Technik und Informatik in der Schule

Wir brauchen Bildung 4.0!

Kinder und Jugendliche, die sich gerne auspowern…gehen zum Sportunterricht. Musikalische Mädchen und Jungen…stellen ihr Können im Musikunterricht unter Beweis. Aber was ist mit denen, die sich für Technik und Computer interessieren?

Bis auf Wettbewerbe bleibt es dem engagierten Nachwuchs oft selbst überlassen, zu experimentieren und zu programmieren. Warum ist das so? In den meisten Bundesländern wird an allgemeinbildenden Schulen inzwischen zwar Informatik in der Sekundarstufe 1 und 2 angeboten – einzig in Hessen und Bremen müssen Kinder und Jugendliche in der Unter- und Mittelstufe auf das Fach verzichten – ansonsten sieht es aber eher mau aus. Das Fach Technik fristet ein regelrechtes Schattendasein im Schulalltag. In nur sechs Bundesländern wird in der Sekundarstufe 1 Unterricht mit technischen Inhalten angeboten, in der Oberstufe gibt es sogar nur noch in vier Bundesländern Technikunterricht.

Bild: VDI nachrichten

Angebote der Länder in den Fächern Technik und Informatik an allgemeinbildenen Schulen (Abb. VDI nachrichten)

Um Jugendliche fit zu machen, für den Umgang mit Technik, braucht es mehr als das. Es ist wichtig, dass sich unsere Kinder so früh wie möglich in den Schulen intensiv mit Computer und Tablet als natürliche Lernmittel auseinander setzen. Wer soll für Deutschland beispielsweise die Industrie 4.0 schultern, wenn nicht unser Nachwuchs?

Leider ist unser Bildungssystem zurzeit nicht in der Lage, Schülerinnen und Schüler auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Ein internationaler Vergleich zeigt: In keiner anderen Industrienation nutzen Lehrpersonen seltener neue Technologien im Unterricht als in Deutschland. In unseren Klassenzimmern wird noch zu über achtzig Prozent mit Fotokopien und Overhead-Projektoren gearbeitet. Tablets werden punktuell gerade mal zu 13 Prozent eingesetzt. Deutschland fehlt es nachweislich an Ausstattung, flächendeckendem IT-gestützten Unterricht und qualifiziertem Lehrpersonal.

Was hilft es uns, wenn Industrie 4.0, Big Data, Cloud Computing oder das Internet der Dinge sich in riesen Schritten vorwärtsentwickeln, wenn gleichzeitig die Ausgangslage an den Schulen stagniert oder sich auf Grund von Budgetkürzungen und Lehrermangel sogar zurückentwickelt? Gar nichts! Wie sollen junge Menschen fit gemacht werden für die technischen Herausforderungen im Alltag und im Beruf, wenn sie über das passive und oberflächliche Konsumieren von Facebook, WhatsApp und Co. nicht hinauskommen. Was wir brauchen sind Bildungseinrichtungen, die junge Menschen darin befähigen, als mündige Akteure die digitale Zukunft kreativ mitzugestalten.

Um eine digitale Bildungs- und Qualifizierungsoffensive anzustoßen braucht es vor allem Investitionen. Der VDI hat anlässlich der Hannover Messe 2016 eine grobe und recht konservative Rechnung aufgestellt. Unterm Strich kommen wir dabei insgesamt auf einen zusätzlichen Investitionsbedarf im Schulbildungswesen von rund 2 Milliarden Euro. Jährlich versteht sich!

Und damit wären wir wieder bei einer schon sehr alten Forderung des VDI: Die Bundespolitik muss dafür sorgen, dass die technische Bildung und der Informatik-Unterricht endlich fest in den Curricula, in allen Schulen und über alle Jahrgangsstufen gleichermaßen verankert wird – im Zweifel auch über ein fast 70-Jahre altes föderales Bildungssystem hinweg. Der Blick in die aktuellen Bildungspläne zeigt, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist, der nur gemeinsam mit der Politik beschritten werden kann. Sonst heißt es am Ende: Ohne Bildung 4.0, keine Industrie 4.0!

Cathrin Becker_2Autorin: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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