Lindauer Nobelpreisträgertagung

Wo Nachwuchswissenschaftler auf Nobelpreisträger treffen

In Lindau am Bodensee treffen sich jedes Jahr zahlreiche Wissenschaftler. Viele von Ihnen sind weit angereist – sie kommen aus der ganzen Welt – mit einem einzigen Ziel: sich über Generationen und Kulturen hinweg über Wissenschaft auszutauschen. Die Lindauer Nobelpreisträgertagung ist eine Begegnung der besonderen Art. Denn hier kommen junge Forscher mit Nobelpreisträgern zusammen.

Im Interview sprechen wir mit den zwei jungen Wissenschaftlern Martha Liliana Cortés Sua und Fabian Machate, die der VDI für die Teilnahme nominierte. Sie erzählen von ihren Erlebnissen auf der Lindauer Nobelpreisträgertagung. Die diesjährige Tagung im Juni widmete sich der Physik.

Bild: Martha Liliana Cortés SuaAusflug auf die Insel Mainau

Ausflug auf die Insel Mainau


Martha Liliana Cortés Sua und Fabian Machate, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Martha Liliana Cortés Sua: Mein Name ist Martha Liliana Cortés Sua. Ich bin Kolumbianerin und 31 Jahre alt. Derzeit mache ich meinen Doktor an der Technischen Universität Darmstadt und habe meine Doktorarbeit vor ein paar Wochen eingereicht. Während meiner Studien habe ich mich mit Kernphysik befasst und insbesondere mit dem Verstehen nuklearer Strukturen der radioaktiven neutron-reichen Isotopen Nickel und Zink mit Hilfe der Gammastrahlenspektroskopie.

Fabian Machate: Ich bin 24, seit einem knappen Jahr Doktorand am 1. Physikalischen Institut B der RWTH Aachen University und arbeite im Gebiet der Astroteilchenphysik. Ich beschäftige mich mit Datenanalyse des AMS-02 Detektors auf der Internationalen Raumstation mit dem Ziel indirekte Signale von dunkler Materie in der kosmischen Strahlung zu identifizieren.

Ein Treffen mit Nobelpreisträger ist doch sicherlich sehr spannend, oder?

Fabian Machate: Es hat mich sehr gefreut zu erfahren, dass ich für diese weltweit bekannte Tagung nominiert wurde. Es ist eine einmalige Möglichkeit so viele herausragende Wissenschaftler und ihre Forschungen persönlich kennen zu lernen.

Dieses Jahr kamen 400 Nachwuchswissenschaftler mit 29 Preisträgern zusammen. Welche großen Persönlichkeiten haben Sie getroffen?

Bild: Martha Liliana Cortés Sua Martha Liliana Cortés Sua mit Nobelpreisträger Brian Schmidt

Martha Liliana Cortés Sua mit Nobelpreisträger Brian Schmidt

Martha Liliana Cortés Sua: Ich habe mit einigen Nobelpreisträgern geredet. Von Dr. William Phillips and Dr. Brian Schmidt war ich sehr beeindruckt. Sie waren jederzeit bereit dazu, mit ihren Studenten über alles Mögliche zu sprechen. Ich schätze insbesondere die Konversation mit Dr. Schmidt über die Schwierigkeiten eine akademische Karriere einzuschlagen.

Fabian Machate: Ich durfte auch einige Nobelpreisträger persönlich kennen lernen, z.B. Carlo Rubbia (ehemaliger Direktor General vom CERN), William Phillips (Physiker), Samuel Ting (Leiter der AMS-Kollaboration) und Brian Schmidt (Astronom).

Was hat Sie besonders inspiriert?

Martha Liliana Cortés Sua: Ich habe viele interessante Leute aus unterschiedlichen Ländern getroffen. Ich habe z.B. mit Mari gesprochen, ein Mädchen aus Georgien, die ihren Doktor in Quantum Information in Deutschland macht. Mit ihr und anderen Frauen aus der Wissenschaft zu sprechen, war sehr inspirierend. Auch Clemens möchte ich hier erwähnen, einen österreichischen Mathematiker mit dem ich interessante Diskussionen über Wissenschafts-Karrieren geführt habe.

Fabian Machate: Ich habe auch etliche andere junge Wissenschaftler aus allen Kontinenten und verschiedenen Fachrichtungen in der Physik kennen gelernt. Es war eine einzigartig internationale und interdisziplinäre Atmosphäre, die es so bei keiner anderen Tagung gibt.

Nach der Eröffnung am Sonntag gab es vier Tage lang vormittags Vorträge von den eingeladenen Nobelpreisträgern und nachmittags Diskussionsrunden und kleinere Sitzungen, bei denen man die Nobelpreisträger näher kennen lernen konnte. Was stand noch auf dem Programm?

Martha Liliana Cortés Sua:  Es gab Sitzungen, bei denen die Studenten den Preisträgern und anderen jungen Wissenschaftlern ihre Arbeit präsentieren konnten. Und es gab “Science Breakfasts”. Hier diskutierte ein Ausschuss, bestehend aus einem Preisträger und anderen Experten, über ein bestimmtes Thema. Wir hatten auch viel kulturelles Programm, ein nettes “Chill and Grill” Dinner, einen sehr lustigen Bayrischen Abend und einen tollen Bootsausflug auf die Mainau Inseln.

Was hat Ihnen am besten gefallen? Was waren Ihre Highlights der Veranstaltung?

Fabian Machate: Besonders gut hat mir gefallen, dass viele Nobelpreisträger großes Interesse an den Forschungsprojekten der jungen Wissenschaftler gezeigt haben. Ein besonderes Highlight war der Abendvortrag von Turing-Preis Gewinner Vinton G. Cerf – der „Vater des Internets“. Der Ausflug auf die Insel Mainau war schließlich ein hervorragender Abschluss einer hervorragenden Woche.

Martha Liliana Cortés Sua: Die Woche war voller schöner Momente. Allgemein mochte ich es sehr, mit Leuten zu sprechen – Preisträgern und Studenten. Es hat mein Verständnis dafür erweitert, was Wissenschaft in Zusammenhang mit der Welt bedeutet. Der Boots-Ausflug hat mir auch sehr gefallen. Ich konnte mich hier mit einigen Preisträgern in einer lockeren Atmosphäre unterhalten. Und die Insel war ein wunderschöner Ort, um den letzten Abend zu verbringen.

Vielen Dank für das Interview. Vielleicht sind Sie auch eines Tages wieder in Lindau – als Nobelpreisträger…

Auch in den vergangenen Jahren haben wir einen Naturwissenschaftler und zwei Ingenieure nach Lindau begleitet.

 

Kreitsch

Autorin: Andrea Kreitsch
Position beim VDI: Presse-Volontärin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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