15 Jahre Bologna-Reform – aktuelle Studie

Auslandserfahrung wird unterschätzt

Deutschland war noch nie so attraktiv für ausländische Studierende wie heute. Den größten Anteil daran haben die Ingenieurwissenschaften (27 Prozent). Das bestätigt den nach wie vor weltweit exzellenten Ruf der deutschen Ingenieurausbildung. Dennoch haben deutsche Studierende in Sachen Auslandsaufenthalte noch Nachholbedarf.

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In ihrer „Strategie für die Internationalisierung der Hochschulen in Deutschland“ vom April 2012 nannten die Wissenschaftsminister/-innen von Bund und Ländern die Steigerung der Auslandsmobilität der Studierenden in Deutschland als ein zentrales Handlungsfeld. Bis 2020 sollen 50 % der Absolventinnen und Absolventen an deutschen Hochschulen studienbezogene Auslandserfahrung gesammelt und ein Drittel der Graduierten mindestens drei Monate im Ausland verbracht und/oder 15 ECTS-Punkte im Ausland erworben haben (Gemeinsame Wissenschaftskonferenz 2013, S. 6–7).

Aber unsere Studienergebnisse zeigen: Nur jeder 5. der befragten Studierenden hat sich bisher im Zusammenhang mit dem Studium im Ausland aufgehalten und ebenso wenige beabsichtigten noch einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt.

Häufigste Hinderungsgründe

  •  erwartete Verlängerung des Studiums (39 Prozent)
  • erwartete finanzielle Mehrbelastung (38 Prozent)
  • hoher Zeitaufwand (29 Prozent)
  • Trennung von Familie/Freunden (28 Prozent)

Warum ins Ausland?
Die globale Vernetzung wird weiter zunehmen und Ingenieure werden zukünftig immer häufiger in internationalen Teams arbeiten oder Stationen im Ausland verbringen. Die Exportnation Deutschland braucht daher international erfahrene Ingenieurabsolventen. Fach-/ und Führungskräfte und Studierende unterschätzen aber die Bedeutung von Auslandserfahrung, die nur bei 13 Prozent der Personaler als wichtiges Einstellungskriterium zählt.

Was Hochschulen und Unternehmen dafür tun können:
Die Hochschulen könnten mit curricularen Mobilitätsfenster und einem Ausbau der Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung die Auslandsaufenthalte erleichtern. Unternehmen ihrerseits sollten ausreichend Auslandspraktika anbieten.

Unser Fazit: Aus der Sicht des VDI zeigt die Studie, dass sowohl Studierende als auch Führungskräfte den Nutzen und die Wichtigkeit eines Auslandaufenthalts unterschätzen. Möglichst viele der in Deutschland ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieure sollten im Rahmen des Studiums auch einen Auslandsaufenthalt in Form eines Studiensemesters oder Praktikums absolvieren. Hochschulen und Unternehmen müssen die Studierenden dabei unterstützen und diese Erfahrungen anerkennen.

Weitere Ergebnisse der für Deutschland ersten Befragung dieser Art finden Sie in der Studie „15 Jahre Bologna-Reform – Quo vadis Ingenieurausbildung?“, die am 17. März 2016 in Berlin vorgestellt und diskutiert wird.

Alle Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter www.vdi.de/bologna.

Kathrin Sevink_BGAutorin: Kathrin Sevink
Aufgabe beim VDI: Themen zur Ingenieurausbildung

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