Ingenieurgeschichten: Claudia Süssemilch

Wasserdesinfektion mit der Kraft der Sonne

Für uns ist sauberes Trinkwasser eine Selbstverständlichkeit. Aber besonders in ärmeren Ländern führt verunreinigtes Wasser noch heute zu Krankheiten. So zum Beispiel auch in dem afrikanischen Staat Tansania. Um diesem Missstand ein Ende zu setzen, hat Claudia Süssemilch, Protagonistin unserer neuen Ingenieurgeschichte, eine Anlage zur Wasseraufbereitung entwickelt, die einzig die Kraft der Sonne benötigt, um Bakterien und Verunreinigen aus dem flüssigen Gut zu entfernen. Im Interview erzählt die junge Chemieingenieurin, wie sie auf die Idee kam und was sie jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren rät, die mit ihrem Handeln die Welt ein kleines Stück besser machen wollen.

Bild: VDI / Fabian StürtzVDI-Ingenieurgeschichten_Suessemilch_702x363

Bitte stelle Dich kurz vor.
Mein Name ist Claudia Süssemilch, ich bin 30 Jahre jung und habe Chemieingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Angewandte Chemie an der Fachhochschule Münster studiert. Inzwischen arbeite ich als Projektleiterin bei der Tailorlux GmbH in Münster und bin verantwortlich für die Entwicklung und den Vertrieb von lumineszierenden anorganischen Materialien. In meiner Freizeit bin ich Gruppenleiterin einer Jugendgruppe bei den St. Georg Pfadfindern. Außerdem bin ich Mitglied bei Ingenieure ohne Grenzen und dort in der Regionalgruppe Münster für die Betreuung der Neumitglieder zuständig.

Du hast dich auf die Chemie spezialisiert. Wie kam es dazu?
Bereits während des Abiturs habe ich mich für Naturwissenschaften und insbesondere für die Chemie der Elemente interessiert. Während meiner Ausbildung zur Chemielaborantin hatte ich besondere Freude daran, Materialien zu analysieren und zu entwickeln. Um mein Wissen in der Chemie zu vertiefen, entschied ich mich nach der Ausbildung zu einem Studium des Chemieingenieurwesens.

Was bedeutet es für Dich, Ingenieurin zu sein?
Durch meine Tätigkeit als Ingenieurin habe ich die Möglichkeit, Materialien zu entwickeln und zu verbessern, welche Menschen das Leben erleichtern können. Dabei macht es mir Spaß den Weg eines neuen Materials – angefangen von der ersten Idee bis hin zum fertigen Produkt – zu begleiten.

Deine Ingenieurgeschichte dreht sich um eine Anlage zur Wasseraufbereitung in Tansania. Wie ist die Idee entstanden?Bild: VDI / Fabian Stürtz02_Unterseite
Da die öffentliche Wasserversorgung in der tansanischen Küstenstadt Mtwara nicht durchgängig gewährleistet war, errichtete die Regionalgruppe Münsterland der Ingenieure ohne Grenzen 2012 eine Zisterne zur Wasserspeicherung für ein Studentenwohnheim auf dem Gelände der Missionsbenediktinerinnen zu Tutzing.

Aufgrund langer Standzeiten des gespeicherten Wassers und der vorherrschenden klimatischen Bedingungen tritt jedoch ein verstärktes Bakterienwachstum auf. Besondere Probleme verursacht dabei die Bildung von coliformen Keimen. Ein gefahrloser Gebrauch des gespeicherten Wasser war aus diesem Grund nicht gewährleistet. Insbesondere Durchfallerkrankungen sind eine „waterborne desease“ und kosten jährlich viele Millionen Menschen das Leben. Zur Verringerung der Folgen von verschmutztem Wasser ist eine effektive Desinfektion des Nutzwassers notwendig, um Infektionen mit Viren, Bakterien oder mehrzelligen Parasiten zu verringern.

Während einer Erkundung vor Ort habe ich das dortige Wasser getestet und einen ersten Eindruck bekommen. Anschließend habe ich in Deutschland eine Anlage entwickelt, die auf der Wirkungsweise der photokatalytischen Wasserdesinfektion mit Titandioxid, als Katalysator, und Sonnenlicht basiert.

Die Anlage hast du für die Organisation Ingenieure ohne Grenzen entwickelt. Wie bist Du daran gekommen und wieso hilfst Du dort mit?
Auf Ingenieure ohne Grenzen bin ich durch Gespräche mit anderen Kommilitonen aufmerksam geworden. Dann habe ich die Regionalgruppe in Münster einfach mal besucht und bin dort seit 2013 Mitglied. Ich helfe bei Ingenieure ohne Grenzen, um Menschen, die in ärmeren Regionen dieser Welt leben, wenigstens mit einem Teil unseres Wohlstandes zu unterstützen.

Was rätst Du jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren, die die Welt mit ihrem Handeln ein bisschen besser machen möchten?
Jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren kann ich nur raten, sehr viel Durchhaltevermögen mitzubringen. Öffentlich Gelder und Drittmittel zu organisieren kann eine frustrierende und nervenzehrende Angelegenheit sein. Es ist wichtig, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und auch schon kleine Erfolge wertzuschätzen. Zudem sollte man ein bisschen Improvisationstalent mitbringen, da es häufig nicht einmal Strom oder fließendes Wasser gibt, was die Umsetzung des angestrebten Ziels nicht einfacher macht.

Ihr könnt mit dem Thema Ingenieurgeschichten nicht so recht etwas anfangen? Kein Problem, wir klären auf: „Was sind eigentlich die VDI Ingenieurgeschichten?“

philipp-busse-foto.256x256Das Interview führte: Philipp Busse
Position im VDI: Junior Pressereferent
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

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