#Rio2016: Rollstuhlbasketball und Paralympics

„Der Basketballrollstuhl wird aus einem einzigen Rohr geformt“

Die Otto Bock Mobility Solutions GmbH übernimmt seit 2014 die technische Ausstattung beider deutscher Nationalteams mit Basketballrollstühlen. Warum das Unternehmen das macht, welche Technik hinter den speziell angefertigten Rollstühlen steckt und was sie von Alltagsrollstühlen unterscheidet, erklärt Daniela Drogge, Manager Sports Marketing & Paralympic Partnerships bei Ottobock.

Bild: OttobockRollstuhlbasketball

Frau Drogge, was unterscheidet einen Basketballrollstuhl von einem normalen Alltagsrollstuhl?
Der Basketballrollstuhl ist sehr viel leichter als der Alltagsrollstuhl. Er wiegt circa 11 Kilogramm und ist damit sehr viel wendiger, aber gleichzeitig auch robuster. Der Rollstuhl reagiert sofort auf die beidseitige Armbewegung des Fahrers – ohne Kraftverluste. Er wird aus einem einzigen Rohr geformt und verschweißt.

Besitzen alle Rollstuhlbasketballer den gleichen Rollstuhl?
Nein, jeder Spieler hat einen individuell angefertigten Rollstuhl – je nach Spielposition und körperlichen Eigenschaften. Jemand mit einem hohen Querschnitt und wenig Rumpfstabilität hat einen ganz anders konfigurierten Stuhl als zum Beispiel ein Fußgänger, der Rollstuhlbasketball spielt.

Auch Fußgänger spielen Rollstuhlbasketball?
Ja, das ist durchaus möglich. Ottobock ist beispielsweise derzeit mit Schulen in Gesprächen, die Sportart im Sportunterricht zu etablieren. Hierbei spielt der integrative Gedanke eine zentrale Rolle.

Wie lässt sich denn dann fair spielen?
Im Rollstuhlbasketball gibt es ein Klassifizierungs-System. Das heißt, dass jeder Spieler eine festgelegte Punktzahl je nach Art der Behinderung erhält. Die Skala reicht von 1,0 (beispielsweise für hohe Querschnittslähmungen) bis zu 4,5 Punkten für Nicht- oder Minimalbehinderte. Die maximale Punktzahl pro Team mit fünf Spielern liegt für die Nationalmannschaften bei 14.

Bild: OttobockInvaderWenn sich ein Athlet für die Sportart entscheidet: Wie wird der Basketballrollstuhl angefertigt?
Die Anfertigung ist ein komplexer Prozess. Sobald ein Athlet eine Bestellung in Auftrag gibt, bekommt er Besuch von einem Techniker, der rund 80 Körpermaße von ihm nimmt. Auf dieser Grundlage wird eine CAD-Datei erstellt. Dann wird dem Athleten ein Probestuhl zur Verfügung gestellt. Das Risiko ist zu hoch, dass noch minimale Anpassungen gefertigt werden können. Wenn alles passt, wird der Rollstuhl aus genau einem Stück Aluminium angefertigt. Es gibt keine Verbindungselemente, alles ist verschweißt. Das gibt dem Rollstuhl die nötige Stabilität und Wendigkeit. In der Regel dauert die richtige Produktion rund acht Wochen. Produziert wird beim Spezialisten für Rollstuhlbau in Bad Oeynhausen.

Entsteht durch einen perfekten Rollstuhl nicht auch ein Wettbewerbsvorteil?
Ja, in einigen Ländern werden noch manuelle Rollstühle im Spiel eingesetzt. Aber im internationalen Bereich wird das Equipment immer professioneller und die meisten spielen in festverschweißten Aluminium-Rollstühlen. Außerdem gibt es ein striktes internationales Regelwerk, an das wir uns halten. Es gibt exakt vor, wie der Rollstuhl zu sein hat. Vor jedem Spiel werden die Maße genauestens geprüft.

Bild: OttobockInvader_1Beim Rollstuhlbasketball gibt es wie beim Fußgänger-Basketball viel Feindkontakt. Für den Fall, dass etwas am Rollstuhl kaputt geht: Ist ein Techniker bei den Spielen immer vor Ort?
Beim Nationalteam ist immer ein fester Techniker bei den Spielen dabei. Allerdings ist noch nie ein Rahmenrohr gebrochen. Eventuell geht die Radnabe kaputt, oder die Gurte, mit denen die Athleten fest im Sitz sitzen, reißen. Bei den Paralympics sind nichtsdestotrotz sieben Schweißer mit vor Ort.

Ottobock ist mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband eine Partnerschaft eingegangen. Wie kam es dazu?
Ottobock und der Deutsche Rollstuhl-Sportverband verbindet ein gemeinsames Ziel. Beide wollen den paralympischen Sport weiterentwickeln und mehr Menschen für Rollstuhlbasketball gewinnen. Ottobock wollte außerdem seine Kompetenz in Rollstuhlbasketball-Rollstühlen intensivieren und stattet seit 2014 die deutschen Nationalteams mit Basketballrollstühlen aus. Wir stehen mit den Spielern und Trainern der Nationalmannschaft auf höchstem Niveau im intensiven Austausch, sodass wir die Technik immer weiter optimieren können – sowohl für den Leistungs- als auch für den Freizeitsport für Menschen mit Behinderung. Und gleichzeitig überlegen wir gemeinsam, wie wir die Sportart populärer machen können. Die deutsche Damenmannschaft beispielsweise genießt in der Welt des Rollstuhlbasketballs einen legendären Ruf und trägt damit wesentlich zur Popularität der Sportart bei.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hanna_Büddicker_VDI1Die Autorin: Hanna Büddicker
Position im VDI: Assistentin der Bereichsleitung Strategie und Kommunikation
Aufgabe im VDI: PR und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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