Arbeiten im Ausland: Olympische Großprojekte für #Rio2016

„Unser ganzer Stolz ist immer noch das Maracanã-Stadion“

Für die Fußball-WM 2014 hat das Ingenieurbüro schlaich bergermann partner (sbp) aus Stuttgart das legendäre Maracanã-Stadion umgebaut, das auch für die olympischen Spiele von zentraler Bedeutung ist. Für Rio 2016 ist schlaich bergermann partner erneut vor Ort. Diplom-Ingenieur Knut Stockhusen, Partner und Geschäftsführer bei sbp, spricht im Interview über das Abenteuer Brasilien, die vielseitigen Projekte in Rio und die spannenden Vorbereitungen auf das Großereignis.

Bild: schlaich bergermann partner/ Marcus Bredt160210_VDI_WW_Olympia_702x363px-mit Kasten

Herr Stockhusen, Sie sind mit schlaich bergermann partner nun zum zweiten Mal im Auftrag für ein sportliches Großereignis in Brasilien. Was macht Ihren Job aus? Was gefällt Ihnen zum Beispiel am meisten an der Arbeit im Ausland?

Aus meiner Sicht ist das Besondere die interessante und herausfordernde Kombination aus komplexen ingenieurstechnischen Aufgabestellungen in Verbindung mit tollen internationalen Teams, an spannenden Orten und mit immer interessanten Menschen und Kulturen – überall auf der Welt.

Unsere Niederlassung in São Paulo, Brasilien, haben wir bereits 2008 gegründet. Seitdem sind wir vor Ort und arbeiten an vielen Projekten mit. Natürlich sind die Projekte zur Fußball Weltmeisterschaft 2014 und zur Olympiade 2016 Highlights.

Für die olympischen Projekte haben wir noch ein Projektbüro in Rio de Janeiro gegründet und Experten aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Disziplinen arbeiten dort in intensiver Gemeinschaft und Freundschaft zusammen.

Bild: schlaich bergermann parter/ Marcus Bredt schlaich bergermann parter_Foto_Marcus BredtBei der WM 2014 haben Sie das legendäre Maracanã-Stadion umgebaut. Bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr haben Sie die Schwimmhalle und die Tennissportanalage geplant. Was reizt Sie gerade daran, Sportstätten zu planen?

Unser ganzer Stolz, auch für die Olympiade in Rio de Janeiro, ist natürlich immer noch das Maracanã-Stadion. Die Freude von 2014, das Finalstadion geplant zu haben, in dem die deutsche Nationalmannschaft Weltmeister wurde, hält also noch eine Weile an.

Dort werden neben sportlichen Wettkämpfen die Eröffnungsfeier und Schlussfeier für die Olympischen und Paralympischen Spiele stattfinden.

Wir sind im Planungsteam dieser Feierlichkeiten und das eröffnet nochmal eine ganz neue Perspektive auf die Arbeit als Ingenieur und auf internationale Sportprojekte.

Plötzlich arbeitet man mit Stagedesignern, Regisseuren und Choreographen aus aller Welt. Wir sind dafür zuständig, Gegenstände an aberwitzigen Seilkonstruktionen scheinbar schwerelos durch den Raum zu bewegen und die Konstruktion für das Olympische Feuer sowie für Kulissen und Geräte für Statisten zu bemessen. Vielfältiger könnte es doch nicht sein.

Was sind die größten Schwierigkeiten bei der Arbeit vor Ort in Rio? Wo liegen Unterschiede zwischen Deutschland und Brasilien?

Die Voraussetzungen für diese Projekte waren schon deutlich von den Erfahrungen des Landes zur FIFA WM gekennzeichnet. Die Budgets wurden stark gekürzt und die positive öffentliche Stimmung in der Vorbereitung der WM konnte sich nicht auch auf die Olympischen Vorbereitungen übertragen.

Alle olympischen Projekte wurden durch öffentliche Ausschreibungen vergeben. Ein elektronisches Punktesystem bewertet Referenzprojekte im Land zusammen mit den Planungshonoraren. Wir konnten uns sofort in zwei Projekten durchsetzen. Das war natürlich ein großer Erfolg und uns ist bewusst geworden, dass wir als internationales Büro in Brasilien wirklich im Land aufgenommen sind.

Die darauffolgende Abstimmung mit dem öffentlichen Bauherrn war ungleich aufwendiger als in Deutschland, teilweise sogar untragbar.

Die Krise Brasiliens hat sich während der Planungsphase zu den olympischen Spielen immer stärker abgezeichnet. Behördliche Entscheidungen wurden nur noch schwer getroffen und die Einflussnahme der Baufirmen auf die Behörden hatte natürlich Auswirkungen auf die Projektausführungen.

Teilweise wurden Änderungen nach der Ausschreibung durch die Baufirmen und Bauherren einfach unkoordiniert ausgeführt. Dagegen konnte man sich nicht wehren, und so etwas würde es hier einfach nicht geben.

Umso begeisterter sind wir alle von unserem Live Site Projekt – ein wunderbarer Veranstaltungsort an der Spitze des Olympischen Geländes mit leichtem und transparenten Membrandach. Ein Projekt, das einfach gut zu uns passt.

Bild: Dhani BorgesDhani Borges

Was nehmen Sie aus der Arbeit in Brasilien mit für Ihre Arbeit in Stuttgart?

Durch die internationale Arbeit in Ländern wie Brasilien wächst natürlich der Erfahrungsschatz in der Herangehensweise an Projektarbeit sowie im Umgang mit Bauherren und unterschiedlichsten Kulturen.

Neben der eigentlichen fachlichen Qualifikation sammelt man Erfahrungen im Umgang mit Menschen aus der ganzen Welt und schult sein Verhandlungsgeschick. Die eigenen Nervenstränge ähneln dann irgendwann mehr und mehr den hochfesten Stahlseilen, mit denen wir unsere Konstruktionen gerne mal in den Himmel hängen.

Das alles bereitet uns für weitere Aufgaben vor. Auch wenn der Schritt von Brasilien nach Russland und Katar nicht nur geografisch groß ist, sind wir alle auch dafür gewappnet. Man wächst eben, wie jeder weiß, an seinen Aufgaben.

Wenn die Olympischen Spiele beginnen, reisen Sie wahrscheinlich ab, oder? Verfolgen Sie denn die sportlichen Ereignisse von zuhause? Welche Sportart interessiert Sie am meisten?

Das Schicksal der Planer ist immer, dass, sobald die Bauten stehen, das Baulicht durch Scheinwerferlicht ersetzt wird und dies die Bühne für andere bereitet.

Wir atmen dann ein oder zweimal tief durch und sind schon auf dem Weg zu neuen Abenteuern.

Natürlich verfolge ich aus der Ferne die sportlichen Ereignisse. Und wir alle sind dann stolz als Team einen Beitrag geleistet zu haben.

Vielen Dank für das Interview!

Hanna_Büddicker_VDI1

Das Interview führte: Hanna Büddicker
Position im VDI: Assistentin der Bereichsleitung Strategie und Kommunikation
Aufgabe im VDI: PR und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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