Ohne sie funktioniert die Digitale Transformation nicht

„Deutsche Mikroelektronik spielt herausragende Rolle für Europa“

Deutschland ist einer der Spitzenreiter in der europäischen Industrielandschaft. Hierfür spielen insbesondere hochinnovative Technologien der Mikro- und Nanoelektronik, der Leistungselektronik und der Photonik eine zentrale Rolle. Mehr als 50 Prozent aller Industriearbeitsplätze hängen von der Verfügbarkeit modernster mikro- und nanoelektronischer Komponenten ab. Im Interview erklärt Prof. Kutter, Leiter Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT, wie Mikro- und Nanoelektronik unser Leben beeinflussen und welche Stellung Deutschland bei der weltweiten Entwicklung innehat. Außerdem geht Kutter auf den Studierenden-Wettbewerb COSIMA ein, bei dem am 11.11.2016 das Team „Ghostbusters“ für eine innovative mikroelektronische Anwendung zur Identifikation von Geisterfahrern ausgezeichnet wurde.

Bild: Thomas Ernsting/LAIFtandem-x-friedrichshafen_image_1920px

Herr Prof. Kutter, wie schätzen Sie im Bereich der Mikro- und Nanoelektronik die zukünftige Entwicklung ein?
Im Zuge der fortschreitenden Digitalen Transformation wird die Abhängigkeit von der Mikro- und Nanoelektronik noch deutlich zunehmen. Schon heute gibt es weit mehr vernetzte Geräte als Menschen auf der Erde. Das Internet der Dinge reicht bereits jetzt in praktisch jeden Bereich unseres beruflichen und privaten Lebens hinein und es hat zentrale Relevanz für Schlüsselthemen der Zukunft wie etwa Industrie 4.0, Energie, Mobilität, Gesundheit und Wohnen. Bis zum Jahr 2020 werden 50 Mrd. Geräte miteinander vernetzt sein – und das geht nur auf der Basis von Mikro- und Nanoelektronik. Diese wird bald kaum noch Geld kosten und muss trotzdem sehr vieles und vor allem zuverlässig leisten.

Bild: privatKutter

Prof. Kutter

Wie beurteilen Sie die Stellung Deutschlands in der Mikroelektronik ein?
Deutschland spielt eine herausragende Rolle in der Mikroelektronik für Europa und muss sich dieser Verantwortung bewusst sein. Die europäische Mikro- und Nanoelektronikindustrie wird darüber hinaus durch eine hoch wettbewerbsfähige und ausgedehnte Wertschöpfungskette und ein Ökosystem von Unternehmen getragen. Unter diesen befindet sich eine Vielzahl von KMUs in den genannten regionalen Clustern. Wir müssen hier in Deutschland und in Europa aber unbedingt am Ball bleiben – der weltweite Konkurrenzkampf nimmt zu – gerade der Druck aus Asien ist sehr stark spürbar. Daher halten wir die Initiativen der Bundesregierung mit dem Rahmenprogramm „Mikroelektronik aus Deutschland – Innovationstreiber der Digitalisierung“ für absolut richtig. Es soll die forschungsintensive Mikroelektronik als deutsche Schlüsseltechnologie und wichtigen Industriezweig stärken. Das Programm unterstützt insbesondere die Entwicklung von Industrie 4.0, von Elektromobilität und automatisiertem Fahren, einer nachhaltigen und effizienten Energieversorgung sowie intelligenter Medizintechnik. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert das Programm bis zum Jahr 2020 mit rund 400 Millionen Euro.

Und was hat Mikroelektronik mit COSIMA zu tun?
COSIMA (Competition of Students in Microsystems Applications) ist ein seit 2009 existierender Wettbewerb für technikaffine Studierende, die neue Einsatzmöglichkeiten von Mikroelektronik und Mikrosystemen in verschiedensten Bereichen des Lebens finden sollen. COSIMA beinhaltet die wirtschaftliche Planung, die Öffentlichkeitsarbeit, die Projektdurchführung und die Präsentation des Vorhabens im Rahmen eines Wettbewerbs. Die Herausforderung liegt in der Realisierung eines praxisbezogenen, innovativen Projekts.

Wer hat den Wettbewerb in diesem Jahr gewonnen – und warum?
Gewonnen hat das Team „Ghostbuster“ von der Universität des Saarlands. Ausgezeichnet wurde das Team für die Überwachungen von Autobahnabschnitten auf Geisterfahrer. Um Geisterfahrten zu vermeiden, existieren bereits Anlagen mit Krallen oder Induktionsspulen in der Fahrbahn, die jedoch sehr teuer und aufwändig einzurichten sind. Die Idee des Teams war es, ein kostengünstiges und einfach zu installierendes System zu entwickeln, welches Falschfahrer erkennen und warnen kann. Außerdem soll es selbstständig ein Notrufsignal senden, damit eventuell benötigte Hilfe möglichst schnell vor Ort ist. Erkannt werden die Geisterfahrer von mehreren Sensoren, die in einen Leitpfosten integriert werden.

Und was gibt es zu gewinnen?
Alle Teams, die in den vergangenen acht Jahre mitgemacht haben, haben eine Menge gelernt: Teamarbeit, ein Ziel gemeinsam konkret verfolgen und vor allem etwas über die praktische Anwendung von Mikroelektronik. Es ist toll zu sehen, wieviel Spaß die Teams dabei entwickelt haben. Die Gewinner von COSIMA 2016 bekommen einen Geldpreis und qualifizieren sich automatisch für den internationalen Wettbewerb iCan, welcher im August 2017 in Peking stattfinden wird. In den vergangenen Jahren haben gerade die deutschen Teams auch hier häufig die ersten Plätze abgeräumt. Wir drücken schon jetzt die Daumen für das Team „Ghostbuster“.

Dieter Westerkamp_1Das Interview führte: Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Wissenschaft, Mitglied der Geschäftsleitung des VDI e.V.

 

 

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