Wir erklären

Wie funktioniert eigentlich Instandhaltung?

Dort steht sie. Die neue Energieerzeugungsanlage, Verpackungsmaschine, Montagelinie, Prozessanlage, Hebe- oder Fördereinrichtung. Mit der Anschaffung von neuen Maschinen, Systemen oder einzelnen Komponenten ist es aber längst nicht getan. Vor allem die vorbeugende Instandhaltung ist enorm wichtig. Wer möchte sich schon Produktionsausfälle erlauben? Wie Instandhaltung funktioniert, haben wir uns einmal genauer angesehen.

Bild: Thomas Ernsting / LAIFInstandhaltung

Die neue Anlage schnurrt wie ein Kätzchen. Kein Grund die Beine hochzulegen. Denn schon jetzt, bevor überhaupt Anzeichen von Schäden zu erkennen sind, muss die Instandhaltungsstrategie ins Spiel kommen. Die Aufgabe der Ingenieure in diesem Fachbereich ist es, alle Gewerke, z.B. Elektrik und Elektronik, Mechanik, Maschinentechnik, Verfahrenstechnik sowie Ver- und Entsorgung oder einzelne Bereich zu überwachen und zu betreuen. Hierzu wird der Ist-Zustand mit Sichtkontrollen, Inspektionen und Funktionsprüfungen festgestellt.

Wohl oder übel treten aber irgendwann Störungen und Schwachpunkte auf. Nun müssen Instandhaltungsmaßnahmen erarbeitet und ergriffen werden. Im Rahmen der Instandhaltung geht es nun um die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit bis zum nächsten Wartungszeitpunkt oder der nächsten Störung. So sollen Produktionsausfälle, bei denen die Kosten leicht in die Millionen gehen können, verhindert werden. Instandsetzungsmaßnahmen werden spätestens im Störfall ergriffen (das nennt man auch Crash-Wartung). Die Reparaturen zur Wiederherstellung des Soll-Zustandes müssen fachgerecht und schnell ausgeführt werden, um die Stillstandszeiten zu minimieren.

Vorbeugende Instandhaltung

Eine vorbeugende Instandhaltung soll solche Störfälle verhindern. Daher müssen Instandhaltungsstrategien ausgearbeitet werden. Besonders spannend wird es, wenn die Aktivitäten im laufenden Betrieb ergriffen werden müssen, weil beispielweise vier Schichten an jedem Tag des Jahres gefahren werden. Bei der Wartung und Instandhaltung dreht sich alles um die Erzielung einer hohen Anlagenverfügbarkeit, die Erhaltung einer hohen Betriebssicherheit, die Einhaltung von Lieferterminen und natürlich auch der Budgets. Instandhaltungsingenieure leisten diese Arbeit.

Auch der VDI unterstützt Ingenieure in der Instandhaltung. Unsere aktualisierte Richtlinie VDI 2890 gibt beispielweise eine Anleitung zur Erstellung von Wartungs- und Inspektionsplänen für die planmäßige Instandhaltung. Die Planung von Instandhaltungsmaßnahmen besitzt nämlich einen großen Einfluss auf die Anlagen- und Arbeitssicherheit, Durchführungsdauer, Wirtschaftlichkeit von Instandhaltungsmaßnahmen und termingerechte Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, Regeln und Richtlinien.

In der modernen Instandhaltung macht aktuell der Begriff der Predictive Maintenance die Runde. Bislang wurde auf regelmäßige Wartung und Inspektionen gesetzt,  um die Instandhaltung aller Geräte, Maschinen, Bauelemente oder allgemein gesagt technischen Geräten sicherzustellen,. Im Zeitalter der Industrie 4.0 werden diese Vorkehrungsmaßnahmen ergänzt und wesentlich erweitert.

Predictive Maintenance

Die Idee, die sich mit Predictive Maintenance – der vorausschauenden Wartung – verbindet, ist wie folgt: Anstatt auf einen Ausfall oder eine Störungen nur im Nachhinein reagieren zu können, befähigt Predictive Maintenance Unternehmen mögliche Defekte zu erkennen, bevor sie tatsächlich eintreten. Dazu werden immer mehr Produktionsanlagen, Maschinenparks und andere Betriebsmittel mit Sensoren ausgestattet, die z.B. Wärme, Erschütterungen, Geräusche oder, Druck usw. erfassen und registrieren können. Die Daten der Sensoren werden gesammelt und müssen intensiv analysiert werden, damit die richtigen Schlüsse gezogen werden, wann eine Wartungsmaßnahme vorgenommen werden sollte. Teure Reparaturen vermeiden, Ausfälle vorhersehen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen – all das leistet die vorausschauende Instandhaltung: Die Daten werden digital erfasst, sie werten bewertet und analysiert und das wahrscheinliche Ereignis „vorhergesagt“. Das stellt den passiven, traditionellen Hergang der Abläufe auf den Kopf. Predictive Maintenance ist damit ein Herzstück der Industrie 4.0.

Kompetenzzentrum der Instandhaltung

Als anerkanntes Kompetenzzentrum der Instandhaltung ist das VDI/VDEh-Forum Instandhaltung der jährliche Treffpunkt für Instandhalter, die sich über die moderne Instandhaltung und aktuelles Wissen austauschen möchten. Das Forum zeigt in Beiträgen und Diskussionen aktuelle Trends auf und präzisiert die zukünftigen Anforderungen an die Instandhaltungsorganisation, die technische Ausstattung und die Mitarbeiterqualifikation.

Inspektionsarbeiten gehören auch in den Bereich der Instandhalter. Dabei handelt es sich um reine Sichtkontrollen (manchmal auch Kontrollen auf Geräusche oder Gerüche). Sie werden heute auch immer häufiger von Drohnen durchgeführt, wenn die Anlagen z.B. besonders große oder Anlagenteile nur mit großen Aufwand zu besichtigen wären. Viele Unternehmen testen bereits die industriellen Einsatzmöglichkeiten dieser unbemannten Luftfahrzeuge. Die VDI-Konferenz „Zivile Drohnen im Industrieeinsatz“, die am 04. und 05. Juli in Frankfurt stattfindet, zeigt anhand vieler Beispiele und luftfahrttechnischer Expertise die Chancen für den gewerblichen Einsatz in der Praxis auf.

Zur Inspektion von Gebäuden mithilfe Drohnen ist vor kurzer Zeit die Richtlinie VDI 2879 erschienen.

Langlebige Instandhaltung: Das Obsoleszenz-Management

Ein weiterer Aspekt ist die Instandhaltung von besonders alten und langlebigen Anlagen, die locker 10, 20 Jahre oder noch viel älter werden können. Wir sprechen dann vom Obsoleszenz-Management. D.h. der Betreiber muss sich während einer sehr langen Betriebszeit überlegen, wie er an Ersatzteile kommt, die es eigentlich nicht mehr gibt. Das wird ausführlich in der Richtlinie VDI 2882 beschrieben.

Mit diesem Thema beschäftigt sich in Deutschland am längsten und intensivsten die deutsche Bahn. Denn hier fahren ICE der neuesten Bauart in einigen Bereichen noch über Signal- und Weichentechnik aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Wie sieht eigentlich die Instandhaltung von ICEs der Deutschen Bahn aus? Dieser spannenden Frage haben wir eine unserer Ingenieurgeschichten gewidmet.

philipp-busse-foto.256x256Autor: Philipp Busse
Position im VDI: Junior Pressereferent
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

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