#Rio2016: Spitzensport versus Ingenieurskunst

„Profis in ihrer Disziplin“

Angela Scherer ist Technologieentwicklerin für faserverstärkte Kunststoffe bei Audi. Im Interview erklärt die Leichtbau-Expertin, welche Gemeinsamkeiten ihre Arbeit mit Spitzensport hat.

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Wenn Athleten im Kampf um Medaillen und Platzierungen alles geben, zeigt sich die Qualität ihrer Kleidung. Für das Wohlbefinden der Sportler werden unterschiedlichste Materialen verwendet. Wie wichtig ist der richtige Materialmix in der Fahrzeugentwicklung?
Ähnlich wie im Profisport verwenden wir auch im Fahrzeug je nach Einsatzort und Verwendungszweck unterschiedliche Materialien getreu dem Motto „das richtige Material an der richtigen Stelle in der richtigen Menge“. So können wir die individuellen Materialeigenschaften ideal ausnutzen und durch das Zusammenspiel der einzelnen Werkstoffe die beste Performance für das Gesamtfahrzeug erzielen.

Bild: AUDI AGAngela Scherer kontrolliert unterschiedliche Parameter zur Bauteilherstellung.

Angela Scherer kontrolliert unterschiedliche Parameter zur Bauteilherstellung.

Spitzensportler bilden sich nicht nur in ihren eigenen Disziplinen stetig weiter, sondern bereiten sich beispielsweise mit mentalen Trainingseinheiten optimal auf die Wettkampfsituation vor. Leichtbauexperten nutzen naturwissenschaftliche Erkenntnisse bei der Ideenentwicklung. Was können Ingenieure beim Thema Leichtbau aus der Biologie lernen?
Die Natur hat viele geniale Lösungen entwickelt, um die zahlreichen Arten perfekt an ihren Lebensraum anzupassen. Uns Ingenieuren dient das als Quelle der Inspiration. Dabei orientieren wir uns auch an den Erkenntnissen der „Bionik“, die Biologie und Technik vereint. So können Entwickler im Bereich Leichtbau viele geometrische und strukturelle Konzepte aus der Biologie abstrahieren. Ein perfektes Beispiel hierfür ist der menschliche Knochen – eine leistungsstarke Leichtbaulösung der Natur. Die Form des Knochens ist so optimiert, dass nur dort Material ist, wo es auch gebraucht wird, um den Belastungen – wie zum Beispiel im Sport – standzuhalten. Ansonsten ist der Knochen ganz auf Leichtbau getrimmt, damit unser Organismus energieeffizient arbeiten kann. Das Innenleben des Knochens, der ohnehin aus einem Material von geringer Dichte besteht, ist eine schwammartige Struktur, die weitere Gewichtsvorteile bringt. So ein Prinzip machen auch wir uns in der Sandwich-Bauweise des Audi R8 Spyder zunutze, bei der wir Schaumstrukturen geringer Dichte einsetzen, um Gewicht zu sparen und die Leistung zu optimieren.

Bild: AUDI AGDie Technologieentwicklerin überprüft die Bauteildicke.

Die Technologieentwicklerin überprüft die Bauteildicke.

Auf dem Weg zur Bestzeit gilt für viele Athleten das eigene Körpergewicht als entscheidender Parameter. Auch Automobilhersteller arbeiten daran, die Fahrzeuge der Zukunft leichter zu gestalten. Warum ist dies für die Arbeit der Ingenieure so entscheidend?
Ein geringes Gewicht bedeutet in diesem Fall auch einen geringen Energieaufwand, um selbiges in Bewegung zu versetzen. Ähnlich wie beim Marathonläufer führt jede zusätzliche, bewegte Masse zu einem höheren Energieverbrauch. Mit gezieltem Downsizing arbeiten wir in der Entwicklung daran, das Gesamtgewicht des Autos zu reduzieren und seinen Energieverbrauch zu optimieren. Gerade im Bereich der Elektromobilität, in dem wir zusätzliche schwere Energiespeicher in die Fahrzeugstruktur integrieren müssen, beeinflusst jedes Gramm mehr die Reichweite des Autos negativ.

Um die Goldmedaille am Ende in den Händen zu halten, arbeiten Athleten mit konsequenten Trainingseinheiten an ihrer Bestzeit. Ebenso forschen Ingenieure an neuen Technologien und Verfahren. Wie ist es möglich, immer wieder neue Höchstleistungen zu erzielen und so Innovationen zu schaffen?
Um Neues zu entwickeln ist ein wesentlicher Faktor, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, auch in branchenfremden Bereichen Inspiration zu finden und diese Lösungsansätze auf die eigenen Herausforderungen zu übertragen. Forscherische Neugier wirkt dabei als treibende Kraft. Wir bei Audi tauschen uns regelmäßig mit verschiedenen Fachexperten aus und entwickeln so gemeinsam innovative Lösungen für die Zukunft.

Zu guter Letzt noch eine persönliche Frage: Was schauen Sie sich von Spitzensportlern für Ihre Arbeit ab?
Spitzensportler sind Profis in ihrer Disziplin und arbeiten unermüdlich daran, ihre Fähigkeiten weiter auszubauen. Dafür testen sie Grenzen aus und schauen auch immer wieder über den Tellerrand, zum Beispiel in andere Sportarten, um noch besser zu werden. Entscheidend für den Erfolg ist ein klar definiertes Ziel, das motiviert und antreibt.

Auch wenn es sich bei vielen Sportarten um Einzeldisziplinen handelt, spielen der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Athleten eine essentielle Rolle, um sich persönlich weiterentwickeln zu können. Ähnlich wie im Sport komme auch ich durch kontinuierliches und ambitioniertes Arbeiten ans Ziel.

Das Interview führte: Annika Jochheim, Employer Branding AUDI AG

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