Die Natur als Vorbild

Bionische Roboter auf dem Vormarsch

Bionische Roboter werden uns Menschen immer ähnlicher. Diese Ähnlichkeit fasziniert, doch sie schürt auch Ängste. Daher stellt sich Ivo Boblan, Protagonist unserer aktuellen Ingenieurgeschichte, die spannende Frage: Wie menschlich sollen Roboter in der Zukunft sein? Im Interview spricht Boblan über seine Rolle als Ingenieur im Bereich Robotik, die Natur als Vorbild für seine Arbeit und die Ängste vor Robotern.

Lieber Ivo, bitte stell Dich kurz vor.
Bild: VDI / Fabian StürtzIvo BoblanMein Name ist Ivo Boblan. Ich habe Elektrotechnik und Robotik an den Universitäten Dresden und Berlin studiert. Nach zwei Jahren Industrieerfahrung promovierte ich im Fachgebiet Bionik der TU Berlin zum Thema Modellbildung und Regelung fluidischer Muskeln. Derzeit bin ich Gruppenleiter einer BMBF geförderten interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe, die sich mit intuitiver Mensch-Roboter-Interaktion für den demographischen Wandel beschäftigt.

Dabei entwickelst Du bionische Roboter. Was fasziniert Dich besonders an ihnen?
Besonders fasziniert mich an bionischen Robotern, dass diese im Gegensatz zu herkömmlichen Robotern näher am biologischen Vorbild, sei es Mensch oder Tier, sind. Bionische Roboter sind Roboter mit klugen Lösungen, die wir uns von Lebewesen der Natur abgeschaut, technisch umgesetzt und funktionsfähig implementiert haben. Die Faszination liegt in der Idee, Grundprinzipien der Natur abzuschauen und auf Technik zu übertragen, damit diese Technik für uns noch hilfreicher im täglichen Leben wird. Man glaubt gar nicht, wie simpel die Biologie Dinge löst, wo wir uns in der Technik oft schwer tun. Wenn Roboter oder auch Technik allgemein zum Menschen gebracht werden soll und nicht umgekehrt, dann müssen wir in die Natur schauen, um menschzentrierte Technik zu entwickeln.

Zu Deiner Arbeit zählt auch die intensive Erforschung der Mensch-Roboter-Interaktion. Welche Rolle spielt sie für Dich bei der Entwicklung von Robotern?
Wenn wir Roboter entwickeln wollen, die Menschen helfen, dann müssen wir technische Sensoren und Aktoren entwickeln und einbauen, die in den selben Wertebereichen, Intensitäten und Schwellen, wie die menschliche Wahrnehmung arbeiten. Kommunizieren Roboter in den Bereichen, die wir nicht hören, fühlen oder sehen, verstehen wir sie nicht. Dann bekommen wir Angst, weil wir nicht verstehen, was sie kommunizieren. So verlieren wir die Kontrolle und das Vertrauen in die Technik. Wir Menschen werden diese Technik dann nicht nutzen wollen. Unser Auftrag ist es daher, das Zusammenbringen von menschlicher Wahrnehmung und technischem Fortschritt in der Sensorik und Aktorik im Hinblick auf Intuitivität und Ressourcen bei der Entwicklung neuartiger Roboter für die Gesellschaft.Bild: VDI / Fabian StürtzIvo Boblan

Ab wann wusstest Du, dass Du Ingenieur werden willst?
Ich wusste eigentlich schon sehr früh, dass ich etwas mit Technik und besonders Automatisierungstechnik – später dann Robotik – zu tun haben möchte. Interessant daran fand und finde ich bis heute, dass, wenn man etwas theoretisch erforscht, es auch gleichzeitig technisch aufbauen und auf Funktion prüfen kann und sollte. Getreu dem Motto „dem Ingenieur ist nichts zu schwör“ ist man mit dieser Ausbildung in der Lage, technische Dinge zu verstehen und Probleme zu lösen.

Was bedeutet es für Dich, Ingenieur zu sein?
Ingenieur sein im Kopf bedeutet für mich, Technik zu verstehen, sich darunter etwas Gegenständliches vorstellen zu können. Es geht darum, wie etwas funktioniert und warum die eine Technik etwas Spezielles tut und die andere eben nicht.
Ingenieur sein im Beruf bedeutet für mich, technische Zusammenhänge zu verstehen, Probleme zu erkennen und selbstständig zu lösen. Der Ingenieur ist der, der letztendlich etwas zum Laufen bringt bzw. bringen muss. Er ist derjenige, der etwas technisch bewegt, aufbaut aber auch zeigt, dass die wunderbare Theorie oft praktisch nicht umsetzbar ist. Die Umgebung, in der Technik agiert, verhält sich oft nicht so, wie wir, die Theoretiker, es gerne hätten.

So menschlich können Roboter sein: Die Ingenieurgeschichte von Ivo Boblan zeigt, wie Roboter zu sozialen Partner von uns werden. Im Vorfeld der Geschichte haben wir uns bereits angeschaut, was Roboter heute schon alles können und wo sie uns die Arbeit abnehmen können. Außerdem zeigt eine weitere Ingenieurgeschichte die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine. Ihr könnt mit dem Thema Ingenieurgeschichten nicht so recht etwas anfangen? Kein Problem, wir klären auf: „Was sind eigentlich die VDI Ingenieurgeschichten?“

Ihr wollt mehr über humanoide Roboter erfahren? Unsere Konferenz „Humanoide Roboter“ beschäftigt sich mit dem Menschen nachempfundenen Robotern. Das Themenspektrum reicht dabei von Design und Gestaltung über die kognitive Planung bis hin zu Anwendungsbeispielen.

Hanna_Büddicker_VDI1Das Interview führte: Hanna Büddicker
Position im VDI: Assistentin der Bereichsleitung Strategie und Kommunikation
Aufgabe im VDI: PR und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

 

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