160 Jahre VDI

„Die Faszination für Technik hat uns im VDI immer schon vorangetrieben“

40_Seiten_Layout_S00040

Der VDI wird in diesem Monat 160 Jahre alt. VDI-Präsident Ungeheuer spricht im Interview über historische Highlights, welche Schwerpunkte der VDI legt und wohin es mit dem Verein gehen soll.

 

 

Herr Prof. Ungeheuer, was zeichnet den VDI aus und welche Highlights gibt es in seiner Historie?
1856 wussten die 23 jungen Männer, die den VDI in Alexisbad gegründet haben, schon eines: Nur mit technischem Fortschritt kann es industriellen Aufschwung, wirtschaftliche Stabilität und wachsenden Wohlstand geben. Also alles Fragen, die die Zukunft adressieren. Ingenieure zeichnet typischerweise ja aus, dass sie bei der Suche nach zukünftigen Lösungen verschiedene Alternativen auf Herz und Nieren prüfen oder verschiedene mögliche Szenarien entwickeln und hieraus dann denjenigen Lösungsansatz wählen, der nicht nur heute sondern langfristig die besten Ergebnisse verspricht. So geht auch der VDI vor. Unsere Politik könnte daraus lernen, um „alternativlose“ Situationen zu vermeiden. Besonders stolz können wir sicherlich darauf sein, dass wir als Wegbereiter der Technik an vielen technischen Entwicklungen und Lösungen sowie an der Professionalisierung der Ingenieurarbeit mitgewirkt haben. Auf unser Betreiben entstand zum Beispiel 1866 der Dampfkesselüberwachungsverein, heute besser bekannt als TÜV, der in den nächsten Wochen sein 150. Bestehen feiert. 1890 wurde auf Veranlassung des VDI die Technische Mittelschule, die heutige Fachhochschule, ins Leben gerufen. Wir waren Mitbegründer des deutschen Normenausschusses DIN und haben das Deutsche Museum auf den Weg gebracht. Den VDI haben wir in den letzten 160 Jahren zum führenden Netzwerk für die Ingenieurinnen und Ingenieure und zum Sprecher der Technik in Deutschland entwickelt.

Bild: Ulrich Zillmann

VDI-Präsident Udo Ungeheuer: „Die Berufsbezeichnung Ingenieur/-in darf durch die Bologna-Reform nicht verloren gehen“.

 

Der VDI ist seit 160 Jahren die Anlaufstelle für Ingenieure. Wofür steht der Verein heute?
Die Faszination und Begeisterung für Technik hat uns im VDI immer schon angetrieben und wird dies auch in Zukunft tun. Wir sind heute der größte technisch-wissenschaftliche Verein Deutschlands und als drittgrößter Regelsetzer sind wir ein wichtiger Partner für Wirtschaft und Wissenschaft. Warum ist das so? Sicherlich auch, weil wir seit 160 Jahren wichtige Impulse für neue Technologien und technische Lösungen für mehr Lebensqualität, eine bessere Umwelt und mehr Wohlstand geben. Vor kurzem haben wir ein Leitbild für den VDI entwickelt, das verdeutlicht, dass wir uns als Denkfabrik für Technik verstehen. Wir begeistern junge Menschen für Technik und sind für unsere Mitglieder durch unsere 15 Landesverbände, 45 Bezirksvereine sowie unseren über 600 technisch-wissenschaftlichen und berufspolitischen Fachgremien bundesweit aufgestellt. Als Sprecher der Ingenieurinnen und Ingenieure gehört es auch zu unseren Kernaufgaben, die Meinungsbildung in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Themen und Fragen der Technik zu prägen.

Welche Schwerpunkte verfolgen Sie als VDI-Präsident?
Mir ist wichtig zu zeigen, wie fest Ingenieurkunst mit unserem Land verbunden ist. Damit meine ich nicht nur spektakuläre Leistungen, sondern auch die, die jeden Tag von engagierten und ideenreichen Ingenieurinnen und Ingenieuren vollbracht werden. Wer könnte besser für seinen Berufsstand sprechen als die Ingenieure selbst. Mit unseren „Ingenieurgeschichten“ haben wir letztes Jahr zum Beispiel eine Video- und Bilderkampagne gestartet, die sehr anschaulich zeigt, wie sehr Ingenieurinnen und Ingenieure unsere Lebensqualität verbessern und auf die wir schon viele positive Reaktionen bekommen haben.

Leistungen unserer Ingenieurinnen und Ingenieure mehr in die Öffentlichkeit zu rücken und so die Attraktivität des Ingenieurberufs zu zeigen, hilft uns natürlich auch dabei, das Ziel zu verfolgen, Nachwuchs für Technik und die Ingenieurwissenschaften zu begeistern. Es ist kein Geheimnis, dass wir uns frühzeitig um gut ausgebildeten Nachwuchs kümmern müssen, um beispielsweise die Digitale Transformation Wirklichkeit werden zu lassen. Wir haben das im VDI schon früh erkannt und mit dem VDIni-Club, einem Technik-Club für Kinder, den VDI-Zukunftspiloten sowie unserem Netzwerk der Studenten und jungen Ingenieure eine durchgängige Nachwuchsstrategie geschaffen. Natürlich engagieren wir uns auch intensiv, um gemeinsam mit Partnern die Qualität von Bildungs- und Ausbildungsangeboten in Schulen und an den Hochschulen weiter zu verbessern.

Gerade die Frage, wie wir die Ingenieure der Zukunft ausbilden und den exzellenten Ruf der deutschen Ingenieurskunst erhalten und weiter stärken, beschäftigt mich persönlich, aber auch den VDI, sehr. Vor kurzem haben wir zum Beispiel gemeinsam mit dem VDMA und der Stiftung Mercator die erste umfassende Stakeholder-Befragung in Deutschland zu den Auswirkungen der Bologna-Reform in den Ingenieurwissenschaften veröffentlicht. Kurz zusammengefasst: Es bleibt noch viel zu tun, um die hohe Qualität und Anerkennung der deutschen Ingenieurausbildung auch für die Zukunft sicher zu stellen. Dazu gehört auch, dass uns die Berufsbezeichnung „Ingenieur/-in“ durch die Bologna-Reform nicht verloren gehen darf.

Wie soll sich der VDI weiterentwickeln?
Die Ingenieure und der VDI waren bei der Geburtsstunde technischer wie gesellschaftlicher Entwicklungen stets vor Ort – und dies soll auch künftig so sein. Mithilfe des Know-hows unserer Ingenieurinnen und Ingenieure müssen wir daran arbeiten, technische sowie wirtschaftliche Themen noch früher zu erkennen und zu erörtern, um gesellschaftliche Dialoge und Entscheidungen mitzugestalten. Außerdem müssen und werden wir uns damit beschäftigen, wie der VDI selbst die Chancen der Digitalen Transformation nutzen kann, um für seine Mitglieder auch künftig ein moderner und attraktiver Verein zu bleiben.

Das Interview führten: Cathrin Becker und Hanna Büddicker, Bereich Strategie und Kommunikation im VDI e.V.

Dazu passt auch unser Video „ThinkING Generations: Die Geschichte des VDI, der Technik und der Ingenieure in Deutschland“

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*