#Road to Rio

Sportart Rollstuhlsprint (1): Rollstuhl, Regeln, Rennfahrer

Der Wille, sich im Training quälen zu können, der Mut, Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 36 km/h zu fahren und der Wunsch, sich mit Technik auseinanderzusetzen: die Sportart Rollstuhlsprint ist nicht alltäglich. Wir haben bei Rollstuhlsprinter Marc Schuh und Marion Peters, Co-Trainerin der paralympischen Nationalmannschaft und Abteilungsleiterin Leichtathletik beim Deutschen Behindertensportverband, nachgefragt, was die Sportart ausmacht. Im ersten Teil geht es um die Disziplinen, die Athleten und ihre Rollstühle.

Bild: Werner Schuh160210_VDI_WW_Olympia_702x363_Schuh_Rennrollstuhl1

Die Disziplinen:
Beim Rennrollstuhlfahren gibt es dieselben Kurz/-Mittel- und Langstrecken wie bei den olympischen Laufdisziplinen. Sprint (100m, 200m, 400m), Mittelstrecke (800m, 1500m, 5000m) und Langstrecke (10.000m, Marathon).
Bei Marc Schuh, momentan der einzige deutsche Leistungsfahrer auf Paralympics-Niveau in den Disziplinen 100m und 400m, liegen die Bestzeiten bei 14.09 s ( 100m), 24.57 s (200m) und 45.40 s (400m).

Die Athleten:
In Deutschland sind schätzungsweise 50 bis 60 Athleten unterschiedlicher Altersklassen und auf unterschiedlichen Leistungsniveaus aktiv. Hinzu kommen Schülerinnen und Schüler, die bei den Jugendwettbewerben „Jugendländer Cup“ und „Jugend trainiert für Paralympics“ an den Start gehen, aber noch nicht spezialisiert sind. International sind in 2016 aktuell 16 deutsche Rennrollstuhlfahrer registriert.

Unterschieden werden querschnittgelähmte Schnellfahrer in die Kategorien Rückenmarksschädigungen als Ursache und in Cerebralparetiker Hirnschädigungen als Ursache. „Die Disziplin Rennrollstuhlfahren gibt es außerdem auch als dritte beim Paratriathlon “, erklärt Trainerin Marion Peters, „diese Art von Triathlon wird auch als Grundlagentraining von Sportlern anderer Sportarten betrieben. Umgekehrt nutzen Rennrollstuhlfahrer auch gern das Handbike und zunehmend den Sitzschlitten für ihr Ausdauertraining.“

Der Rollstuhl:
Rollstuhl ist nicht gleich Rollstuhl: Um ihre Sportart optimal ausführen zu können, benötigen die Athleten einen passgenauen und auf Maß angefertigten Rennrollstuhl. „Es sind Sportgeräte, die speziell für die Leichtathletik entwickelt und von acht Herstellern weltweit angefertigt werden werden“, so Marc Schuh. Ein normaler Rollstuhl hat vier Räder und ist meist nur knapp 60 bis 90cm lang. „Der Rennrollstuhl hat drei Räder, die alle deutlich größer sind als am Alltagsstuhl und ist ca. 1.80m lang. Die Sitzposition ist kniend anstatt sitzend. Der Alltagsrollstuhl wird über Greifen angeschoben, während man beim Rennrollstuhl auf den Greifring auf Grund der höheren Geschwindigkeit schlägt“.

Hier geht’s zu Teil 2 über Talent, Training und Teams

Cathrin Becker_2Autorin: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

 

 

Übersicht aller Beiträge im Rahmen unserer Olympia-Reihe:
Gestatten: Marc Schuh, Physiker und Rollstuhlsprinter
Zehn Fakten rund um #Rio2016
Laura Vargas Koch: Medaillenkandidatin und Mathematik-Studentin
Stefan Hähnlein: Sitzvolleyballer auf dem Weg nach #Rio
Ein zweites Leben für die Olympia-Sportstätten
“Eine Mischung aus Technik und Taktik”
Countdown Copacabana: 77 Techniker bereiten sich auf die Paralympics vor
„Sitzvolleyball ist vor allem ein schneller Sport“

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*