Ingenieurgeschichten

Alles begann mit „Houston, we’ve had a Problem“

Der Ingenieur Levent Süre ist für die Instandhaltung von ICE-Zügen zuständig. Er regelt 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr den Boxenstopp der Schnellzüge der Deutschen Bahn. Den Protagonisten unserer aktuellen Ingenieurgeschichten haben wir im Hamburger ICE-Werk besucht und ihm einige Fragen gestellt. Woher sein Interesse am Ingenieureberuf kommt? Apollo-13-Mission. Warum er noch Politiker ist, wie ein typischer Tag in der Instandhaltung aussieht und was er angehenden Ingenieuren rät, lest Ihr hier.

Bild: VDI / Fabian StürtzVDI-Ingenieurgeschichten_Suere_702x363-B

Hallo Levent, bitte stelle dich kurz vor.
Ich bin 30 Jahre jung und komme aus einer großen Familie mit sechs Geschwistern, die aus der Türkei stammt. Wir leben seit 27 Jahren glücklich in Norddeutschland. In meiner Freizeit treibe ich gerne viel Sport und verbringe am liebsten Zeit mit meiner Familie und mit Freunden bei gutem Essen und toller Musik. Ich bin Maschinenbauingenieur und arbeite in Hamburg – der schönsten Stadt der Welt. Daheim in Rastede betreibe ich außerdem Kommunalpolitik. Auch eine supertolle Tätigkeit. Es ist ein Privileg an der Gestaltung der Gemeinde Rastede teilzuhaben und den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort helfen zu können.

Ab wann war dir bewusst, dass du Ingenieur werden willst?
Ich wollte als zehnjähriger Junge wie Thomas Reiter Astronaut werden. Der Begriff Ingenieur war mir als Kind fremd. Ab dem Zeitpunkt als mir die Fragen der einfachen Technik durch den Kopf schossen und ich keine guten Erklärungen dafür hatte, wusste ich, dass ich Ingenieur werden wollte. Besonders hat mich das Interesse an der Raumfahrt für die Technik begeistert. Alles begann mit dem Spruch „Houston, we’ve had a Problem“ auf der Apollo-13-Mission. Dieses Problem wurmte mich so sehr, dass ich selbst überlegt habe, an einer Lösung zu arbeiten. Als ich kurz vor Ende meines Hauptschulabschlusses merkte, dass vor allem Mathematik und Physik ein wichtiger und bedeutender Bestandteil der Ingenieurstätigkeit sind, und meine Neugier und mein Hunger nach mehr Wissen nicht schwanden, wurde mir sehr schnell klar, dass es schulisch weiter gehen musste. Um die physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu verstehen und logische Antworten auf die Technik parat zu haben.

Du bist bei der Deutschen Bahn als Ingenieure in der Instandhaltung von ICEs zuständig. Wie sieht so ein typischer Tagesablauf aus?
Bild: VDI / Fabian Stürtz02_UnterseiteMeine erste Tätigkeit im Werk ist es festzustellen, ob es dringende Fragen zu klären gibt. Danach priorisiere ich tagesaktuell die Relevanz der Themen. Unser aller Ziel hier im Werk ist es, den Wünschen unserer Kunden gerecht zu werden. Daher tun wir unser Bestes verkehrssichere, pünktliche, saubere und störungsfreie Züge am Bahnsteig bereitstellen. Daher gilt meine Unterstützung den Kollegen, die direkt oder indirekt am Fahrzeug arbeiten. Nachdem dieser Part geklärt ist, beginnt das Tagesgeschäft. Stellen wir komplexe Störungen fest suchen wir mögliche Ursachen, veranlassen notwendige Schritte zur nachhaltigen Entstörung in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen (Bauartverantwortung, Flottenplanung und Fachdienst) und mit dem ausführenden Werk. Die gewonnenen Erkenntnisse werden kommuniziert und dokumentiert. Weiterhin wirken wir bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserungen der Fahrzeuge hinsichtlich Komfort und Technik mit.

Levent, was machst du, wenn Mechaniker zu dir kommen, weil defekte Teile nicht mehr zu reparieren sind und auch nicht mehr neu bestellt werden können?
Ich gehe analytisch vor, versuche in kurzer Zeit in Erfahrung zu bringen, was die Ursache für das nicht bestellbare Bauteil sein könnte, ob eventuell der Lieferant das Produkt in seinem Sortiment nicht mehr führt oder es unter anderen Daten oder bei einem alternativen Hersteller beschaffbar ist. Wenn das nicht der Fall ist, suche ich dann in Systemen innerhalb der Deutschen Bahn nach solch einem Bauteil, einer Gruppe, die in anderen Schienenfahrzeugen vorhanden ist, um es schnellstmöglich als Substitut zu verwenden.

Warum hast du dich für unsere VDI Ingenieurgeschichten beworben?
Die vielen fantastischen Ingenieursgeschichten, die bei Euch bereits vorhanden sind, haben mich motiviert, mich mit meiner Geschichte bei dem VDI zu bewerben. Es ist mir eine große Freude, einen Einblick in meine Tätigkeit beim Fernverkehr zu gewähren, die auf den ersten Blick für vieler unserer Kunden und der Öffentlichkeit nicht transparent ist.

Was rätst du jungen Menschen, die sich für ein Ingenieurstudium entscheiden?
Als erstes möchte ich sie zu dieser Entscheidung beglückwünschen und sie motivieren, weiter zu machen, denn sie sind in einer so hoch technologisierten Welt und für unser aller Zukunft tätig. Ein wirtschaftsstarkes Land wie Deutschland wird auch in Zukunft auf Ingenieure angewiesen sein. Mir gefällt in diesem Zusammenhang besonders gut ein Zitat von Albert Einstein: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Damit möchte ich die Einstellung Einsteins unterstreichen, eben leidenschaftlich neugierig zu sein und das bestmöglich auch lange zu bleiben!

Wie genau die Instandhaltung der ICE-Züge funktioniert, dem gehen wir in unseren aktuellen Ingenieuregeschichten nach. Was genau Instandhaltung ist, könnt Ihr hier nachlesen. Ihr könnt mit dem Thema Ingenieurgeschichten nicht so recht etwas anfangen? Kein Problem, wir klären auf: „Was sind eigentlich die VDI Ingenieurgeschichten?“

philipp-busse-foto.256x256Das Interview führte: Philipp Busse
Position im VDI: Junior Pressereferent
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*