Experten-Interview zur #ConCarExpo 2016

Wie sieht die urbane Mobilität der Zukunft aus?

Wie sieht die urbane Mobilität der Zukunft aus? Welche Anforderungen ergeben sich daraus, haben wir überhaupt die nötige Infrastruktur und welche Rolle wird Carsharing künftig spielen? Diese und weitere Fragen zur urbanen Mobilität der Zukunft haben wir im Vorfeld der ConCarExpo 2016 einmal Nico Gabriel, Geschäftsführer der DriveNow GmbH & Co. KG gestellt.

Bild: DriveNowNico Gabriel ist Geschäftsführer bei DriveNow, dem CarsharingHerr Gabriel, wie und womit werden wir uns in der Zukunft fortbewegen?
Das Auto wird sicher auch in Zukunft ein wichtiges Fortbewegungsmittel bleiben. Aber die Priorisierung und Nutzungsweise des Autos ist im Umbruch. Für jüngere Generationen verliert das eigene Auto an Bedeutung, vielerorts werden Autos in Sharingmodellen verwendet und damit Ressourcen besser genutzt. Automobilhersteller und IT-Unternehmen entwickeln am autonom fahrenden Auto. Werfen wir einen Blick auf die Urbansisierung und die zunehmenden Verkehrsprobleme, wird das eigene Auto in den Städten weiter an Bedeutung verlieren. Hier wird sich zunehmend ein intelligent vernetzter Mobilitätsmix aus verschiedenen Fortbewegungsmitteln durchsetzen. Und dies zunehmend alternativ – v.a. elektrisch – betrieben, um Emissionen weiter zu minimieren.

Menschen werden immer mobiler – bewegen sich immer mehr, immer schneller, immer spontaner. Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Mobilität der Zukunft?  Werden wir diesen Anforderungen gerecht?
Die veränderten Mobilitätsbedürfnisse der Menschen und die neuen Rahmenbedingungen wie Parkprobleme, Emissionen, Verstädterung o.ä. müssen in der Gestaltung des Mobilitätsangebots berücksichtigt werden. In den Städten sind die Veränderungen am gravierendsten und der Handlungsbedarf am Größten. Mit dem Angebot von DriveNow sind wir genau auf diese Entwicklung eingegangen: Wir bieten in urbanen Ballungszentren ein hochflexibles und spontanes Angebot für urbane Mobilität ohne eigenes Auto für Fälle, in denen individuelle Fortbewegung für kurze Zeit benötigt wird. Nach einmaliger Registrierungsgebühr zahlen unsere Kunden nur, wenn sie fahren. Zugreifen können sie auf insgesamt über 4.000 Fahrzeuge in neun Städten in Deutschland und Europa. Und das spontan an jedem Ort ohne Abholstation oder Vorreservierung. Mit unseren BMW und MINI Modellen bieten wir eine attraktive Flotte. Wir verstehen unser Angebot als Erweiterung und Ergänzung zu bestehenden Mobilitätsangeboten in der Stadt, beispielsweise dem Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), Taxi oder Fahrrad. Daher kooperieren wir auch mit ÖPNV-Anbietern und vernetzen unsere Angebote z.B. auch auf einer App oder mit intermodalem Routing sogar im Fahrzeug selbst.

Was müssen wir tun, damit  die Verkehrsinfrastruktur der Zukunft für eine neue, revolutionäre Mobilität gut vorbereitet ist?
Wichtig ist eine konstruktive Zusammenarbeit verschiedener Verkehrsanbieter und Stakeholder im Verkehrsbereich. So arbeiten wir mit den Städten, in denen wir DriveNow anbieten, zusammen und unterstützen sie nach Bedarf mit Daten und Know-how oder Begleitstudien. Gerade im Ausbau der Elektromobilität sehen wir uns als Treiber. 20 Prozent unserer Gesamtflotte ist bereits elektrisch. Zunehmend Elektrofahrzeuge in unsere Carsharing-Flotte zu integrieren ist für uns eine logische Weiterführung des nachhaltigen Carsharing-Ansatzes. Allerdings ist bislang erst in wenigen Städten eine flächendeckende Ladeinfrastruktur vorhanden. So sind wir mit den Stromern in Vorleistung gegangen, unterstützen jedoch die Städte mit wertvollen Daten zur effektiven Positionierung neuer teurer (Schnell-)Ladeinfrastruktur. Die rege Nutzung unserer BMW i3 und das Feedback unserer Kunden zu den Stromern zeigen, dass das Elektrofahrzeug prädestiniert für den Einsatz in urbanen Räumen ist. Die Förderung und Privilegierung von Elektromobilität ist daher ein wichtiger Schritt in Richtung zukunftsweisender Mobilität.

Welche Bedeutung/Potenzial hat das Modell Carsharing?
Carsharing bietet im gesamten Mobilitätsmix einer Stadt eine individuelle Mobilitätskomponente für die Fälle, in denen ein Fahrzeug benötigt wird. Je attraktiver das gesamte Mobilitätsangebot in einer Stadt gestaltet wird, desto eher werden Stadtbewohner ihren privaten Autobesitz überdenken, vor allem wenig genutzte Fahrzeuge. Besonders stationslose Carsharing-Angebote sprechen autoaffine Menschen an, für die Carsharing vorher kein Thema war. Mit unseren BMW und MINI Modellen in der Flotte, dem spontanen Zugang und unserem Lifestyle-Ansatz erreichen wir so ganz neue Zielgruppen und begeistern sie für eine Mobilität ohne eigenes Auto.

Bild: DriveNowMit dem BMW i3 bietet DriveNow in Berlin, Hamburg, München und London zudem eine rein elektrische Mobilitätslösung, die künftig auch in weiteren Städten ausgebaut wird. DriveNow gibt es derzeit in München, Berlin, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Wien und London sowie in den USA in San Francisco.

Mit dem BMW i3 bietet DriveNow in Berlin, Hamburg, München und London zudem eine rein elektrische Mobilitätslösung, die künftig auch in weiteren Städten ausgebaut wird. DriveNow gibt es derzeit in München, Berlin, Düsseldorf, Köln, Hamburg, Wien und London sowie in den USA in San Francisco.

Welche entlastenden Effekte bringt das Modell Carsharing mit sich?
Dass Carsharing, insbesondere flexibles Carsharing, eine zentrale entlastende Rolle spielt, zeigen Studien wie die Langzeitstudie „WiMobil“ der Universität der Bundeswehr München und des DLR oder „EVA-CS“ der Stadt München und der TU Dresden. Sie belegen, dass flexibles Carsharing in Kombination mit anderen Verkehrsträgern in der Stadt einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung des privaten PKW-Besitzes und damit urbaner Verkehrsprobleme leistet: Schon heute hat stationsloses Carsharing das Dreifache an Privatfahrzeugen ersetzt. Damit macht es allein in Berlin eine Parkfläche von über 12.000 und in München von über 5.600 Quadratmetern frei. Rund 40 Prozent der Carsharing-Kunden haben darüber hinaus auf die Anschaffung eines PKW verzichtet. Durch das Carsharing-Angebot in München und die Reduktion privater Fahrzeuge wurden 41 Millionen Kilometer im Jahr weniger gefahren als vorher. Dazu kommt, dass die Carsharing-Flotten einen deutlich reduzierten CO2-Ausstoß aufweisen als die durchschnittlich in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge. Der wachsende Anteil von Elektrofahrzeugen wird die Stadtluft künftig noch weiter verbessern. Wir haben in unserer DriveNow Gesamtflotte mittlerweile einen Anteil von 20 Prozent Stromern. Carsharing entlastet also die Städte von Parkdruck, Flächenbedarf, Fahrleistung und Emissionen. Wenn flexible und stationsbasierte Modelle noch weiter skaliert und weitere Nutzergruppen angesprochen werden, können wir künftig noch größere Effekte erwarten.

Wird das Autonome Fahren im urbanen Umfeld möglich? Wie sieht es aus und welche Risiken sehen Sie beim autonomen Fahren?
Im Bereich Carsharing kann autonomes Fahren nochmal ein richtiger Treiber werden. Denn damit lassen sich die Ressourcen Auto und Parkraum in der Stadt noch viel effektiver nutzen als bislang schon. Doch das erfordert komplexe und intelligente IT-Systeme, die die Fahrzeuge selbständig dorthin steuern, wo sie gebraucht und geparkt werden können. Bis autonomes Fahren Realität werden kann, wird es noch eine Weile dauern. Sicher ist aber, dass es durch intelligente Steuerung und hocheffiziente Auslastung die Verkehrsbelastung in der Stadt deutlich reduzieren wird.

Wie beteiligen Sie sich bei der „Fachmesse ConCarExpo“ im Juni?
DriveNow wird mit einem Informationsstand im Mobilitätssektor auf der Messe vertreten sein. Interessierte können sich dort an allen Tagen auch kostenlos registrieren. Zudem informieren wir auf dem Messeforum in Vorträgen über die Themen vernetzte bzw. Elektromobilität im Carsharing.

Die Fachmesse ConCarExpo 2016 findet am 29.-30. Juni 2016 in Düsseldorf statt.

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Heinz KüstersDas Interview führte: Heinz Küsters, Projektleiter der Fachmesse ConCarExpo 2016 und Abteilungsleiter von Business Services, VDI Wissensforum GmbH

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