Ingenieurgeschichten

Wie man die Fabrik der Zukunft baut

Die junge spanische Ingenieurin Myriam Suarez, Protagonistin unserer aktuellen Video-Ingenieurgeschichte, arbeitet im Kompetenzzentrum Engineering & Maintenance der BASF in Ludwigshafen. Ihre Aufgaben sind sehr vielseitig. Schwerpunktmäßig kümmert sie sich um Innovationen. Wir haben uns mit ihr abseits des Filmdrehs unterhalten.  Bild: VDI / Fabian Stürtz

 

Noch vor 15 Jahren war es für uns unvorstellbar, durch soziale Netzwerke mit den verschiedensten Menschen auf der ganzen Welt so eng vernetzt zu sein. Nach Ansicht der Ingenieurin steht der Industrie jetzt ein ähnlicher Zeitenwechsel bevor: „In den Industrieanlagen der Zukunft werden alle Komponenten in Echtzeit miteinander kommunizieren.” Das Stichwort lautet Industrie 4.0: die digitale Transformation und Vernetzung der gesamten Industrie. Als Innovation Manager bei BASF koordiniert Myriam Suarez spannende Projekte in diesem Bereich.

Myriam, bitte stelle Dich kurz vor.
Ich bin in Tarragona geboren, ein schöner Küstenort im Nordosten Spaniens. Ich habe zwei Brüder und eine Schwester, und bis zum Alter von 22 Jahren habe ich in meiner Heimatstadt gewohnt. Ich hatte immer einen sehr engen Kontakt zu meiner Familie. Im Jahr 2013 bekam ich die Möglichkeit, als Ingenieurin bei BASF in Ludwigshafen zu arbeiten und seitdem wohne ich in Deutschland. Über das Internet stehe ich immer noch in engem Kontakt mit meiner Familie und kann diese Auslandserfahrung voll genießen.

Du bist Ingenieurin und hast Chemieingenieurwesen studiert. Warum hast Du ausgerechnet diesen Studiengang gewählt?
Chemieingenieure können sich auf verschiedene Bereiche spezialisieren und diese vielfältigen Möglichkeiten waren entscheidend für die Wahl meines Studienfachs. Ich habe mich immer für Chemie interessiert, aber noch spannender finde ich es, industrielle Umwandlungsprozesse zu verstehen, technische Lösungen zu entwickeln und diese schließlich in der Anlage einzusetzen und zu optimieren. Die Realisierung eines Life-Cycle-Konzepts fasziniert mich sehr!

Das ist Myriams Ingenieurgeschichte:

In deiner Ingenieurgeschichte sprichst darüber, dass der Industrie ein ähnlicher Zeitenwechsel bevorsteht, wie vor ca. 15 Jahren unserer Gesellschaft in Bezug auf Kommunikation. Was verstehst Du genau darunter?
Wir stehen vor einem Zeitenwechsel, denn in den Industrieanlagen der Zukunft werden alle Komponenten in Echtzeit miteinander kommunizieren. Dahinter verbirgt sich der Begriff Industrie 4.0, auch Digitale Transformation genannt, welche die gesamte Wertschöpfungskette betrifft. Die Fabrik der Zukunft besteht aus realen Automatisierungskomponenten, die intelligent im Netzwerk kommunizieren und jederzeit adressierbar und identifizierbar sind. Die Digitale Transformation wird oft als die vierte industrielle Revolution bezeichnet, da es um grundlegende Veränderungen geht, die alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens berühren – so wie auch das Internet und die neuen sozialen Netzwerke unser Leben verändert haben.
Trotz der vielen Veränderungen: Auch in Zukunft wird die digitale Fabrik von Menschen geprägt sein. Denn sie sorgen schließlich dafür, dass die Maschinen genau das machen, was sie sollen.

Wie kann die Digitale Transformation unseren Alltag verbessern?
Die Digitale Transformation verändert alles und wird unser Leben auch verbessern. Durch die Digitalisierung können verschiedene neue Technologien integriert, Prozesse vereinfacht und hochindividualisierte Produkte unter den Bedingungen der Massenfertigung hergestellt werden.

Du bist Reisende zwischen den Kulturen. Was machen für Dich die größten Unterschiede zwischen den Arbeitsabläufen in Spanien und denen in Deutschland aus? Hast Du dabei auch schon besonders witzige Erlebnisse gehabt?
Bereits nach wenigen Wochen in Deutschland habe ich festgestellt, dass es doch einige Unterschiede zwischen Deutschen und Spaniern gibt – zum Beispiel bei Besprechungen. Spanier versuchen häufig schon beim ersten Treffen mit Kollegen oder mit einem Kunden, eine persönliche und emotionale Ebene aufzubauen. Für uns ist das Kennenlernen sehr wichtig, um Vertrauen zu schaffen und diese „Nähe“ spiegelt sich auch in der Körper- und Verbalsprache wider. Ein Beispiel dafür ist die Anrede: Spanier duzen sich rasch, in Deutschland bleibt es hingegen länger beim förmlichen „Sie“. An meinem ersten Tag bei BASF in Ludwigshafen habe ich das völlig vergessen und alle meinen Vorgesetzten direkt geduzt. Zum Glück waren alle sehr verständnisvoll und haben mir das nicht übel genommen.

Wie wichtig ist es aus Deiner Sicht für die berufliche Laufbahn auch Erfahrungen im Ausland zu sammeln?
Über Fachkompetenz und technisches Know-how hinaus fordert der heutige Arbeitsmarkt eine ganze Reihe von sozialen Kompetenzen, die sogenannten Soft-Skills (z.B. Kommunikation, Führungsfähigkeit, Kreativität). Da Firmen sich vermehrt international ausrichten, müssen Ingenieure heute vernetzter, internationaler sowie flexibler arbeiten. Ein Auslandaufenthalt ist meiner Meinung nach das beste Seminar, um diese Soft-Skills weiterzuentwickeln. Schließlich erweitert das Arbeiten im Ausland nicht nur den persönlichen Horizont, sondern verbessert auch die interkulturelle Kompetenz und natürlich die eigenen Sprachkenntnisse.

Was rätst Du speziell angehenden Ingenieurinnen für Ihre Laufbahn?
Uns Ingenieurinnen und Ingenieuren bietet sich eine große Vielfalt an spannenden Arbeitsfeldern und genau die sollten wir ausnutzen! Ich finde es in den ersten Arbeitsjahren besonders wichtig, sich fachlich möglichst breit aufzustellen und Berufserfahrung in unterschiedlichen Bereichen zu sammeln. So kann man sich im Anschluss leichter für eine Entwicklungsrichtung entscheiden. Sich keine Grenzen zu setzen, neugierig zu bleiben und flexibel für den Wandel zu sein – das sind für mich wichtige Faktoren, um in einer sich ständig verändernden Technikwelt erfolgreich zu sein.

Die ganze Geschichte über Myriams Arbeit zur Fabrik der Zukunft gibt es hier. Wie u.a. ihr Arbeitgeber, die BASF, mit der Digitalisierung umgeht und welche Herausforderungen sich daraus für Ingenieure ergeben, erklären wir in einem weiteren Blogbeitrag. Wie der Drehtag einer Ingenieurgeschichte aussieht, haben wir für Euch einmal zusammengefasst. Ihr könnt mit dem Thema Ingenieurgeschichten nicht so recht etwas anfangen? Kein Problem, wir klären auf: „Was sind eigentlich die VDI Ingenieurgeschichten?“

Stephan Hasselbach_2Das Interview führte: Stephan Hasselbach
Position im VDI: Marketingreferent

 

 

 

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