Karriere im Motorsport

Der Traum an der Rennstrecke geht weiter

Hauptsache Motorsport – für Tim Kayser kam beruflich nichts anderes in Frage. Mit Können, Fleiß und auch ein wenig Glück schaffte es der studierte Luft- und Raumfahrttechniker schnell als Dateningenieur an die Rennstrecke. Seine Aufgabe: Die Daten, die der Wagen des Rennstalls Mücke Motorsport in einem Rennen der Formel 3 produziert, zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Die VDI Ingenieurgeschichten begleiteten Tim Kayser an die Rennstrecke und gaben einen exklusiven Einblick in seine Arbeitswelt. Doch wie ging es eigentlich weiter? Sehr erfolgreich! Seit Anfang des Jahres arbeitet Kayser als Aerodynamikingenieur in der DTM und konnte gerade mit Mücke Motorsport beim Heimrennen am Lausitzring die erste Pole, das erste Podium und den ersten historischen Sieg mit seinem Team einfahren.

Du hast innerhalb von drei Jahren eine steile Karriere als Ingenieur im Motorsport hingelegt. Studiert hast du Luft- und Raumfahrttechnik. Wie bist du zum Job bei Mücke Motorsport gekommen?
Nach meinem Wechsel an die TU Braunschweig für den Master bin ich zeitgleich in das dortige Formula-Student-Team eingetreten, um meiner Leidenschaft zum Motorsport ein wenig nachzukommen. Aufgrund meines Studienschwerpunktes habe ich dann im Team zusammen mit ein paar Kommilitonen das bis dato nicht existierende Aerodynamik Department aufgebaut. Bei meinem ersten FSG-Event hat es mich dann richtig gepackt und mir war sofort klar, dass ich nie wieder etwas anderes machen möchte. Infolgedessen habe ich mich für meine Studien- und Masterarbeit nach einer Werksstudententätigkeit im Motorsport umgehört und bei Mücke Motorsport hat es dann direkt geklappt. In der Formel 3 Europameisterschaft habe ich zunächst als Reifenmann begonnen und konnte mich dann schnell aufgrund von personellen Umstrukturierungen zum Dateningenieur weiterentwickeln und im direkten Umfeld des Teams meine Masterarbeit zu einem aerodynamischen Thema schreiben.

Was braucht man für die Poleposition? Einen guten Fahrer, ein gutes Auto und eine große Festplatte. Tims Ingenieurgeschichte könnt Ihr Euch hier ansehen!

Welche Eigenschaften braucht es, um als Ingenieur in der Motorsportszene erfolgreich zu sein? Welche Jobs bieten sich für Ingenieure an?
Das Anforderungsprofil im Motorsport – besonders wenn man zur „trackside“ Truppe gehört, also mit zu den Rennen fährt – ist ein ganz Besonderes. Das hat nicht zwangsläufig mit der technischen und wissenschaftlichen Kompetenz zu tun, sondern fängt schon damit an, dass man hohen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist. Die Nächte an den Rennwochenenden sind speziell für die Ingenieure sehr kurz und Arbeitsstunden von 17 Stunden sind nichts Ungewöhnliches. Zudem steht man in der Regel permanent unter zeitlichem Druck und der Gewissheit, dass die getätigten Entscheidungen immer wieder in Form von Zeitenjagd auf der Strecke auf die Probe gestellt werden. Fehler führen schnell zur Niederlage oder fehlender Konkurrenzfähigkeit. Zuhause in der Werkstatt sieht das Ganze nicht unbedingt sehr viel anders aus, gerade wenn die Rennen in einem Zwei-Wochen-Turnus stattfinden – wie jetzt gerade – da leidet der Feierabend schon mal darunter. Das mag jetzt vielleicht alles grausam klingen, doch wir sind alles Leute, die die Arbeit sehr gerne und aus Leidenschaft tun. Man sollte nie vergessen, wie schön ist es, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann. Außerdem eifern wir alle einem Ziel hinterher: Erfolge einfahren! Diese Gefühle sind durch nichts zu ersetzen und zahlen all die harte Arbeit zurück. Das sind der Lohn der Arbeit und der Grund, warum wir jeden Tag aufs Neue daran arbeiten, das Auto noch schneller zu machen. Ich kann für mich sagen, dass ich keinen dieser Schritte bereue!

Bild: Mücke Motorsport / Tim KayserDSC_4397

Tim Kayser an der DTM-Rennstrecke (Bild: Mücke Motorsport)

Wie ist Dir der Wechsel vom Dateningenieur in der F3 zum Aerodynamikingenieur in der DTM gelungen?
Nachdem ich zwei Jahre in der Formel 3 EM aktiv war und schon viel in der Rennserie sehen und erleben durfte – so fallen hierunter sowohl zahlreiche Rennsiege als auch der Doppelsieg beim F3 Macau Grand Prix – wollte ich meinen Horizont in meiner noch jungen Karriere erweitern. Eine andere Rennserie kennenlernen, sehen und spüren wie die Abläufe dort sind. Wie groß ist der Unterschied der Professionalität zwischen der Nachwuchsrennserie F3 und der großen renommierten DTM wirklich? Einer der riesen Vorteile bei Mücke Motorsport ist, dass wir eben nicht nur in einer Rennserie aktiv sind, sondern auch in der italienischen und deutschen F4, Formal 3 EM und der DTM. Somit ergab sich diese großartige Möglichkeit, den Schritt in die DTM zu tätigen. Mit meinem Spezialgebiet der Aerodynamik konnten wir somit einen neuen Bereich bei Mücke Motorsport abdecken. So bin ich nun unter anderem dafür zuständig, dass die Fahrzeuge im Rahmen des Reglements aerodynamisch „optimal“ an den Start gehen.

Wo möchtest Du im Laufe Deiner Karriere noch hin? Welche konkreten Ziele hast Du?
Puh, gute Frage. Aktuell möchte ich erst einmal richtig Fuß fassen in der DTM. Die Abläufe und das Fahrzeug noch besser kennen lernen sowie noch ein paar Podestplätze einfahren. Was dann später für Herausforderungen auf mich warten wird sich zeigen, es gibt sicher viele Sachen die mich in diesem Umfeld faszinieren.

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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