Sicherheit in Gebäuden

Schutz vor Brand und Einbruch

Ein unscheinbarer Rauchmelder im Haus hat schon vielen Menschen das Leben gerettet. Der Schutz von Leben und Eigentum wird aber umso komplexer, je größer die Gebäude sind und je mehr Personen sich darin aufhalten. Die Richtlinie VDI 6010 erklärt die systemübergreifenden Funktionen sicherheitstechnischer Einrichtungen.Bild: Inga Nielsen/shutterstock.comRichtlinie-VDI-6010-Sicherheit-Gebaude-T9_702x363

Sie sind etwa handgroß, meistens weiß, hängen an den Decken von Schlaf-, Kinderzimmer und Flur, blinken in regelmäßigen Abständen und geben einen Alarmton von sich, wenn die Batterien gewechselt werden sollten. Im besten Fall ist das das einzige, was man von einem Rauchmelder zu hören bekommt. Diesen Hinweis sollte man nicht ignorieren, denn seit die Kampagne „Rauchmelder retten Leben“ vor 15 Jahren ins Leben gerufen wurde, hat sich in Deutschland die Zahl von 800 Brandtoten im Jahr auf etwa 400 nahezu halbiert. Dabei sind die sogenannten „Brandtoten“ in der meisten Fällen durch die Rauchvergiftung, oft im Schlaf gestorben. Das liegt zum einen daran, dass in den ganz frühen Brandphasen viel Rauch entsteht, auch wenn es noch keine oder wenige Flammen gibt, zum anderen daran, dass die Rauchgase sehr giftig sind.

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) sind aktuell etwa 50 Prozent der privaten Haushalte mit einem Rauchmelder ausgestattet – vor 15 Jahren lag der Anteil noch bei unter 5 Prozent. Bis alle privaten Haushalte mit Rauchmeldern versehen sind, wird es jedoch noch einige Jahre dauern, da die gesetzlichen Regelungen schrittweise in den einzelnen Bundesländern umgesetzt werden. Diese Pflicht, die unter Umständen unser Leben retten kann, erfüllen wir gern. Kostet ja auch schließlich nicht die Welt.

Etwas nachlässiger sind wir bei dem Schutz von unserem Hab und Gut, denn für Diebstahlschutz gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, was sich Einbrecher sehr zu nutze machen: Laut der bundesweiten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurde für das Jahr 2015 beim Wohnungseinbruchdiebstahl mit 167.136 Fällen ein Rekordwert registriert. Das ist eine deutliche Zunahme um 9,9 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014 und schon damals hatte die Polizei den höchsten Stand der vergangenen 15 Jahre registriert. Den Grund, warum die Einbruchskriminalität nicht in den Griff zu bekommen ist, kennt der GDV ebenfalls: Die an Fenstern und Türen in Deutschland vielerorts immer noch verbaute Sicherheitstechnik entspricht dem Stand der 70er Jahre. Ein bündiges Zylinderschloss an der Haustür, Rollzapfenverschlüsse an den Fenstern. Professionelle Täter brauchen in der Regel weniger als 15 Sekunden, um ein Fenster aufzuhebeln. Obwohl bessere und vor allem bezahlbare Sicherheitstechniken längst auf dem Markt sind, wird selbst bei Neubauten immer noch an der falschen Stelle gespart. Gleichzeitig rüsten die Täter technisch auf – bis hin zum Einsatz von Fotodrohnen, um die An- und Abwesenheiten der Hausbewohner auszuspähen. Die Erkenntnis, dass es eben doch nicht nur bei anderen passiert, kommt den Betroffenen erst nachdem sie beraubt und verunsichert wurden. Zwar kontrollieren mehr als 70 Prozent der Opfer seither, ob Fenster und Türen auch richtig verschlossen sind, doch nur zwei Drittel der Betroffenen geben gegenüber dem GDV an, Sicherheitstechniken neu installiert zu haben.
In öffentlichen Gebäuden oder Firmen ist Sicherheitstechnik nicht etwas, was nach Lust und Laune nachgerüstet werden kann. Sie ist zum Teil bauordnungsrechtlich vorgeschrieben, vor allem was Brandmeldeanlagen, Fluchttürsicherungen und Fluchtweglenkungssysteme betrifft. Diese sicherheitstechnischen Einrichtungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie systemübergreifende Funktionen zusammenführen. Wie, das erklärt die Richtlinie VDI 6010.

Funktionale Abhängigkeiten berücksichtigen

Noch heute werden sicherheitstechnische Einrichtungen eines Gebäudes, wie zum Beispiel Zutrittskontroll- und Einbruchmeldeanlagen, Brandmelde- und Kommunikationsanlagen, oftmals als jeweils autarke, in sich geschlossene Systeme und Anlagen gesehen. Die funktionalen Abhängigkeiten, wie Meldungen, Steuerungen, An- und Abschaltungen von technischen Anlagen, werden dabei nur bedingt in Planung und Realisierung berücksichtigt. Dabei können sich durch die Integration von systemübergreifenden Funktionen sicherheitstechnischer Einrichtungen für den Nutzer verschiedene Vorteile ergeben, darunter eine einheitliche Funktions-/Bedienoberfläche sowie ein direkter automatisierter Steuerungs- und Funktionsablauf. Dies jedoch nur, wenn bei der Zusammenführung der systemübergreifenden Funktionen auf sinnvolle und technisch einwandfreie Schnittstellen geachtet wurde. Die Mindestanforderungen dafür beschreibt die Richtlinie, indem sie sowohl die Schnittstellenmatrix als auch die Funktionsmatrix in tabellarischer Form als Hilfsmittel zur Verfügung stellt. Mit den projektierbaren Funktionen der Schnittstellen werden Steuer- und Meldeinhalte mit Angabe der Übertragungsrichtung angegeben. Für die Planung von sicherheitstechnischen Einrichtungen und Managementsystemen ist es unerlässlich, klare technische Vorgaben der systemübergreifenden Funktionen, deren Funktionalitäten und der entsprechenden Wirkrichtungen verfügbar zu haben. Denn der Funktionsmatrix können Hersteller entnehmen, welche der beschriebenen Funktionalitäten sie an der Schnittstelle zur Verfügung zu stellen haben. Planer können mit dem Bauherrn die Funktionsmatrizen nutzen, um die gewünschten Funktionalitäten in das Lastenheft einfließen zu lassen. Und schließlich können Bauherren und Betreiber bei Abnahme der Einrichtungen gegen die ausgefüllten Funktionsmatrizen prüfen. Den Nutzen systemübergreifender Funktionen veranschaulicht die Richtlinie anhand eines Fallbeispiels: ein Verwaltungsgebäude mit Rechenzentrum, das erhöhte Anforderungen an die sicherheitstechnischen Einrichtungen stellt. Schon alleine deshalb, weil die in den Doppelböden des Rechenzentrums verlegten Kabel und Leitungen eine erhöhte Brandlast darstellen. Betrachtet werden im einzelnen eine Brandmeldeanlage, eine Einbruchmeldeanlage, eine Zutrittskontrollanlage, eine elektroakustische Lautsprecheranlage und eine Gas-Löschanlage.
Planung und Realisierung sicherheitstechnischer Einrichtungen sind die eine Seite. Auf der anderen steht die Überprüfung der zum Schutz von Personen relevanten Funktionen. In Sportfunktionsstätten, Einkaufszentren oder Krankenhäusern zum Beispiel müssen die öffentlich-rechtlich geforderten Funktionalitäten bei Erstprüfungen, Wiederholungsprüfungen und Prüfungen nach wesentlichen Änderungen nachgewiesen werden. Hinweise zur Organisation, Durchführung und Dokumentation von Vollprobetests in Gebäuden hält Blatt 3 bereit, das auch zur Prüfung der Erfüllung von privatrechtlichen Vereinbarung angewendet werden kann.

Natürlich lässt sich die Richtlinie VDI 6010 auch anwenden, um der Gefahr der Brandentstehung und -ausbreitung in Anlagen entgegenwirken. Hier gibt das Blatt 2 sowie die Richtlinienreihe VDI 3819 konkrete Hinweise. Im VDI-Seminar Brandschutz in prozess- und verfahrenstechnischen Anlagen erfahren Sie, welche rechtlichen Anforderungen zu Brandschutz, Gefahrenabwehr und Anlagensicherheit relevant und welche Kriterien bei der Anlagensicherheit zu beachten sind. Die nächste Veranstaltung findet am 23. und 24. August in Frankfurt statt.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

 

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Schutz vor Brand und Einbruch

  1. Ich lege sehr viel Wert auf Sicherheit in den eigenen vier Wänden und habe daher in jedem einzelnen Raum Rauchmelder angeschlossen, denn man kann ja nie wissen. Ich hab ebenso in Sicherheitstechnik investiert, wie zum Beispiel Überwachungskameras, für den Fall der Fälle. Gut das man diesbezüglich schnell im Internet fündig wird.

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