Zu Besuch in Flüchtlingsunterkünften

VDIni-Club-Mobil-Aktion für Flüchtlingskinder

Früher waren Flüchtlinge für mich weit weg. Ich sah sie im Fernsehen oder las über sie. Dann kam die Flüchtlingskrise. Haufenweise abgewetzte Schwimmwesten am Ufer im Kos-Urlaub, mehr Berührungspunkte mit Flüchtlingen hatte ich nicht – bis jetzt. Denn das VDIni-Club-Mobil macht bis Anfang Juni jede Woche einen Stopp in Flüchtlingsunterkünften quer durch Düsseldorf. Beim ersten Besuch bin ich dabei. Unser Ziel ist es, die Kinder für Technik zu begeistern. Es geht weniger darum, dass aus ihnen später Ingenieure werden, als vielmehr darum, die Lust am Bauen und Tüfteln zu wecken und sie so kurzzeitig aus Langeweile und Eintönigkeit zu holen.

Bild: VDIni-Club / Angela IndenIMG_2372

Der erste Stopp ist die Wohnunterkunft für Flüchtlinge in Benrath. Auf der Fahrt überlegen meine Kollegen und ich, was uns erwarten könnte. Kinder, die uns nicht verstehen und die vielleicht traumatisiert sind. Die kein Interesse haben am Bauen von Hundehütten aus Ziegeln mit Maismörtel und Helikoptern zum Zusammenschrauben. Ich habe keine Kinder in meinem Umfeld. Schon gar keine, die das gesehen und erlebt haben, was man nur sieht und erlebt, wenn man aus Syrien, dem Irak oder dem Libanon flieht. Von meinem Leben ist das alles weit entfernt.

Ohne es uns bewusst zu machen, gehen wir automatisch davon aus, dass es sich um arme Kinder handelt, die wir besuchen. Doch stimmt das wirklich? Wir wissen nicht, was sie schon einmal alles an Spielzeug besessen und wie und wo sie gewohnt haben. Ob sie Haustiere hatten, die sie zurücklassen mussten, ob sie gut oder schlecht in der Schule waren und was sie später werden möchten.

Die Wohnunterkunft mit einem kleinen Spielplatz steht mitten in einem Wohngebiet. Es ist mit 200 Personen relativ klein. Die Flüchtlinge, die hier leben, haben es erst einmal geschafft. Anders als in den Erstaufnahmeunterkünften haben sie hier in jeweils einem Container ein vorläufiges Zuhause gefunden und ein bisschen Privatsphäre. Die Kinder gehen in den Kindergarten und in die Schule, für die Erwachsenen gibt es Deutschkurse und Bildungsangebote.

Bild: VDIni-Club-Mobil / Angela IndenIMG_2365

Wir kommen mit den Bausätzen, Experimenten und Malsachen im Gepäck an. Die Kinder, es sind so um die 20 bis 25, stürzen an den großen Tisch im Gemeinschaftsraum und warten gespannt, was passiert. Es sind ganz Kleine dabei, aber auch schon ältere Schulkinder. Sie heißen Mahmud, Dolovan oder Razo und können die Bausätze gar nicht schnell genug in die Finger bekommen. Während ich mir noch die Anleitung durchlese, hat Omar neben mir schon den halben Helikopter zusammengeschraubt. Sein kleiner Bruder sitzt stumm und staunend daneben. Er will danach unbedingt die Hundehütte bauen. Beide sprechen kein Deutsch, verstehen aber ein bisschen was. Schnell wird klar: Es geht auch ohne Sprache.

Es macht keinen Unterschied, ob hier heimische Kinder werkeln oder Kinder aus den verschiedensten Ländern. Es eint sie die Neugier. Sie schauen ab, sie probieren aus. Häufig fragen sie, ob sie die fertigen Hundehütten und Helikopter behalten dürfen. Ein Nicken löst pure Freude aus. Die Mädchen und Jungen sind nicht zu stoppen. Manchen bauen den Helikopter gleich zweimal, manche Hundehütte wird so kreativ ausgebaut, dass zwei Hunde reinpassen. Alles wird aufgesaugt und verinnerlicht. Nach anderthalb Stunden lässt die Aufmerksamkeit nach und wir packen zusammen.

Was bleibt mir von dem Zwischenstopp? Die Erkenntnis, dass es gar nicht schlimm war, dass es nichts zu fürchten gibt. Wenn die Kinder keine Berührungsängste haben, flexibel und anpassungsfähig sind und Lernen wollen, dann sollte ich auch so sein können. Auf meinen nächsten Besuch bei den Kindern mit dem VDIni-Club-Mobil in Unterrath freue ich mich schon.

Cathrin Becker_2Autorin: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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