Feuer im Lagerraum

Brandschutz in Hochregalanlagen

Ein Brand in einem Lager stellt die Feuerwehr in den meisten Fällen vor eine große Herausforderung. Zum einen, weil sich dort viel Material befindet, das noch dazu den Brand beschleunigen oder gar explodieren kann. Zum anderen ist der Brandherd schwer zugänglich. Vor allem dann, wenn er sich weit oben in einem Hochregallager befindet.

Bild: Maxim Blinkov/shutterstock.comRichtlinie-VDI-3564-Feuer-Lagerraum-T11_702x363

Im Februar kam es im Lager von Varta Consumer Batteries in Ellwangen zu einem Brand, bei dem in 13 Metern Höhe mehrere Paletten in Flammen standen. Auf diesen waren elektrische Geräte gelagert, die sich vermutlich selbst entzündet hatten. Da die Feuerwehr zuerst keine Möglichkeit hatte, näher an die brennenden Paletten heranzukommen, wurde das Feuer etwa zwei Stunden lang mit dem Wasserstrahl vom Boden aus bekämpft. Schließlich war es dann nur mit einem speziellen Gabelstapler möglich, Feuerwehrleute näher und gezielter an den Brandherd hochzufahren. Der Gabelstapler konnte aber nur vom Varta-Fachpersonal bedient werden. Und jener Mitarbeiter musste von der Feuerwehr erst eingewiesen sowie ebenfalls mit Atemschutzmaske und Filter ausgestattet werden. Erst als das Feuer gelöscht war, konnten die verbrannten Paletten mit der verbrannten Lagerware nach unten bugsiert werden, um im Hof die letzten Glutnester zu löschen. Allein das hat dann noch einmal zweieinhalb Stunden gedauert. So kam es, dass zu dem Schaden der verbrannten Ware noch ein immenser Wasserschaden durch die Löscharbeiten sowie die Sprinkleranlage hinzukam, der insgesamt mehr als eine Million Euro betrug.

Brandgefahr in Hochregallagern geht aber wie in diesem Fall nicht immer von dem gelagerten Gut aus. Typische Brandursachen sind Kurzschlüsse am Regalbediengerät, an stromführenden Leitungen oder in Schaltschränken. Und verpackt in Papier, Folien oder Kartonagen, liefert die gelagerte Ware die optimalen Brandbeschleuniger gleich dazu. Da Regalhöhen von bis zu 40 Metern und die geringen Zwischenräume einen Kamineffekt erzeugen, aufsteigende Brandgase erhitzen und höher gelegene Güter entzünden, reichen bereits wenige Minuten für eine Durchzündung bis unter die Hallendecke aus. Für die Feuerwehr ein großes Problem sind neben Lagerhöhe und Lagerdichte die eingeschränkten Angriffswege, wodurch sie in der Brandbekämpfung stark eingeschränkt ist. Weil der Vorteil eines Hochregals eben gerade der ist, dass man auf ‚wenig‘ Grundfläche viel lagern kann, ist es nicht sinnvoll, die Gassen zwischen den Regalen zu verbreitern. Es bleibt also nur eines: Hochregalanlagen sicher vor Bränden schützen. Und zwar nach der Richtlinie VDI 3564.

Brandschutz in vollem Umfang

Die überarbeitete Richtlinie beschreibt eine risikogerechte Zusammenstellung von Brandschutzmaßnahmen in Hochregallagern und gilt sowohl für die Planung und Errichtung als auch den Betrieb von Hochregalanlagen. Die beschriebenen Schutzmaßnahmen greifen ineinander, da sie den baulichen, technischen und organisatorischen Brandschutz beinhalten. Und damit sind nicht nur Brandschutzeinrichtungen wie Brandmeldeanlagen, Rauchabzugsanlagen oder Lösch- und Sprinkleranlagen gemeint. Ein ganzheitliches Brandschutzkonzept umfasst bereits die beim Bau verwendeten Materialien und berücksichtigt bei der Baukonstruktion bereits das Brandverhalten des Lagerguts einschließlich deren Verpackung und Ladungsträger. Viele Gefahren können bereits durch vorbeugenden Brandschutz begrenzt werden. Dazu gehört auch, dass alle Beteiligten, die für Sicherheit und Brandschutz verantwortlich sind, bei der Konzeption eng zusammenarbeiten. Gerade dem organisatorischen Brandschutz wird häufig nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt, wie der Brand bei Varta beispielhaft verdeutlicht. Den Kranführer erst im Ernstfall einzuweisen und mit einer Schutzmaske auszustatten, ist eindeutig zu spät. Deshalb empfiehlt die Richtlinie VDI 3564 Blatt 1 nicht nur die Unterweisung von Betriebsangehörigen, unter anderem in Bezug auf richtiges Verhalten im Brandfall. Sie empfiehlt auch, in regelmäßigen Zeitabständen Feuerwehreinsatzübungen in Zusammenarbeit mit der zuständigen Feuerwehr und mit deren Beteiligung durchzuführen. Dabei kann auch gleich die Baukonstruktion des Hochregallagers dahingehend überprüft werden, ob die räumliche Trennung mit ausreichenden Abständen zwischen den Gebäuden und/oder Hochregalanlagen so ausgelegt wurde, dass die Regale von beiden Seiten aus für die Feuerwehr zugänglich sind. Ausreichende Abstände für räumliche Komplextrennung liegen vor, wenn der Abstand zwischen den Gebäuden und/oder Hochregalanlagen mindestens der Höhe des höheren Gebäudes beziehungsweise der Hochregalanlage entspricht. Generell ist die Einbeziehung eines Brandschutzgutachters bei der Erstellung des Brandschutzkonzepts vorteilhaft, denn damit lassen sich nachträgliche Änderungen für eine erfolgreiche Abnahme eines solchen komplexen Projekts bereits im Vorfeld vermeiden.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

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Ein Gedanke zu “Brandschutz in Hochregalanlagen

  1. Bosch Sicherheitssysteme hat gerade für Hochregallager sowie für kritische öffentliche und industrielle Anwendungen im Dezember 2015 eine neue Lösung vorgestellt. Die Video-basierte Branderkennung AVIOTEC eignet sich besonders als Ergänzung für Umgebungen, wie in diesem Artikel beschrieben, in denen herkömmliche Systeme an ihre Grenzen stoßen. Der Kamerablick direkt auf mögliche Gefahrensituationen erlaubt eine schnellere Erkennung von Flammen oder Rauch als herkömmliche Brandmeldetechnik. So können Gegenmaßnahmen frühestmöglich ergriffen werden.

    Über direkt in der Kamera integrierte intelligente Algorithmen werden Rauch und Flammen detektiert. Durch die Erkennung von Feuer in der Entstehungsphase können Kameras einen Alarm innerhalb von Sekunden auslösen. Bei herkömmlichen Lösungen muss Rauch erst zum Detektor gelangen. Einflüsse von horizontaler Rauchverteilung oder Wärmepolster können die Detektionszeit negativ beeinflussen. Um zwischen echtem Feuer und Störgrößen wie Reflektionen, Bewegungen oder Gegenlicht zu unterscheiden, nutzt die Video-basierte Branderkennung auch hier intelligente Algorithmen. Dies gewährleistet eine sehr zuverlässige Erkennung nahezu ohne Fehlalarme und hilft Produktionsausfälle oder Betriebsunterbrechungen zu vermeiden.

    Im Gegensatz zu herkömmlichen Rauchansaug- und Flammenmeldern sind Videokameras einfach zu installieren und benötigen wenig Wartung. Beim Einsatz von Poe-Kameras (Power Over Ethernet) werden keine individuellen Stromversorgungen und –Kabel benötigt, was die Kosten weiter reduziert.
    Weitere Informationen unter: http://bit.ly/2da98yb

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