Videointerview mit VDI-Direktor Ralph Appel

Wie verändern sich Qualifikationsanforderungen für Ingenieure in der digitalisierten Industrie?

VDI-Direktor Ralph Appel nahm am 10. November an der Jahrestagung der deutschen Stahlindustrie „STAHL 2016“ in Düsseldorf teil. Er sprach dort im Rahmen des Stahldialogs über die Bedeutung des „Ingenieur-Know-How für eine leistungsfähige Industrie“. Wie sich die Qualifikationsanforderungen für Ingenieure in der digitalisierten Industrie verändern, erklärt Herr Appel in einem kurzen Video-Statement.

Hier das Interview auch noch einmal in schriftlicher Form:

Welche Bedeutung hat das Ingenieur-Know-How für eine starke Industrie in Deutschland?
Als rohstoff- und ressourcenarmes Land lebt Deutschland einzig und allein von den Qualifikationen und dem Know-How seiner besten Köpfe. Der Ruf unseres Industriestandorts und auch des Gütesiegels „Made in Germany“ liegt natürlich auch in unserer starken Ingenieurskultur begründet. Unsere Ingenieure zählen weltweit zu den am besten ausgebildeten. Ihr Know-How ist sozusagen das „Kapital“, das die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie sichert. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: Ohne Ingenieur-Know-How stünde Deutschland heute ökonomisch weitaus schlechter da.

Inwiefern verändern sich die Anforderungen an Ingenieure durch die Digitalisierung in der Industrie?
Was wir durch die Digitalisierung erleben werden ist ein fundamentaler Wandel im innovativen Denken und Schaffen: Weg von der ausschließlich auf das Produkt zentrierten hin auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gerichteten Innovation. Und dieser Wandel wird natürlich auch die Anforderungen an Ingenieure verändern.
Sie müssen künftig noch bessere „Innovationsmanager“ werden und ihr Profil als rein technische Experten weiterentwickeln – das heißt z.B. für den Erwerb von Querschnittsqualifikationen aus den Bereichen Recht, Finanzen, Kommunikation, Management oder BWL. Sie werden sich insgesamt interdisziplinärer aufstellen müssen. In der „Smart Factory“ sind natürlich IT-Kenntnisse gefragt und Know-How über Software, Programmierung und Elektronik.

Welche Rolle nimmt der VDI in diesem Zusammenhang ein?
Zu den Kernaufgaben des VDI gehört die Bündelung von Wissen über Technologietrends z.B. aus den Bereichen Digitalisierung, Internet of Things oder Industrie 4.0 und die Weitergabe dieses Wissens an unsere Mitglieder – insbesondere natürlich dann, wenn sie von Ingenieuren neue Qualifikationen erfordern. Wir verstehen uns hier als „Denkfabrik für Technik“.
Um die Ingenieurausbildung sinnvoll weiterzuentwickeln, stehen wir im ständigen Dialog mit Schulen, Hochschulen und anderen bildungspolitischen Entscheidern. Natürlich auch mit Unternehmen. Wir wollen Ingenieure dabei unterstützen, sich mit ihrem Profil noch besser auf die Anforderungen der Digitalisierung vorzubereiten. Das Thema „Arbeiten in der digitalisierten Welt“ haben wir im VDI deshalb auch zum Schwerpunktthema für das Jahr 2017 ernannt. Dazu wird es eine Reihe von Publikationen geben und auch der Deutsche Ingenieurtag im Mai widmet sich dem Thema Arbeiten 4.0.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

 

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