15 Jahre Bologna

Praxisorientierung der Ingenieure: Stärke und ausbaufähig zugleich

Eine Besonderheit der deutschen Ingenieurausbildung ist ihre starke Ausrichtung an die Anforderungen in der industriellen Praxis. Unsere Befragung hat herausgefunden: Diese Stärke ist auch durch die Bologna Reform erhalten geblieben. Sie kann und sollte aber noch weiter ausgebaut werden.

6022 Bild Wordcloud_15 Jahre Bologna_Blog_702x363px_mit Logos

Verschränkung zwischen Hochschulen und Unternehmen
Die Ingenieurwissenschaften an den deutschen Hochschulen sind  – im Vergleich zu vielen anderen Ländern – durch eine hohe Praxisorientierung und Nähe zu den Unternehmen geprägt. Studierende absolvieren Praxisphasen in den Unternehmen, Promotionen finden umsetzungsnah in Industrieprojekten statt, die Forschung ist anwendungsbezogen und findet häufig mit Industriepartnern statt, und – nicht zuletzt – Professoren werden aus der Industrie an die Hochschulen berufen . Dadurch arbeiten die Hochschulen praxisnah und kennen die Bedürfnisse der Wirtschaft in Lehre und Forschung.

Praxisorientierung: vorhanden aber noch ausbaufähig
Wie unsere Stakeholder-Befragung zu 15 Jahren Bologna Reform zeigt, ist dieses besondere Charakteristikum der Ingenieurwissenschaften nach Umsetzung der Reform erhalten geblieben:

  • 70 Prozent der Studierenden haben während ihres Studiums eine Praxisphase in einem Unternehmen absolviert und bewerten dessen Effekte positiv.
  • Die Studierenden geben an, dass die Lehrveranstaltungen mehrheitlich einen guten oder sehr guten Praxisbezug haben. Fachhochschulen schneiden hier allerdings deutlich besser ab als Universitäten.
  • Trotzdem gibt es aus Sicht der Unternehmen und Absolventen noch Verbesserungsbedarf bei der Praxisorientierung: 40 Prozent der Bachelor-Absolventen vermissen Praxiskenntnisse und gar 43 Prozent der Unternehmensvertreter sehen das so.
  • Der Nachholbedarf ist im universitären Bachelorstudium höher als der beim FH-Bachelor.

Als Fazit bleibt: Die Praxisorientierung in den Ingenieurstudiengängen ist nach wie vor hoch. Trotzdem kann und sollte diese weiter ausgebaut und gestärkt werden. Sie erleichtert den Übergang vom Studium in den Beruf, kommt den maßgeblichen Einstellungskriterien der Unternehmen entgegen und verkürzt die Einarbeitungszeiten in der Praxis. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.

Weitere Ergebnisse unserer Studie zur Bologna Reform werden wir am 17. März im Rahmen eines Symposiums „15 Jahre Bologna – Quo vadis Ingenieurausbildung?“ mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Hochschulen in Berlin erstmals präsentieren und diskutieren. Sie dürfen gespannt sein!
Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter http://www.vdi.de/bologna

Portraitfoto_weber_thiloAutor: Thilo Weber
Referent für Bildungspolitik
Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*