktion und Instandhaltung
•    Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette, von IoT bis Simulation
•    Change Management für Strategie, Organisation und Arbeitswelt
•    Modulare flexible Produktion, Leittechnik und Kommunikation
•    Schlüssel für die Digitalisierung: Industrial IT-Security
Der Keynote-Vortrag befasste sich mit der 5G-Technologie als Grundlage für „Industrie 4.0“-Lösungen.

Zur Visualisierung des Themas „Digitale Transformation“ setzen Sie ein besonderes Key Visual ein. Worum handelt es sich dabei?
Um die Fülle der VDI-Aktivitäten sichtbar zu machen, haben wir uns ein sogenanntes „Key Visual“ überlegt. Es handelt sich dabei um eine Libelle, die für eine Transformation in der Biologie steht: die Metamorphose. Die Libelle werden wir bei allen passenden Gelegenheiten visuell für alle unsere Produkte und Veranstaltungen nutzen, um damit auf unsere Aktivitäten hinzuweisen – auch zum Beispiel während der Hannover-Messe.

Weitere Informationen zum VDI-Schwerpunktthema Digitale Transformation gibt es auch unter www.vdi.de/digitalisierung.

Stephan Hasselbach_2Das Interview führte: Stephan Hasselbach
Position im VDI: Marketingreferent

 

 

 

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Folgende Artikel sind im Rahmen der Beitragsreihe „Digitale Transformation“ bereits erschienen:

Alle folgende Beiträge der Reihe werden an dieser Stelle jeweils fortlaufend verlinkt.

Kommentare & Pingbacks

2 Gedanken zu “Digitale Transformation

  1. Wenn der technische Fortschritt so weiter geht, dann wäre es auch denkbar, dass tatsächlich KI oder andere Systeme zum Beispiel die Pflege der Menschen übernehmen. Auch wäre es denkbar, dass sie tatsächlich den Menschen bedienen. Damit bekommen vergangene Filme einen größeren Wahrheitsgehalt. Man kann hier sehr gespannt sein.

  2. Pingback: Was macht eigentlich ein Bauingenieur? - ingenieur.de 

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