160 Jahre VDI

„Ingenieure sind Herz und Hirn des TÜV“

40_Seiten_Layout_S00040In diesem Jahr feiert der VDI seinen 160. Geburtstag, die TÜV-Organisationen ihren 150. Es ist kein Zufall, dass VDI und TÜV nahezu zeitgleich Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Beide sind eng mit der damaligen rasanten Industrialisierung verbunden. Wir sprachen mit dem Chef des Aufsichtsrats der TÜV Rheinland AG und ehemaligen VDI-Präsidenten, Professor Bruno Braun, über die Rolle der Ingenieure im TÜV und seine persönliche Bindung zum VDI.

Bild: TÜV Rheinland AGWegen der hohen Explosionsgefahr von Dampfmaschinen bildeten sich Mitte des vorigen Jahrhunderts – unterstützt vom VDI – Dampfkessel-Überwachungsvereine, die im staatlichen Auftrag tätig wurden. Aus ihnen gingen die TÜVs hervor

Wegen der hohen Explosionsgefahr von Dampfmaschinen bildeten sich Mitte des vorigen Jahrhunderts – unterstützt vom VDI –
Dampfkessel-Überwachungsvereine, die im staatlichen Auftrag tätig wurden. Aus ihnen gingen die TÜVs hervor.

Wie wichtig sind Ingenieure für den TÜV?

Ohne Ingenieure gäbe es keine technische Überwachung, gäbe es keinen TÜV. Ingenieure sind das Herz und Hirn der TÜV-Organisationen und aller anderen technischen Überwacher, ganz gleich in welcher Branche oder in welchem Land sie arbeiten. Es ist kein Zufall, dass VDI und TÜV nahezu zeitgleich Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind: Beide sind sehr eng mit der damaligen rasanten Industrialisierung verbunden.

Was machen Ingenieure bei den TÜV-Organisationen genau? Was müssen sie mitbringen?

Ingenieure bei den TÜV-Organisationen haben immer einen speziellen Blickwinkel auf die Sicherheit. Das ist das A und O. Sie prüfen den technischen Zustand von Anlagen oder Kraftwerken, Fahrzeugen oder Bauwerken, Produkten oder Systemen. Damit nicht genug: Ihren Sachverstand und die praktische Erfahrung bringen sie in Gremien ein, wenn es um die Verbesserung bestehender oder Schaffung neuer technische Regelwerke geht. Damit begleiten sie jede technische Innovation. Immer mit der Überzeugung: Technik muss dem Menschen und der Umwelt nützen statt zu schaden. Deshalb müssen Ingenieure, die bei einem TÜV tätig sind, auch in besonderem Maße die Fähigkeit mitbringen, Verantwortung zu übernehmen und ständig dazu zu lernen. Denn Technik ändert sich täglich – und damit ändern sich auch die Anforderungen an die technische Überwachung.

Bild: TÜV Rheinland AGProf. Braun ist Chef des Aufsichtsrat der TÜV Rheinland AG und ehemaliger VDI-Präsident.

Prof. Bruno Braun

Gibt es eine Fachrichtung, die beim TÜV besonders gefragt ist?

Bei aller Vielfalt der Arbeit gibt es schon Schwerpunkte. Sie ergeben sich aus den wichtigsten Tätigkeitsfeldern der TÜV-Unternehmen: Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik sind Fachgebiete, die bei den technischen Überwachern besonders gefordert und gefragt sind.

Welche Beziehung haben Sie, Professor Braun, zum VDI?

In jedem Fall eine sehr intensive. Wissen Sie, ich bin seit meiner Zeit als junger Ingenieur Mitglied im VDI. Sechs Jahre war ich Präsident des VDI, das war mir Ehre und Herausforderung gleichermaßen. Es waren sehr intensive Jahre mit so wichtigen Themen wie dem Innovationsdialog der Bundesregierung, Bekämpfung des Fachkräftemangels bei Ingenieuren, die Einführung von Bachelor und Masterstudiengängen, dem Deutsch-Chinesischen Dialogforum und dem Ausbau der internationalen Beziehungen. Kurz: Mich verbinden wunderbare Erfahrungen und Begegnungen und tiefer Dank mit dem VDI.

Wie haben sich Ihre Rollen als Präsident des VDI und als Vorstandsvorsitzender des TÜV Rheinlands gegenseitig beeinflusst?

Ich hoffe sehr, die eine Funktion hat die andere Rolle befruchtet und ich konnte die Erkenntnisse gewinnbringend für beide Seiten einsetzen. Als ich VDI-Präsident wurde, hatte ich bereits langjährige Erfahrung an der Spitze von weltweit tätigen Unternehmen. In meiner Antrittsrede als VDI-Präsident habe ich über uns Ingenieure gesagt: „Unsere Aufgabe ist es, technischen Fortschritt im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt zu entwickeln und nachhaltig und dauerhaft zu mehr Lebensqualität beizutragen.“ Das ist eine Überzeugung, die ich beim VDI und bei TÜV Rheinland gleichermaßen gewonnen habe. Als ein weiteres praktisches Beispiel will ich den Ingenieurnachwuchs und den Fachkräftemangel anführen. Das war ein wichtiger Punkt meines Programms als VDI-Präsident. Warum? Weil sich die tatsächliche Entwicklung mit der Einschätzung auf gesellschaftlicher und politischer Ebene und auch mit meiner Wahrnehmung als Unternehmer gedeckt hat.

Was waren Ihrer Meinung nach die Highlights in der gemeinsamen Geschichte von TÜV und VDI?

Gunter Wiesenack hat in seiner Geschichte der TÜV-Organisationen geschrieben, dass der VDI als „Geburtshelfer der meisten Dampfkesselüberwachungs-Vereine gelten“ kann. Der VDI feiert den 160. Geburtstag, die TÜV-Organisationen dieses Jahr ihr 150. Jubiläum. Insofern bevorzuge ich heute – statt des Bildes der Geburtshilfe – das Bild der Familie. Dabei ist der VDI der etwas ältere Bruder mit den TÜV-Organisationen als jüngerer Schwester. Sie verbindet ein gemeinsamer Weg mit vielen Höhen und einigen Tiefen; mal Dur, mal Moll, aber immer mit einer stimmigen Melodie.

Was wünschen Sie dem VDI zum Geburtstag?

Wandlungsfähigkeit, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Damit der VDI als Stimme in Wirtschaft und Gesellschaft auch morgen gehört wird – und mit ihm die Ingenieure.

Vielen Dank für das Interview.

Hanna_Büddicker_VDI1Das Interview führte: Hanna Büddicker
Position im VDI: Assistentin der Bereichsleitung Strategie und Kommunikation
Aufgabe im VDI: PR und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*