Im Interview André Paetzel

Was ist eigentlich Innovationsmanagement?

Immer wieder wabert das Buzzword Innovationsmanagement an uns vorbei. Aber was ist das genau und wie funktioniert es? Klar, unter einer Innovation können wir uns etwas vorstellen. Aber wie managt man diese? Das beantwortet uns André Paetzel, Leiter Digitale Markenführung bei der Agentur AKOM360 und Dozent für Innovationsmanagement.

Hallo André, du beschäftigst dich viel mit dem Thema digitale Markenführung und bist als Dozent an der Uni St. Gallen im Bereich Innovationsmanagement tätig.
Was genau ist eigentlich Innovationsmanagement?
Bild: André PaetzelAndré PaetzelFür mich ist Innovationsmanagement ein nachhaltiger Prozess, der aus unterschiedlichen Bausteinen entsteht. Hier geht es um die Planung, Steuerung und Kontrolle von Innovationen in Unternehmen oder Organisationen. Ein klarer Fokus wird beim Innovationsmanagement vor allem auf die operative Umsetzung, bzw. den Integrationsprozess des „Neuen“ gelegt. Daher ist Innovation für mich auch kein Zustand des Übergangs, sondern permanent.

Innovation entsteht durch konstruktive Dynamik. Und konstruktive Dynamik besteht aus Empathie, Inspiration und Bedeutsamkeit.

Bild: Alexa Paetzel // Freies Designa
Der ganzheitliche Prozess setzt sich aus dem Inspirations-, dem Innovations-, und dem Integrationsprozess zusammen.

Welche Faktoren sind deiner Meinung nach wichtig, um ein erfolgreiches Innovationsmanagement zu betreiben?
„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, sagte schon Albert Einstein. Um also Innovationen zu entwickeln, braucht es neue Denkwege. Für mich spielen dabei die folgenden fünf Faktoren eine wichtige Rolle:

1. Orientierung
Für die, die Innovationsmanagement betreiben, braucht es ein Ziel. Manche sagen auch gerne Mission.

2. Eigeninitiative
Eine spürbare Neugierde ist sicherlich von Vorteil. Konstruktive Dynamik kann meiner Meinung nach nur entstehen, wenn man auch bereit ist, über den Tellerrand zu blicken.

3. Kommunikation
Der Austausch untereinander ist unabdingbar. Erst durch die Kombination unterschiedlicher Ansätze entstehen neue Ideen und Möglichkeiten.

4. Abwechslung
Neue Eindrücke, sich verändernde Strukturen und neue Herausforderungen fördern den Inspirationsprozess.

5. Serendipität
Die Zeit für unbeabsichtigte Genialität sollte jedem gegeben werden. 3M hat dafür zum Beispiel die 15-Prozent-Regel eingeführt. Das Prinzip ist, dass sich Mitarbeiter mit Ideen beschäftigen können und das genau 15 Prozent ihrer Arbeitszeit.

Wie wird aus einer Innovation ein fertiges Produkt bzw. eine Dienstleitung?
Wenn über den Gesamtprozess hinweg der Fokus nicht verloren geht und die unterschiedlichen Gewerke ineinandergreifen. Man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass es oftmals gar nicht die erste Idee ist, die es nachher in die Umsetzung schafft.

Nehmen wir das Beispiel Nespresso: Am Anfang der allseits bekannten Kaffeemaschine stand nur das geschützte Patent der Kapseln (welches mittlerweile abgelaufen ist).

Bild: Alexander Osterwalderaa

Erst im Innovationsprozess ist all das entstanden, was man heute kennt. Die Entwicklung des gesamten Prozesses ist schön in dem Business-Model-Canvas von Alexander Osterwalder abgebildet.

Wie rentiert sich das Innovationsmanagement für Unternehmen?
Der ökonomische Mehrwert einer Innovation sollte nicht verloren gehen. Aber am Ende können nur die Unternehmen selber entscheiden, was sie als ökonomischen Mehrwert definieren. Wenn man die vorab definierten Ziele erreicht hat, ist man schon einmal auf einem guten Weg.

Wie sich Digitalisierung und Industrie 4.0 auf das Innovationsmanagement eines der größten Chemiekonzerne weltweit auswirken und was eine junge Ingenieurin damit zu tun, erfahrt Ihr in unserer neuesten Ingenieurgeschichte. Im Interview erzählt die junge spanische Protagonistin der Ingenieurgeschichte, wie sie aus der BASF die Fabrik der Zukunft baut. Wie der Drehtag einer Ingenieurgeschichte aussieht, haben wir für Euch einmal zusammengefasst. Ihr könnt mit dem Thema Ingenieurgeschichten nicht so recht etwas anfangen? Kein Problem, wir klären auf: „Was sind eigentlich die VDI Ingenieurgeschichten?

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Das Interview führte: Philipp Busse
Position im VDI: Junior Pressereferent
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

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Ein Gedanke zu “Was ist eigentlich Innovationsmanagement?

  1. Ein interessanter Beitrag, der hervorragend zu unseren Netzwerkaktivitäten im Ideen- und Innovationsmanagement in der Interessengemeinschaft Zentrum Ideenmanagement (ZI) und der Fachgruppe InnovationsNetzWerk passt. Bereits im Verbundprojekt „Kreativität und Innovation im demografischen Wandel“ haben wir über das KrIDe-Wissensportal http://dynalias/ideennetz.org/kride hinaus Grundlagen erarbeitet, die die Akzeptanz für Verbesserungen und Innovationen sowie damit die Innovationsfitness erhöhen. Ich würde mich über einen erweiterten IdeenDialog hier oder in Netzwerken über Social Media hinaus fortsetzten.
    Siehe z.B. auch http://www.mynewsdesk.com/de/ideennetz/news/1-2-3-effizienter-und-effektiver-welche-ideenmanagement-variante-passt-am-besten-130695 und den Hinweis auf die „INQA-Potenzialberatung, von der Idee zur Innovation mit exzellentem Ideenmanagement“

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