Expertenbeitrag zum CESIS Kongress

Das Internet der Dinge verstehen und sicher nutzen

Das „Internet of Things“ (IoT) ist eines der Schlagworte unserer Zeit geworden. Dieses „Internet der Dinge“ ist längst dabei, den stationären PC zu ersetzen. An seine Stelle treten intelligente Geräte und Gegenstände (Things) mit einer virtuellen Repräsentation und einer internetverknüpften Struktur. Dabei soll der Mensch immer bequemer aber auch unmerklicher bei seinen Tätigkeiten unterstützt werden.
Bild: iStockphot.com_PonyWangInteernet of Things
Smartphones sind Alleskönner geworden, doch das ist erst der Anfang. Die eingebetteten Mini-Computer könnten bald in der Brille, im Auto oder in Kleidungsstücken auftauchen. Aber es ist nicht nur die technische Entwicklung, sondern es sind auch dahinterstehende Geschäftsmodelle, die unser Leben verändern werden. Im Vorfeld der Veranstaltung „CESIS – Globel Internet of Things“ hat Autorin Annedore Bose-Munde mit Experten auf diesem Gebiet gesprochen (mehr zur Veranstaltung gibt es am Ende des Beitrags).

Das Internet der Dinge bezieht sich nicht nur auf eine Vielzahl von Geräten, sondern auch auf Dienstleistungen und Strategien. Um auf dem weltweiten Markt nicht ins Hintertreffen zu geraten, ist es wichtig, Innovationen zu akzeptieren und Weiterentwicklung in die Geschäftsentscheidungen zu integrieren.

Unternehmen sind offen für die Digitalisierung der Prozesse
Bild: RWTH AachenFrank Piller„Wir erleben in der Interaktion mit Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen momentan das Phänomen, dass die Notwendigkeit, das eigene Portfolio und insbesondere auch das eigene Unternehmen auf die Erfordernisse der Digitalisierung auszurichten, zunehmend erkannt und akzeptiert ist. Viele der Konzepte und Überlegungen, die uns in dem Zusammenhang vorgestellt werden, sind jedoch stark technologieorientiert und fokussieren auf Prozess- und Produktentwicklung, ohne die dahinter liegende Geschäftslogik zu berücksichtigen. Auf diese Weise ist der Erfolg des Projektes aber sehr unsicher und hängt von vielen, vorab eben nicht untersuchten Faktoren ab“, erklärt Prof. Dr. Frank Thomas Piller, Inhaber des Lehrstuhls für Technologie und Innovationsmanagement an der RWTH Aachen.

„Alle Anwendungen, die in irgendeiner Weise Teil der Geschäftslogik eines Unternehmens sind, können durch neue Angebote potenziell bedroht werden“, erklärt Piller, der die erste Keynote der CESIS zum Thema „Neue digitale Business Modelle“ halten wird. Und genau um diese Erkenntnis geht es: Die heutige, über viele Jahrzehnte erarbeitete Marktführerschaft in einem profitablen Nischenmarkt könne etwa durch neu entstehende digitale Plattformen plötzlich einem enormen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sein, wenn innovative Start-Ups einen Weg finden, das Problem des Kunden anders, einfacher und schneller zu lösen oder durch Synergieeffekte günstiger. Das gilt auch für große Märkte und sehr etablierte Unternehmen, in denen die Wandlungsfähigkeit häufig deutlich schlechter ausgeprägt ist.

Im Bereich der Geschäftsmodell-Innovation muss die Frage aus Sicht von Piller lauten: Welche Potenziale könnten Unternehmer für einen Kunden realisieren? „Das muss nicht unbedingt ein Bestandskunde sein und die Realisierung muss nicht unbedingt mit einem bestehenden Produkt oder einer aktuell angebotenen Dienstleistung umgesetzt werden. Dort, wo neue Geschäftsmodelle systematisch entwickelt, getestet und eingeführt werden, lassen sich erhebliche Potenziale heben, die so weit gehen können, dass bisher erfolgreiche Angebote komplett vom Markt verschwinden. Dazu bedarf es neben den richtigen Ideen insbesondere einer Systematik, zielführender Methoden und der unternehmerischen Bereitschaft, diese konsequent anzuwenden und alles zu hinterfragen“, benennt er Ansatzpunkte dafür.

Cloudbasierte Service-Plattform für Maschinenbauer
Eine Branche, in der das Internet der Dinge und die Digitalisierung der Prozesse zunehmend Fuß fassen, ist der Maschinenbau. Um hier die geforderte Qualität in der Produktion sicherzustellen und auch in Hochlohnländern wirtschaftlich zu produzieren, müssen geeignete Maschinen effizient genutzt werden. Hierzu benötigen die Fabrikbetreiber Assistenz-Systeme, die helfen, Stillstandzeiten einzelner Maschinen zu minimieren und gleichzeitig die Abläufe in der Fabrik zu optimieren.

Bild: Trumpfklaus bauer„Die Bereitstellung und Nutzung von Daten schafft die Voraussetzung von Funktionalitäten wie Condition-Monitoring, Smart Data basierten Prognosen, Assistenzsystemen mit Augmented Reality und vielem mehr“, sagt Klaus Bauer, Leiter Systementwicklung Basistechnologie bei der Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG. Er wird auf der CESIS darstellen, wie Maschinenbauer cloudbasierte Services nutzen können, um beispielsweise die Verfügbarkeit und Effizienz der Maschinen zu optimieren oder um die Anlagen im Rahmen einer durchgängigen Smart Factory zu nutzen.

Die Vorteile einer solchen Service-Plattform liegen für Bauer auf der Hand: „Manuelle Arbeiten werden reduziert und der Personaleinsatz kann dadurch optimiert werden. Es treten weniger Fehler auf. Zudem können eine höhere Produktivität und eine bessere Liefertreue sichergestellt werden sowie eine schnellere Durchlaufzeit. Nicht zuletzt spiegeln sich die so organisierten Abläufe auch in einer höheren Qualität, weniger Ausschuss und weniger Reklamationen durch Kunden sowie in einer geringeren Lagerhaltung wieder.“

Im zweiten Teil unsere Beitrags zur CESIS geht es um das vernetzte Auto und wie es uns einmal helfen wird, Kosten einzusparen. Darüber hinaus geht es um Datensicherheit, denn überall wo Daten ausgetauscht werden, könnten Hacker lauern.

CESIS_Logo_CMYKDas ist „CESIS – Globel Internet of Things“: Der internationale Zukunftskongress wird organisiert vom VDI Wissensforum und findet vom 13. bis 14. Dezember in Berlin statt. Dort stehen Geschäftsstrategien und -visionen rund um den Themenkreis des Internets der Dinge auf der Tagesordnung. Die Hauptthemen sind branchenübergreifende Geschäftsmodelle, innovative Technologien sowie Datenverarbeitung und -sicherheit.

 

Autorin: Annedore Bose-Munde, Fachjournalistin für Wirtschaft und Technik

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