Digitale Chancen und Bedrohung

Digital Maturity

Digitale Chancen und Bedrohungen – wie sieht die „Digital Maturity“ in Deutschland aus?
Besucht man dieser Tage einen der vielen Kongresse oder Informationsveranstaltungen rund um die Themen Industrie 4.0, Internet der Dinge oder die Digitale Transformation so kann man bei so manchem Vortrag den Eindruck gewinnen, der deutsche Mittelstand habe von Digitalisierung noch nie etwas gehört, denn viele Vorträge erklären, dass es überhaupt so etwas wie eine Entwicklung von Digitaltechnologien gibt und dass sich daraus Folgen für Industrie und Wirtschaft ergeben werden. Kurz: Es wird selbst heute noch immer wieder ganz vorne angefangen.

Bild: Denphumi / Shutterstock.com160216_VDI_DT_Kampagne_702x363px-V1

Unternehmen verschlafen die Zeichen der Zeit nicht
Unterhält man sich mit den anwesenden Vertretern des Mittelstands, so zeigt sich ein ganz anderes Bild: die Digitalisierung ist sehr wohl breit bekannt, die Technologien im Wesentlichen ebenfalls, der potenzielle Bedrohung durch zu langes Nicht-Handeln sind sich die meisten bewusst und dass sich, ganz allgemein, neue Chancen und Risiken aus der technologischen Entwicklung ergeben, ist auch nichts Neues. Das kann kaum überraschen, denn schließlich ist der deutsche Mittelstand nicht ohne Grund seit Jahrzehnten einer der Erfolgsgaranten unseres starken Industrie- und Wirtschaftsstandorts. Zu der Annahme, die verantwortlichen Unternehmer würden die Zeichen der Zeit allesamt selig verschlafen, besteht also keine Veranlassung.

Komplexität der Digitalen Transformation
Tatsächlich liegen die Herausforderungen vieler mittelständischer Unternehmen gar nicht in fehlendem Bewusstsein, sondern häufig in der kaum zu überschauenden Komplexität der Digitalen Transformation und in der damit einhergehenden Unsicherheit, die sich in den vielerorts geführten Diskussionen in Verbänden, Konferenzen und der Politik zeigt. Es ist nicht oder nur zum Teil ein Mangel an finanziellen Mitteln, die hohen Infrastruktur-Investitionen zu tätigen, sondern viel eher ein Problem des Investitionsschutzes, solange die Industrie sich nicht auf Standards geeinigt hat. Hinzu kommen der durchaus begründete Mangel an Vertrauen in die vorhandenen Instrumente zum Schutz geistigen Eigentums sowie in die IT-Security für eine vernetzte Produktion sowie der Mangel an entsprechend qualifizierten Fachkräften. Und letztlich fehlen zur Umsetzung der Industrie 4.0 Technologien, passende Konzepte und vor allem veränderte Prozesse.

Herausforderungen gemeinsam angehen
Diese Herausforderungen müssen Industrie und Wissenschaft gemeinsam angehen. Eine wichtige Frage, die wir beantworten müssen, wird sein, wie Forschungsergebnisse in Zukunft schnellstmöglich Eingang in die Industrie finden und damit zu auf dem Markt gut platzierbaren Innovationen werden oder die Produktionsprozesse so optimieren, dass der ROI nicht lange auf sich warten lässt. Was nutzt ein heute verfügbarer smarter, kommunikativer Sensor, wenn 80% der aktuell verbauten Sensor-Aktor-Systeme gerade einmal elektronische Daten verarbeiten können und vom Vernetzungsgedanken weit entfernt sind? Wie werden Durchgängiges Engineering, Digitaler Zwilling, Smarte Sensornetze, in denen Algorithmen Entscheidungen treffen, ohne riesige Datenmengen über das Leitsystem zu schieben, in die Praxis der Unternehmen Eingang finden? Wie sehen die Konzepte für Geschäftsprozesse oder Arbeitsorganisation aus, wenn die vertikale Vernetzung technologisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist?

Abwarten  ist keine Alternative!
Wir sind bei vielen Fragen noch weit von den Antworten entfernt, dabei schreiten die Möglichkeiten der Technologien voran, jedoch sind gute Lösungen derzeit nur punktuell zu erhalten, sodass eine durchgängige Umsetzung noch nicht möglich ist. Abwarten ist jedoch nicht die Alternative! Konzepte für den Wandel kann jedes Unternehmen für sich bereits erarbeiten – vorbereitet sein auf den Wandel – das gilt eben heute wie früher! Gehen Sie es an: machen Sie Technologie-Roadmaps, nutzen die Szenario-Technik, um auf unterschiedliche Entwicklungen vorbereitet zu sein, bauen Sie ein Innovationsportfolio auf und seien Sie dabei kreativ, denn die Geschwindigkeit der technologischen Neu-Entwicklungen wird weiter zunehmen.

Autoren:
ddChristian Gülpen, Leiter Unternehmenskooperationen / Bereichsleiter Digitalisierung, Technologie- und Innovationsmanagement (TIM), RWTH Aachen

 

 

 

csm_Dirzus_Dr._Dagmar_02f2677e23Dr.-Ing. Dagmar Dirzus
Geschäftsführerin der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik GMA

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Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Digital Maturity

  1. Ich glaube, die angeblich fehlenden Standards werden vom Mittelstand oft nur vorgeschoben. Ich kann durchaus innovative Produkte entwickeln und dabei im Hinterkopf haben, dass zukünftige Standards noch berücksichtigt werden müssen. Meiner Meinung geht es um Investitionsbereitschaft und um fehlendes Know-how in den Unternehmen. Bei so wenig Innovationsfreude fragt man sich: Was will der Mittelstand (also das Rückgrat unserer Wirtschaft!) eigentlich morgen noch verkaufen?

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