Dank digitaler Transformation

Smart Services gehört die Zukunft

Die digitale Transformation hält Einzug in immer mehr Bereiche unseres Alltags und der Industrie. Dabei gewinnen neue Formen der Datenwertschöpfung, sogenannte Smart Services, an Bedeutung. Wir erklären, was Smart Services sind, worin ihr Nutzen liegt und wie es mit der Digitalisierung weitergeht. Am Ende könnt Ihr sogar den Smart-Service-Check machen.

Was sind Smart Services?
Als Smart Services bezeichnet man eine Kombination aus physischen und digitalen Mehrwertdiensten, welche auf intelligenten Produkten (Smart Products) aufsetzen. Sie unterstützen über cloudbasierte Plattformen die Erhebung und Bereitstellung von Informationen, die Filterung und Aggregation von Daten sowie die anwendergerechte Nutzung der Informationen.

Das betriebs- und volkswirtschaftliche Potenzial solcher Dienstleistungen ist bedeutend und wird wesentlich über den zukünftigen Erfolg unserer Industrie entscheiden. Smart Services wurden durch folgende vier technologische Entwicklungen der vergangenen Jahre ermöglicht:

  • Immer mehr Daten mit zunehmender Qualität kostengünstig erfassen
  • Daten schnell und fehlerfrei übertragen
  • Daten in sehr großen Mengen speichern und
  • dank immer leistungsstärkerer Computer nahezu in Echtzeit umfassend auswerten

Daten und das aus Ihnen gewonnene Wissen werden so zu zentralen Rohstoffen und zu Produktionsfaktoren des vierten industriellen Zeitalters. Bei der Datenwertschöpfung und somit der erfolgreichen Erbringung von Smart Services kommt der Datenauswertung und -analyse (Data Analytics) eine Schlüsselrolle zu.

Beispiel für Smart Services im Maschinen- und Anlagenbau (Honné 2016, S. 6)

Worin liegt der Nutzen von Smart Services?

Dieses Bild soll als Erklärung dienen: Anlagenbetreiber, welche die Komponenten und Rohstoffe ihrer Lieferanten zu Endprodukten verarbeiten und diese an Endkunden vertreiben, speichern während der Produktion erfasste Prozessdaten in einer cloudbasierten Plattform. Gleiches gilt für kooperierende Lieferanten und deren Technologiedaten. Auf der von dem Maschinenbauer betriebenen Plattform – hier sind auch andere Betreiber denkbar – werden die umfassenden Daten analysiert und basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen kundenzentriere Mehrwertlösungen, z.B. Verfahrensoptimierungen, Prognosen, oder intelligente Instandhaltungsdienstleistungen, für den Anlagenbetreiber konfiguriert.

Smart Services bauen somit auf den eingangs erwähnten technologischen Entwicklungen der letzten Jahre auf und ermöglichen eine nutzerspezifische Datenwertschöpfung.

Wie lassen sich Daten mithilfe von Data Analytics nutzen?
Die Wissensgenerierung auf Basis der Daten lässt sich in diese vier Teilschritte gliedern:2

Zu Beginn gilt es zunächst, Transparenz über mögliche Datenquellen zu erzeugen und tragfähige Geschäftsmodelle sowie eine zielführende Strategie zu entwickeln. In Abhängigkeit der entwickelten Strategie ist im nächsten Schritt zu prüfen, inwiefern die vorhandene Infrastruktur zukünftige Szenarien unterstützt und ob weitere Technologien und Systeme zur Datenerhaltung, Datenintegration oder zum Datenzugriff notwendig sind. Bevor mit der tatsächlichen Analyse der Daten begonnen werden kann, ist eine Integration und Konsolidierung der Technologien und Systeme notwendig. Darüber hinaus ist eine Datenaufbereitung durchzuführen, um die Daten stochastischen Verfahren zugänglich zu machen. Das bedeutet, unstrukturierte Daten werden in strukturierte Daten überführt. Den Kernprozess der Informations- und Wissensgenerierung aus Daten bildet die anschließende analytische Verarbeitung. Hierzu werden im vierten Schritt verschiedene statistische Verfahren kombiniert eingesetzt. Mit ihnen können Daten beschrieben, Strukturen und Muster entdeckt und gesamtheitliche Schlüsse gezogen werden. Dadurch lassen sich schlussendlich Hypothesen und Prognosen aufstellen, die den wesentlichen Mehrwert generieren.

Wie geht es weiter mit der Digitalisierung?
Durch die voranschreitende Digitalisierung und Vernetzung wächst die klassische Industrie zunehmend mit der IT-Welt zusammen. Dies führt zu einem Verschwimmen der Branchengrenzen zweier bisher weitgehend getrennter Welten. Dabei gilt es seitens der Industrie neue Potenziale zu heben und veränderte Herausforderungen zu meistern. Eine Kernherausforderung stellt die erfolgreiche Analyse und Auswertung der Daten dar. Um diese sicherzustellen, sind Digitalisierungsstrategien zu entwickeln und nicht zuletzt neue Kompetenzen aufzubauen. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen, wie sie im deutschen Maschinen- und Anlagenbau vorherrschen, sollten den sich andeutenden Wandel nicht unterschätzen und zeitnah eine Strategie für den digitalen Wandel entwickeln. Andernfalls drohen sie, den Anschluss an Großunternehmen oder global besser aufgestellte Wettbewerber zu verlieren. Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, fasste die aktuelle Situation kürzlich sehr treffend zusammen mit der Aussage „Sie müssen sich überlegen, ob sie Teil der Veränderung sein wollen – oder verändert werden“.

Smart-Service-Check – Wie gut sind Sie auf die Digitalisierung vorbereitet?
Eine Möglichkeit den eigenen Status-quo zu ermitteln und Entwicklungspotenziale im Hinblick auf die Digitalisierung aufzudecken, liefert der am FIR an der RWTH Aachen gemeinsam mit Industriepartnern entwickelte Smart-Service-Check. Der Check bildet einen ganzheitlichen Ordnungsrahmen und ermöglicht mit geringem Aufwand zu ermitteln, wie gut ein Unternehmen auf den digitalen Wandel vorbereitet ist.

Bild: RWTH Aachen3

Ansprechpartner beim FIR in Aachen:
Michael Honné, M.Sc. RWTH
Leiter Competence-Center Services
FIR e. V. an der RWTH Aachen
Institute for Industrial Management at RWTH
E-Mail: Michael.Honne@fir.rwth-aachen.de

 

 

Dieter Moll_TW1 Autor: Dipl.-Ing. Dieter Moll
VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung

 

 

 

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