Aktuelle Studie

15 Jahre Bologna-Reform: Was fordert der VDI?

In einer gemeinsam mit dem VDMA und der Stiftung Mercator durchgeführten Studie untersucht der VDI die Auswirkungen der Bologna-Reform auf die Ingenieurausbildung. Die Ergebnisse stellen wir diese Woche in Berlin vor.

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Mit der Unterzeichnung der „Bologna-Erklärung“ im Jahr 1999 gaben die europäischen Bildungsminister den Startschuss für eine grundlegende Reform des Hochschulsystems. Mit dieser Reform waren drei Ziele verbunden:

  • Die Erleichterung der Mobilität von Studierenden
  • Die Schaffung eines berufsqualifizierenden Abschlusses nach drei Jahren Studium
  • Die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hochschulen und ihrer Absolventen

Bin ich nach meinem Studium Ingenieur?
Im Zuge der Bologna-Reform wurde auch der akademische Titel des Dipl.-Ingenieurs abgeschafft. Zudem haben die Hochschulen ihre neu erworbenen Freiheiten in der Konzeption von Studiengängen dazu genutzt, eine Vielzahl sehr spezialisierter Bachelor-Studiengänge zu schaffen. Beides hat zu Verwirrung geführt. Unsere Studie zeigt: Ein Viertel aller Ingenieurstudierenden wissen nicht mehr, dass sie sich in einem Ingenieurstudiengang befinden. Wer weiß denn schon, dass z.B. die Fächer „Dentaltechnologie“ oder „Hörakustik“ gemäß Fächerklassifikation zu den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen gehören?

Zurück zu einem einheitlichen akademischen Grad
Der VDI fordert daher die Einführung eines einheitlichen Grades „Bachelor of Engineering“ und „Master of Engineering“ oder „Master of Science in Engineering“. Damit würde wieder Transparenz darüber geschaffen, welche Studiengänge ingenieurwissenschaftliche sind. Bis es hoffentlich zur Einführung des einheitlichen Grades kommt, stehen die Hochschulen in der Verantwortung, Studieninteressierte noch besser darüber aufzuklären, dass sie mit ihrem jeweiligen Studiengang einen Ingenieurabschluss anstreben.

Auslandserfahrung wird noch immer unterschätzt
In einem Europa der offenen Grenzen und einer global vernetzten Wirtschaft wird der Wert von Auslandserfahrung – sei es in Form eines Studienaufenthalts oder in Form eines Praktikums – für die persönliche Horizonterweiterung und einen erfolgreichen Karriereverlauf noch immer unterschätzt. Das zeigen unsere Studienergebnisse, die uns überrascht haben: Nur 20 Prozent der befragten Ingenieurstudierenden haben während ihres Studiums Auslandserfahrung gesammelt. Und interessanterweise ist nur für 13 Prozent der von uns befragten Führungskräfte Auslandserfahrung ein wichtiges Einstellungskriterium. Dabei werden Ingenieurinnen und Ingenieure häufig an Standorten im Ausland eingesetzt oder arbeiten schon heute in international zusammengesetzten Teams. Nach Auffassung des VDI muss die Bedeutung von Auslandserfahrung stärker in das Bewusstsein der Studierenden wie auch der Führungskräfte in den Unternehmen gerückt werden.

Curriculare Mobilitätsfenster einrichten – Leistungen besser anerkennen
Der VDI plädiert daher dafür, dass die Hochschulen weiterhin an der Umsetzung eines der zentralen Ziele der Bologna-Reform arbeiten, nämlich die Mobilität der Studierenden zu erhöhen. Dafür sollten sie curriculare Mobilitätsfenster schaffen und den Gang der Studenten ins Ausland noch stärker fördern und im Ausland erworbene Leistungen besser anerkennen. Im besten Fall wird der Gang ins Ausland von den Hochschulen sogar incentiviert.

Bachelorabsolventen noch besser auf den Arbeitsmarkt vorbereiten
Ist der Bachelor ein berufsbefähigender Abschluss? Mit Sicherheit, ja! Dennoch liegen die Bachelorabsolventen, insbesondere die der Universitäten, bei den Kompetenzen hinter den Erwartungen der Fach- und Führungskräfte zurück. Es fehle an praxisrelevantem Methodenwissen. Die Wirtschaft kritisiert zudem die zu frühe Spezialisierung der Bachelorstudierenden. Die Ausbildung zum Ingenieur müsse zunächst möglichst generalistisch sein. Aber auch das Interesse der Bachelorstudierenden, nach drei Jahren erste Berufserfahrungen zu sammeln, ist gering: 71 Prozent streben direkt nach Erwerb ihres Bachelors ein Masterstudium an. Der VDI fordert daher, die Berufsqualifizierung der Bachelorstudierenden weiter zu stärken, indem insbesondere an Universitäten mehr praxisrelevantes Methodenwissen vermittelt wird, ohne jedoch den wissenschaftlichen Charakter des Studiums zu gefährden.

Die Ergebnisse der Studie „15 Jahre Bologna-Refom: Quo vadis Ingenieurausbildung?“ und die Forderungen des VDI für eine zukunftsorientierte Ingenieurausbildung werden wir heute Abend in Berlin gemeinsam mit Stakeholdern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren. Auf Twitter könnt Ihr die Diskussion unter @VDI_News und @VDI_Politik sowie unter dem Hashtag #BolognaReform live mitverfolgen. Weitere Informationen unter http://www.vdi.de/bologna.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI:
Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

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