Protagonist der Ingenieuregeschichten über Windenergie

„Wenn der Wind weht, ist alles perfekt“

Frank Scholtka ist Projektingenieur bei E.ON und dafür zuständig, dass die Energiewende digital wird. Mit selbstentwickelten Apps treibt der Protagonist unserer neuen Ingenieurgeschichte die Wartung und Instandhaltung von Offshore Windparks voran. Dabei sitzt er keinesfalls nur im Büro, sondern ist auf der ganzen Welt unterwegs. Im Interview erzählt der 32-Jährige über seinen spannenden Job, seinen Weg zum Ingenieurberuf, was er über die Windenergie denkt und verrät, wie angehende Ingenieure am besten Fuß in der Erneuerbare Energien-Branche fassen können.

Hallo Herr Scholtka, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Bild: VDI / Fabian StürtzFrank ScholtkaHowdy! Ich bin Frank Scholtka, 32 Jahre alt und habe an der RWTH Aachen Wirtschaftsingenieurwesen mit den Schwerpunkten Produktionstechnik und Technologiemanagement studiert. Nebenher habe ich eine Zusatzausbildung im Qualitätsmanagement absolviert. Diese konnte ich dann sowohl in meinem Praktikum als auch in meiner Diplomarbeit bei E.ON im Bereich Windenergie anwenden als ich eine App fürs Fehlermanagement unserer Turbinen im Projekt Amrumbank entwickelt habe. Zurzeit bin ich der Projekt Manager für ein globales Projekt, in dem wir jeden Mitarbeiter unserer Onshore und Offshore Windparks mit Tablets ausrüsten. Darauf sind verschiedene Apps, die die alltägliche Arbeit unterstützen, was ein weiterer Schritt in der Digitalisierung unserer Wartungsaktivitäten ist. Ein Thema, das mich auch bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Cluster Erneuerbaren Energie Hamburg beschäftigt. Zum Ausgleich betreibe ich seit vielen Jahren Ju Jutsu und genieße gute Live-Musik.

Warum sind Sie Ingenieur geworden?
Prozesse und deren Optimierung fand ich schon immer sehr spannend. Dabei hat mich die Frage beschäftigt, wie man Prozesse und Strukturen so aufstellen kann, dass sie den gewünschten Output effektiv und effizient liefern. Und natürlich prägt mich – so wie viele Ingenieure auch – der Wunsch, Probleme zu lösen. Jedes Problem als eine Herausforderung zu sehen, die die Chance für eine noch bessere Lösung bietet, ist eine Einstellung, in der ich mich wiederfinde, und gleichzeitig ein starker Antrieb um Veränderungen voran zu treiben.

Für E.ON betreuen Sie das Thema Erneuerbare Energien. Was denken Sie, wie wichtig ist dabei die Windkraft?
Die Windkraft ist aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Faktor. Die Effizienz der Turbinen konnte in den vergangenen Jahren sehr gesteigert werden, die Auslastung und Verfügbarkeit der Turbinen ist immer höher und auch logistische Herausforderungen werden immer besser gemeistert. Meiner Ansicht nach kann die Windenergie als Rückgrat der deutschen Energiewende gesehen werden. Aus ihr kommt der größte Anteil des Erneuerbaren Stroms und das zu vergleichsweise günstigen Kosten.

Bild: E.ON02_Unterseite

Offshore Windpark Amrumbank West 40 Km vor der Küste Helgolands

Des Weiteren wächst die Windenergie weltweit sehr dynamisch und entwickelt sich technologisch rasant weiter. Ein Trend ist auf jeden Fall die Kostensenkung durch immer größere Turbinen (vor allem Offshore). Die Turmhöhe, Flügellänge und Leistung der Turbinen haben sich in den zurückliegenden Jahren enorm gesteigert und werden noch weiter wachsen.

Ein weiterer Trend ist die Digitalisierung: Es werden immer mehr Daten gesammelt, um Wetter/Produktion/Schäden/Ausfälle besser vorhersagen zu können. Dadurch können Wartung und Instandhaltung sowie Logistik optimiert und die Lebensdauer und Verfügbarkeit von Windkraftanlagen erhöht werden.

Beruflich sind Sie mal in den USA, mal in Dänemark und dann wieder auf Helgoland. Wo gefällt es Ihnen am besten und warum?
Ich genieße es sehr, dass ich viel unterwegs sein darf und vor allem oft unsere Windparks vor Ort besuchen kann. Dort kann ich die besten Erfahrungen sammeln, wie sich die Prozesse im Alltag leben lassen. Neben Dänemark und den USA bin ich auch in Schweden, England und Italien unterwegs und natürlich regelmäßig in unserem E.ON Campus in Essen. Rein auf den Ort bezogen gefällt mir Austin in Texas am besten. Es gibt abends in fast jeder Bar Live Musik, als auch fast immer sonniges Wetter, was ich sehr genieße. Wenn dann noch der Wind weht, ist alles perfekt.

Bild: VDI / Fabian Stürtz03_Zwischenbild

Der Hafen von Helgoland. Hier wurde Frank Scholtkas Ingenieurgeschichte gedreht.

Was raten Sie jungen Menschen, die darüber nachdenken, sich zukünftig im Beruf mit Erneuerbaren Energien zu beschäftigen?
Die Erneuerbaren Energien sind spannend und wichtig für unsere Zukunft. Viele technologische Entwicklungen haben diesen Bereich bestimmt und werden ihn weiterentwickeln. Außerdem ist es eine internationale Branche, die mit der Lösung eines weltweiten Problems kämpft. Aber wie den ersten Schritt machen? Einfach mal rein schnuppern, ein Praktikum machen, ehrenamtlich aktiv sein oder direkt Leute aus dem Bereich treffen oder anschreiben. Dazu passt eines meiner Lieblingszitate, das von Theodor Mommsen stammt: „Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität.“ Man merkt es einer Person an, wenn Sie für ein Thema brennt und tauscht sich dann gerne aus und hilft weiter.

Sie sind seit langer Zeit VDI-Mitglied. Wie unterstützt der VDI junge Ingenieure wie Sie im Beruf?
Schon seit jeher bin ich ein treuer Leser der VDI Nachrichten; insbesondere des Bereichs Management und Karriere. Neben vielen spannende und aktuellen Themen in verschieden Industrien, genieße ich vor allem die Ausführungen von Herrn Dr. Mell in seiner Kolumne. Des Weiteren fand ich die VDI Jobmessen sehr interessant, um verschiedene Firmen kennenzulernen und den VDI Stammtisch der jungen Ingenieure in Hamburg habe ich sehr genossen. Außerdem freut es mich, dass beim VDI ein starkes Netzwerk vorhanden ist, welches es mir leicht macht, mich mit Ingenieuren aus anderen Branchen auszutauschen.

Wie digital die Wartung von Turbinen im Offshorepark Amrumbank West funktioniert, zeigt unsere neue Ingenieurgeschichte. In diesen Zusammenhang haben wir uns auch einmal angesehen, was Wind ist und wie er entsteht? Nachdem das geklärt war, haben wir noch einen Blick auf die Erneuerbaren Energien und ganz speziell auf die Windenergie geworfen. Ihr könnt mit dem Thema Ingenieurgeschichten nicht so recht etwas anfangen? Kein Problem, wir klären auf: „Was sind eigentlich die VDI Ingenieurgeschichten?“

philipp-busse-foto.256x256Das Interview führte: Philipp Busse
Position im VDI: Junior Pressereferent
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

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