Energieversorgung

Heiztechnik: Wie wähle ich das „richtige“ System?

Fossile oder regenerative Energien? Vielleicht doch eher Fernwärme? Welche Heiztechnik passt zu welchem Gebäude? Das sind Fragen, die wir in diesem Beitrag klären.

Bild: SCHAU.MEDIA / pixelio.deBlockheizkraftwerk

Bei Neubauten wie bei bestehenden Gebäuden stellt sich in Bezug auf die Energieversorgung die brennende Frage, welche Heiztechnik soll künftig genutzt werden? Sinnvoll kann bespielweise eine Kombinationen aus regenerativen und fossilen Energieträgern oder die Nutzung von Fernwärme sein. Unsere Richtlinie VDI 6012 Blatt 1.2 stellt hier eine Methodik zur Verfügung, mit der anhand eines Vergleichs der unterschiedlichen Technologien und deren Kombinationsmöglichkeiten eine Bewertung vorgenommen werden kann. Dabei werden die folgenden Schritte vollzogen.

Überprüfung der Ressourcen am Standort
Nicht für jedes Gebäude und an jedem Standort kommen die gleichen technologischen Lösungen der Heiztechnik in Frage. Insbesondere für regenerative Energieträger gibt es Randbedingungen – z.B. müssen ausreichend Sonnenlicht oder Wind vorhanden sein. Aber auch beim Einsatz fossiler Energiestoffe ist zunächst zu prüfen, welche Energieformen am Standort zur Verfügung stehen.

Technologieauswahl
Bild: Thomas Ernsting /LAIFSolar_ErnstingUnter Berücksichtigung von bestimmten Ausschlusskriterien – wie z.B. standortbezogenen baurechtlichen Vorgaben – sowie der Verfügbarkeit von fossilen und regenerativen Energien am Standort und in Abhängigkeit von der Gebäudenutzung, können Fachleute einen Vorschlag zur Deckung des Energiebedarfs machen. Vergleicht man ein Wohngebäude mit einem Bürogebäude, wird deutlich, dass beispielsweise der Energiebedarf für warmes Wasser sehr unterschiedlich hoch ist. Werden für Wohngebäude häufig Solarthermieanlagen zur Erwärmung des Wassers empfohlen, ist in Bürogebäuden dagegen eine dezentrale, elektrische Wassererwärmung wirtschaftlicher. Große Dachflächen auf Bürogebäuden können hier besser für die solare Energiegewinnung mit Fotovoltaik-Anlagen genutzt werden.

Entscheidung für eine Heiztechnik
Die Wirtschaftlichkeit muss über den gesamten Lebenszyklus der Anlage beurteilt werden. Sollen mehrere dezentrale Systeme im Gebäude betrieben werden, ist in der Regel eine höhere Investition erforderlich. Diese kann sich jedoch über die Nutzungsdauer rechnen. Bei Wohngebäuden, in denen die Investitions- und Nutzungskosten auf unterschiedliche Parteien verteilt sind, ist diese Umsetzung entsprechend wenig verbreitet.

Fazit
Die Auswahl des individuell „richtigen“ Energiebereitstellungssystems ist oftmals schwierig und nicht immer eindeutig zu beantworten. Die beigefügten Arbeitsblätter unserer bereits erwähnen Richtlinie VDI 6012 erlauben jedoch einen Vergleich der möglichen Systeme und Systemkombinationen und helfen bei der Entscheidungsfindung.

Wie ein Ingenieur nicht nur die Heiztechnik, sondern ganze Häuser für die Energiewende fit macht, zeigen wir Euch in unserer aktuellen Ingenieurgeschichte. Ihr könnt mit dem Thema Ingenieurgeschichten nicht so recht etwas anfangen? Kein Problem, wir klären auf: „Was sind eigentlich die VDI Ingenieurgeschichten?“

Frank Jansen_TW2

Autor: Frank Jansen
Position im VDI: Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (VDI-GBG), Betreuer Fachbereich Bautechnik.

Kommentare & Pingbacks

3 Gedanken zu “Heiztechnik: Wie wähle ich das „richtige“ System?

  1. Danke für den Artikel. Wie kann ich die Richtlinie VDI 6012 Blatt 1.2 einsehen/lesen (als VDI-Mitglied hoffentlich ohne zusätzliche Kosten)?

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