Falsche Erwartungen und mangelnder Praxisbezug

Mangelnde Studienorientierung Grund für viele Studienabbrüche?

Schon seit Jahren ist die Studienabbruchquote von Ingenieurstudierenden überdurchschnittlich hoch. Insbesondere an Universitäten beenden Studierende der technischen Fächer ihr Studium häufig ohne Abschluss, 2010 war dies sogar bei fast jedem Zweiten der Fall (48%). Seitdem sind die Abbrecher in den Bachelorstudiengängen der Universitäten zwar deutlich weniger geworden, an den Fachhochschulen sind es dafür aber gleichbleibend viele. Auffallend sind zudem die hohen Abbruchquoten von internationalen Studierenden und von Studierenden mit Migrationshintergrund.

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Studierende wünschen sich mehr Praxisbezug
Unter den vom VDI befragten Studierenden denkt zwar nur ein kleinerer Teil über einen Fachwechsel oder einen kompletten Ausstieg aus dem Studium nach, interessant sind aber die genannten Gründe. Die vier am häufigsten genannten sind:

  • fehlender Berufs- und Praxisbezug des Studiums (43%)
  • mangelhafte Organisation des Studiums (38%)
  • Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit (35%)
  • falsche Erwartungen in Bezug auf das Studium (33%)

Der Hinweis auf einen fehlenden Praxisbezug des Studiums bestätigt die Aussagen von Absolventen und Unternehmensvertretern, dass viele Berufseinsteiger zu wenige Praxiskenntnissen mitbringen. Auch der Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit vieler Befragter deutet in diese Richtung. Die Praxisorientierung des ingenieurwissenschaftlichen Studiums ist also weiterhin ausbaufähig und könnte mehr Studierende bei der Stange halten.

Ausbildungsentscheidung wird nicht ausreichend vorbereitet
Der Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit und die falschen Erwartungen in Bezug auf das Studium deuten aber auch darauf hin, dass viele Studierende eine falsche oder schlecht vorbereitete Ausbildungsentscheidung treffen. Möglicherweise wären manche Studierenden, die hier geantwortet haben, in einer Berufsausbildung besser aufgehoben. Es mangelt offenbar nach wie vor an einer adäquaten Berufs- und Studienorientierung. Dies sind kritische Ergebnisse, wenn man bedenkt, dass inzwischen über 50% eines Jahrgangs studieren, dafür aber zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Für manche Studienanfänger wird das begonnene Studium nur ein Umweg in die Berufsausbildung sein. Mit ihrem TalentKolleg Ruhr setzt sich die Stiftung Mercator seit 2014 für eine qualifizierte Orientierung und Qualifizierung am Übergang zwischen Schule und Hochschule bzw. Berufsausbildung ein. Offenbar besteht in diesem Feld weiterhin Handlungsbedarf.

Weitere Ergebnisse unserer Studie zur Bologna Reform werden wir am 17. März im Rahmen eines Symposiums „15 Jahre Bologna – Quo vadis Ingenieurausbildung?“ mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Hochschulen in Berlin erstmals präsentieren und diskutieren. Sie dürfen gespannt sein!
Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter http://www.vdi.de/bologna.

dickhaut-120x175px-2008_01Autorin: Larissa Dickhaut
Projektmanagerin Wissenschaft bei der Stiftung Mercator

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