Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren

Ohne Licht fährt bald kein Auto mehr

Hier geht es nicht darum, in welchen Ländern welches Licht zur welcher Tageszeit am Auto eingeschaltet werden darf, soll oder muss. Unser Thema ist, dass Autos ohne optische Systeme bald gar nicht mehr fahren, oder dass es zumindest keinen Spaß mehr macht.

Bild: Andrey Yurlov / Shutterstock.com160216_VDI_DT_Kampagne_702x363px-V1

Optische Systeme: Das Fundament vieler Assistenzsysteme im KFZ
Mit Kameras, Lasern und anderen optischen Systemen wird das Fahrzeugumfeld erfasst. Die Messdaten dieser Systeme werden für die unterschiedlichsten Assistenzsysteme ausgewertet. Der Regensensor war erst der Anfang. Rückfahrkameras, Spurassistenten. Kollisionswarner, Nachtsichtunterstützung und die Erkennung von Straßenschildern können heute bei vielen Neuwagen mit bestellt werden. Viele dieser Systeme steigern nicht nur den Komfort, sondern auch die Sicherheit – und das nicht nur für die Menschen im Fahrzeug, sondern für die anderen Verkehrsteilnehmer.

Intelligente Scheinwerfer
Abblendlicht – Fernlicht: Der Unterschied wird jedem in der Fahrschule eingetrichtert. So angenehm das Fernlicht für den, der es benutzt ist, so störend ist es für alle, die davon geblendet werden. Drum kann man es bei dem dichten Verkehr auf unseren Straßen praktisch nur ganz selten zum Einsatz bringen. Da wäre es doch eine tolle Idee, wenn das Fernlicht nur da lokal abblendet, wo es jemanden stören kann, oder? Bevor Sie sich nun den Beamer beim Nachbarn ausleihen und Vorversuche für die nächste Erfindermesse starten: Auf die Idee, die Scheinwerfer nicht komplett an- oder aus zu schalten, sondern passend zur Situation nur in einem Teil des ausgeleuchteten Felds, sind schon andere gekommen. Situationsadaptive Beleuchtung nennt man das, und die gibt’s auch schon zu kaufen. Überrascht es noch jemanden, wenn ich erwähne, dass auch Gefahrenquellen (querende Menschen, …) von besonders intelligenten Autos heller angeleuchtet werden, um die Aufmerksamkeit des Fahrers darauf zu lenken?

Vom Assistenzsystem zum autonomen Fahren
Die Besitzer von Fahrzeugen mit modernen Assistenzsystemen erzählen oft davon, wie angenehm und entlastend das Fahren damit ist, und wie groß die Umstellung ist, wenn sie beispielsweise bei einem Leihwagen darauf verzichten müssen. Das zeigt, dass diese Systeme ihren Job gut und richtig machen. Je leistungsfähiger die Systeme werden, umso kleiner wird der Schritt, den Fahrern ein Fahrmanöver nicht nur nahezulegen, sondern dieses tatsächlich auch automatisch durchzuführen. Damit ist die Reaktion auf jeden Fall schneller, als ein Mensch reagieren könnte. Situationsbedingt übernehmen manche Autos schon heute das Steuer. Der Übergang vom Assistenzsystem zum teilautonomen System hin zum völlig autonomen Fahren ist einer ohne klare Grenzen zwischen den Zwischenschritten! Je leistungsfähiger die Assistenzsysteme werden, desto näher rückt die Möglichkeit, Fahrzeuge auf belebten Straßen selbst fahren zu lassen, echte Automobile zur bauen: „Auto“ und „mobil“ haben griechisch-lateinischen Ursprung und bedeuten „selbst bewegen“!

Fahren im Nebel bald keine Autos mehr?
Ohne Licht fährt bald kein Auto mehr. So lautet – etwas provokativ – der Titel dieses Beitrags. Nun könnte man zurückfragen: Und was ist nachts? Oder bei Nebel? Und wenn alles zugeschneit ist? Natürlich verlassen sich die Assistenzsysteme nicht auf optische Sensoren allein. Es wird alles an Sensorik (wie beispielsweise Radar) eingesetzt, was nützlich ist. Für echtes autonomes Fahren werden auch noch GPS-Informationen und hochpräzise Karten ausgewertet. Und zukünftig wenden die Fahrzeuge voraussichtlich auch noch miteinander und womöglich mit der Infrastruktur kommunizieren: Wenn die Ampel den Autos davor mitteilt, dass sie 10 Sekunden rot wird, und das eigene Auto weiß, wie viele Fahrzeuge noch vor ihm Richtung Ampel unterwegs sind, kann es sich ausrechnen, ob es die Grünphase noch schafft, oder ob es schon, langsam auszurollen. Es sei denn, hinter dem eigenen KFZ ist ein anders Fahrzeug, das vor der Ampel noch abbiegen möchte. Dessen Fahrt behindert es, klug und bestens informiert, wie es ist, durch das langsame Ausrollen natürlich nicht…

Optische Technologien in der Fahrzeugtechnik – Von Experten für Experten
Am 11. und 12. Mai 2016 findet eine VDI-Tagung in Karlsruhe statt, auf der neuste Entwicklungen von den „Machern“ persönlich der Fachwelt vorgestellt werden. Auf www.vdi.de/ot-auto gibt‘s alle Details dazu.

Erik MarquardtAutor: Dr. Erik Marquardt
Aufgabe im VDI: Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik, Fachbereich Optische Technologien

 

 

6065 motiv-digitale-transformation-1

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*