Wo ist mein Paket?

Tracking hat in der Logistik nichts mit Sport zu tun!

Beim Tracking mit Smartphones, Smartwatches und Fitness-Armbändern werden persönliche  Leistungen protokolliert. Durch Sensoren lassen sich im Hintergrund die Schritte zählen und zurückgelegte Wegstrecken erfassen, die Höhenmeter aufzeichnen oder der Puls messen. Durch das Speichern und Auswerten dieser Daten werden sportliche Leistungen auswertbar.

Bild: NotionPic / Shutterstock.com 160216_VDI_DT_Kampagne_Tracking_Logistik_702x363

In der Logistik wird Tracking benutzt, um Zustellwege und die benötigten Zeiten für Versender und für Empfänger sichtbar zu machen. Jeder kennt aus dem privaten Umfeld die Sendungsverfolgung für Pakete mit Artikeln, die im Onlinehandel bestellt wurden.

Die Sendungsverfolgung im Online-Handel
Paketdienste wie DHL, Hermes, GLS, TNT, UPS oder DPD scannen an den verschiedenen Transportstationen den Barcode des Pakets. Das sind die Paketausgänge bei den großen Versendern (Amazon, Otto, Zalando und Co), die Paketeingänge in den Verteilzentren der Zustell-Dienstleister, die Ausgangstore, wenn das Paket auf das Zustellfahrzeug geladen wird und der Handscanner des Paketboten beim Zustellen zuhause beim Besteller. Wenn ein Paket einen solchen Scanpunkt passiert hat, werden Ort und Uhrzeit gespeichert und sind über die Sendungsverfolgung für den Kunden einsehbar.

Die Paketdienste verfügen in den Paketumschlagzentren über festeingebaute Scanner, die direkt an den Förderbändern angebracht sind und den Paketaufkleber lesen, während das Paket in hoher Geschwindigkeit durch die Sortieranlagen geschleust wird. Mobile Handscanner tragen die Paketfahrer bei sich. Damit wird die Zustellung bzw. Auslieferung eines Pakets quittiert und über den Touchscreen des Handscanners lässt sich auch die Unterschrift des Empfängers speichern. Moderne Handscanner verfügen außerdem über eine eingebaute Kamera, mit der sich auch Transportschäden am Paket fotografieren lassen. Während die stationären Scanner in den Paketdepots ihre Daten über eine Standleitung direkt in die Sendungsverfolgung einspeisen, sind die Handscanner auf eine mobile Datenverbindung angewiesen. Die meisten Handscanner verbinden sich ca. alle 1 bis 2 Stunden über eine GPRS- oder UMTS-Verbindung mit dem Zentralrechner des Paketdienstes und übermitteln alle bis dahin ausgelieferten Pakete, d.h. die Daten werden erst mit einer Verzögerung von 1 bis 2 Stunden in der Online-Paketverfolgung sichtbar. Auch Retouren oder nicht zustellbare Pakete werden auf diesem Wege erfasst und in der Sendungsverfolgung mit dem entsprechenden Status vermerkt. Die Handscanner der neuesten Generation sind dauerhaft über eine Mobilverbindung an die Sendungsverfolgung angeschlossen. So erhalten die Kunden schon wenige Minuten nach Paketauslieferung den entsprechenden Zustellungs-Status in der Sendungsverfolgung angezeigt.
Mehr als 100 Statusmeldungen
Um den aktuellen Zustand des Paketes zu definieren, werden mehr als 100 Meldungen verwendet; von „Abgesendet“ bis „Zugestellt“ und über „Empfang verweigert“ bis zu „Verzollung abgeschlossen“ ist so alles möglich.

Das funktioniert international
Damit Pakte aus dem Ausland länderübergreifend getrackt werden können, erhalten sie i.d.R. eine internationale Paketnummer, den sog. UPU-Code (Universal Postal Union). Diese Paketnummer erscheint bei internationalen Paketen in der DHL-Sendungsverfolgung in der Zeile „Ausländische Sendungsnummer“. UPU-Paketnummern beginnen immer mit 2 Buchstaben, dann folgt eine Zahlenreihe, und zum Schluss folgen wieder 2 Buchstaben mit der Kennung des Absenderlandes. Mit dieser internationalen Sendungsnummer können Sie Ihr Paket auf der Website der Postgesellschaft im Zielland verfolgen.

Bild: DHLTracking_DHL

Tracking-Anzeige; DE steht in diesem Fall für Deutschland

Empfänger und Versender haben so die Chance, im Internet den Weg der Sendung zu verfolgen.
Tracker um Wertvolles im Auge zu behalten
Im Gegensatz zu diesen sogenannten passiven Systemen gibt es auch aktive Systeme, die aktiv Signale senden oder aktiviert werden können. Kleine Anwendungen beginnen bei Schlüsseln und Smartphones, die mit kleinen sogenannten Tags ausgestattet werden, die auf Bluetooth-Signale reagieren und so ihren Standort bekannt geben (quasi als „Haushaltstracker“), die nur in kürzen Distanz innerhalb von Häusern oder Wohnungen funktionieren. Man kann sie auch so programmieren, dass sie auf einer App melden, wenn der markierte Gegenstand einen bestimmten Abstand überschreitet, dann hat man eine Diebstahlsicherung (z.B. für Koffer o.ä.). Ähnlich kann man auch Hunde oder Katzen mit Tags markieren, um ggfs. den Aufenthaltsort usw. ermitteln zu können.
Es gibt sogar Tracker (über W-Lan oder Bluetooth verbunden), mit denen Babys von ihren Eltern überwacht werden können, die permanent Herzfrequenz, Hauttemperatur sowie die Bewegungen des Kindes erfassen und ggfs. einen Alarm auslösen.

Bild: SproutlingTracking_Baby

Tracker für Babys, erkennen Schlaf, messen Temperatur usw. und sind online verbunden mit einer App auf dem Handy der Eltern

Tracker für internationale Transporte
Bei größeren Aufgabenstellungen, beispielsweise um ein Auto zu sichern oder stets über den Aufenthaltsort Bescheid zu wissen, setzen Hersteller GPS-Module ein. Solche Tracker benötigen ein Mobilfunkmodul, durch das Statusänderungen auch bei großer Distanz gesendet werden können – vorausgesetzt sie befinden sich in einem Gebiet mit Netzabdeckung. Wenn man den Tracker „anruft“, sendet er seine Koordinaten mit einem Google-Link per SMS. Außerdem kann man sie auch so einstellen, dass sie eine Meldung schicken, sobald sie bewegt werden oder z.B. eine vorgegebene Geschwindigkeit überschreiten. Zudem können sie in einstellbaren Intervallen über ihre Position Auskunft geben. Sogar einen Kilometerzähler kann man aktivieren. Dann zählt er die zurückgelegte Strecke und meldet sie auf Wunsch ebenfalls per SMS, alternativ auch über USB oder GPRS.

Bild: actsoft.comTracker_Container

Tracker können in Paketen, Europalatten und Containern verwendet werden – sichtbar und unsichtbar

Solche multifunktionalen Tracker sind im Prinzip Smartphones, die mit entsprechenden Energiereserven ausgestattet auch weltweit eingesetzt werden können, um Gegenstände von hohem Wert jederzeit orten zu können. Sie werden eingesetzt, um Container, teure Maschinen oder Anlagen, die weltweit verschickt werden, auf dem gesamten Lieferweg und die verschiedenen Zwischenstationen zu überwachen und jederzeit nachvollziehen zu können, wer auf welchem Teilstück des Lieferweges welchen Transportschaden verursacht hat. Dazu werden Lage- und Beschleunigungssensoren mit eingesetzt, die Stürze, Zusammenstöße, unzulässige Drehungen usw. erfassen können. Weiterhin kann man Wärme- und Feuchtigkeitssensoren anschließen, um Temperatur oder Wasserschäden nachzuvollziehen. Oder man überwacht die Tür des Containers, um bei unbefugtem Öffnen alarmiert zu werden. Oft werden solche Tracker auch unsichtbar eingebaut und der Empfänger und/oder der Logistiker weiß nicht, dass getrackt wird.

HaeffsAutor: Jean Haeffs
Aufgabe im VDI: Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (GPL)

 

 

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Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Tracking hat in der Logistik nichts mit Sport zu tun!

  1. Eine tolle Idee mit dem Tracker! Eine kleine Frage: von wem wird der Transportweg bestimmt, denn die Gebiete sollen doch mit einer guten Netzabdeckung sein? Gefallen haben aber ganz gut die Temperatur- und Wassersensoren, was dem Transport unserer Drohnen behilflich wird. Hut ab vor solcher talentvollen Kreativität!

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